Das Baugebiet Hart-Langeller zwischen Stadt und Staatsbad Brückenau ist schwieriges Terrain. Wer dort bauen möchte, muss sich mit einer ziemlichen Hanglage auseinandersetzen. Was die Baukosten automatisch in die Höhe treibt. Nicht umsonst sind in der Straße in den vergangenen Jahren nur wenige Eigenheime entstanden.

Nun möchte ein Bauherr dort ein "Mehrfamilienhaus mit fünf Wohneinheiten und Carport" errichten. So steht es in seiner Bauvoranfrage. Demnach soll das Gebäude drei Vollgeschosse erhalten, dazu ein zurückversetztes ausgebautes Dachgeschoss mit Flachdach. Die Traufhöhe würde 10,41 Meter betragen.

Damit überschreitet das Hauses aber die im Bebauungsplan vorgegebene maximale Traufhöhe von 9,25 Metern - um stattliche 1,16 Meter. Der Bebauungsplan schreibt außerdem höchstens vier statt der angefragten fünf Wohneinheiten vor.

Für das Carport mit acht Stellplätzen müsste wegen der Hanglage westlich vom Wohngebäude eine maximal 2,85 Meter hohe Stützmauer gebaut werden. Hier lässt das Regelwerk höchstens 1,8 Meter Mauerhöhe zu. Für alle diese Punkte möchte der Bauherr Befreiungen vom Bebauungsplan.

In der Diskussion über die Bauvoranfrage bildeten sich im Stadtrat schnell zwei Lager. Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) meinte: "Das ist eine Hanglage. Wir müssen froh sein, wenn Leute da Grund erwerben und bauen wollen."

Ähnlich sah es Dirk Stumpe (PWG). "Wir sind nicht in der Situation, uns die Rosinen rauspicken zu können." Die Stadt verschenke die Grundstücke am Langeller fast, damit dort etwas gebaut werde. Ein Bebauungsplan mache da Sinn, wo es etwas zu schützen gebe, wie in der Altstadt. Am Langeller will Stumpe "sich öffnen für etwa ganz Modernes. Wir können mit dem Projekt etwas Wegweisendes schaffen."

Heike Greenberg-Kremser (PWG) hielt dagegen. Sie habe mit Nachbarn gesprochen. Die würden darum bitten, der Bauvoranfrage nicht stattzugeben. Viele würden das Wohnen im Grünen als ein stück Lebensqualität empfinden - was durch das massive Bauwerk in Gefahr sei. Ein Stockwerk und eine Wohnung weniger würden diesem gut tun. Außerdem befürchtet Greenberg-Kremser Verkehrsprobleme, wenn dann mehr Menschen am Langeller wohnen.

Auch für Emanuel Fritschka (PWG) war die Meinung der Nachbarn sehr wichtig. "Das gibt Unruhe da oben. Das wäre nicht so gut."

David Fronczek (SPD) und Dieter Seban (CSU) begrüßten zwar, dass am Langeller gebaut werden soll. Sie gaben aber zu bedenken, dass nachfolgende Bauwerber auf die gleichen Ausnahmen pochen könnten. Und dass diejenigen, die bisher keine Befreiungen vom Bebauungsplan erhielten, sich düpiert fühlen könnten. Seban sah sogar die Gefahr einer "Reihenhaussiedlung mit glatten Fassaden".

In diesem Zusammenhang ist ein früheres Bauprojekt am Langeller 11 interessant - ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten. Ob dieses ursprünglich größer geplant war, konnte das städtische Büro Bauleistungen nicht beantworten.

Robert Eder (PWWG) gab zu bedenken, dass man am Langeller, um kostendeckend bauen zu können, den Rahmen ausschöpfen müsse. Und Bürgermeister Vogel sagte, dass der Blick der Stadt dahin gehen müsse, ihre Baugebiete vollzubekommen. "Wir haben noch mehr Baugrundstücke da oben. Meine Befürchtung ist, diese wie Sauerbier anzubieten."

Schließlich befürwortete der Stadtrat die Bauvoranfrage mit 12:6-Stimmen. Das letzte Wort und die Entscheidung über einen entsprechenden Bauantrag besitzt aber das Landratsamt.