Im Jahr 2015 belegte ein Gutachten über die hervorragende Qualität der beiden Heilquellen. Das passte wunderbar in das Konzept der Gesundheitsstadt Bad Brückenau. Die Stadt in diese Richtung nachhaltiger zu vermarkten, war ausgesprochenes Ziel der damaligen Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU).

Die Zulassung des Sprudels als ambulante Trinkkur Ende 2019 galt schließlich als Sahnehäubchen und Beginn einer neuen Vermarktungsstrategie. "Unsere Kompetenz ist die Gesundheit", hieß es damals aus dem Rathaus.

Klinik ohne Heilwasser

Doch einige Ziele und Vorhaben haben sich offensichtlich in Luft aufgelöst: Da war zum Beispiel das große Projekt, die Kurhalle zu sanieren, sowie das Wasser in das Konzept der benachbarten Franz von Prümmer Klinik einzubinden und die stärkere Vernetzung der Stadt mit den Akteuren, um nur wenige Punkte zu nennen.

In der Franz von Prümmer Klinik spielt das Heilwasser heute, sechs Jahre nach Veröffentlichung der Studie, keine Rolle. Das teilt Verwaltungsleiter Ralph Pleier auf Nachfrage mit. "Wir beziehen uns in der Klinik nicht auf den Sprudel", sagt er. Das liege vor allem an der kurzen Verweildauer der Patienten und an der Ausrichtung der Klinik. "Für rehabilitative Kliniken ist es hingegen eher interessant", fügt er noch hinzu. Die Sinntal Klinik und die Hartwald Klinik im benachbarten Staatsbad wären Beispiele für solche Kliniken.

Corona als Grund

Was die Sanierung der Georgi-Kurhalle angeht, so beschlossen Stadtrat und Bürgermeister im Frühjahr, das Thema um einige Jahre zu verschieben. Vorrang erhielt hier die Sanierung der Therme Sinnflut. Auf die Frage, ob die Stadt in den vergangenen Jahren konkrete Ideen, Seminare oder Angebote rund um den Georgi entwickelt habe, antwortet Bürgermeister Jochen Vogel: "Wir haben seit Frühjahr 2020 Corona."

Wegen personellem Wechsel und Krankheitsausfällen sei es darüber hinaus nur schwer möglich, den aktuellen Stand wiederzugeben. Der Rathauschef hoffe, dass die Situation ab kommendem Jahr wieder normaler wird.

Hotels fehlen

Badearzt Wolfgang Wildenauer verschreibt seit Jahrzehnten Badekuren und hat überaus positive Erfahrungen mit der Wirkung des Heilwassers gemacht. Er bestätigt, dass er in den vergangenen eineinhalb Jahren nur sehr wenige Trinkkuren verordnet habe. Die könne er an einer Hand abzählen.

"Die Sanierung der Georgi-Halle ist für mich allerdings nicht so vorrangig wie die fehlenden Betten für Kurgäste", kommentiert Wildenauer den Entschluss aus der diesjährigen Haushaltsberatung. Außerdem, fügt er hinzu, finde die Vermarktung der Heilquellen zu wenig statt. Die Pandemie habe hier sicherlich einen Beitrag dazu geleistet, allerdings müsste es aktiver beworben werden. Die Heilquellen seien für Bad Brückenau nach wie vor ein ungehobener Schatz.

Dass die Pandemie in den vergangenen eineinhalb Jahren ihre Spuren hinterlassen hat, trägt offensichtlich einen Teil dazu bei, dass die Trinkkur wenig angenommen wird. Denn insgesamt ist ein Rückgang bei den Krankenkassen an genehmigten ambulanten Vorsorgeleistungen zu verzeichnen. Das teilt die Pressestelle der AOK Bayern auf Nachfrage mit. Genaue Zahlen zur Trinkkur in Bad Brückenau können laut Pressesprecher Steffen Habit nicht genannt werden.

Staatsbad profitiert

Einen Katzensprung weiter, im Staatsbad Brückenau mit fünf weiteren Quellen, sieht die Situation ganz anders aus. "Die Wirtschaftskraft im Staatsbad ist ausschließlich durch die Heilquellen entstanden", erklärt Kurdirektorin Andrea Schallenkammer. Das betreffe die rund 500 Arbeitsplätze in den Hotels, Restaurants, Kliniken und Reha-Einrichtungen. "Die Heilquellen ziehen sich wie ein roter Faden durch alles durch", fügt Schallenkammer hinzu.

Ärzte und Hotels seien gut geschult und nutzen die Quellen zur Ergänzung in der Therapie. "Sicherlich kommen die Menschen nicht ausschließlich wegen der Quellen, diese sind aber ein großer Benefit", führt sie aus. Das Quellwasser werde beispielsweise im Vital Spa genutzt und sehr gut angenommen.

Nutzung im Konzept

In Bad Brückenau wiederum sind die beiden Quellen, Georgi-Sprudel und Siebener, jeweils an eine Physiotherapiepraxis angebunden. Beide Praxen haben eine Bade-Zulassung und bieten Anwendungen mit dem Wasser aus der jeweiligen Quelle an.

"Ursprünglich habe ich die Praxis in der Georgi-Halle eröffnet mit dem Ziel, das Heilwasser mit einzubinden", berichtet Michael Szczesniak von der gleichnamigen Physiotherapie-Praxis. Das war im Jahr 2004. Doch bis heute rücken die Anwendungen mit dem Heilwasser eher in den Hintergrund. Auch wenn es im Jahr 2015 durch das Gutachten über die Wasserqualität ein kurzes Aufflammen gegeben habe, verliefen weitere Bemühungen im Sande, das Heilwasser besser zu vermarkten.

Gemeinsame Linie?

Hier, wie auch in der PhysioVital Praxis im Siebener Park, liegt der Schwerpunkt auf konventionellen Therapien wie Krankengymnastik, Massagen, manueller Therapie oder beispielsweise Osteopathie. Finanziell gesehen lohne sich das Bäder-Geschäft nicht wirklich, heißt es aus der Praxis PhysioVital im Siebener Park. "Das ist aus der Tradition des alten Badehauses eher eine Herzensangelegenheit", bestätigt Inhaber Ullrich Geppert.

"Eine Zusammenarbeit mit ansässigen Kliniken findet leider nicht statt", heißt es weiter. Trotzdem ist Geppert überzeugt vom Siebener Heilwasser und dessen Wirkung. Deshalb hält er die Bade-Anwendungen aufrecht.

Die Malteser Klinik von Weckbecker bezieht das Wasser schon lange aus der Wernarzer Quelle im Staatsbad. Zum Georgi Sprudel gebe es kein Therapiekonzept, es passe nicht zu den Indikationen des Hauses. "Das Wernarzer Wasser steht unseren Gästen hingegen rund um die Uhr zur Verfügung", heißt es aus der Weckbecker Klinik.