Neun neue "Siebener" hat Kreisobmann Siegfried Schaub bei der Tagung des Kreisverbands der Feldgeschworenen Brückenau per Handschlag in den Kreis der Feldgeschworenen aufgenommen. Vereidigt wurden die Neuen während des Gottesdienstes in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. "Christus als Eckstein" sei für "das große Haus der Welt" wichtig, betonte Pfarrer Gerhard Götz. "Wir brauchen Menschen, mit denen wir rechnen können". Die Feldgeschworenen sorgten für "Recht und Gerechtigkeit".

"Im Gemeinwesen hängt alles damit zusammen, dass die Grenzen funktionieren", hob Landrat Thomas Bold (CSU) die Unverzichtbarkeit der Grenzsteine hervor. Auch im persönlichen Leben spielten Grenzen eine große Rolle. In Syrien, aber auch in den sozialen Medien, gerate das Leben aus den Fugen, wenn die Grenzen von Autorität und Würde nicht beachtet werden.

In Franken werde das älteste Ehrenamt besonders gelebt. Als Unterstützer der Vermessungsämter trügen die Feldgeschworenen mit ihrer Orts- und Menschenkenntnis dazu bei, die Grenzen aufzuzeigen und zu sichern und so "für den Frieden in den Dörfern" zu sorgen. Persönlichkeitsmerkmale wie Integrität, Verlässlichkeit, Sinn für Gerechtigkeit und Zivilcourage sorgten für "hohes Ansehen und persönliche Autorität", so Bold.

Heute hätten sich auf Grund des technischen Fortschritts, besonders in der Landwirtschaft, die Aufgaben geändert, "doch die Grundaufgabe ist geblieben". Zusammen mit den Gemeinden, den Landwirten und Grundstückseigentümern auf "gute Lösungen kommen" - dem kommen die Feldgeschworenen "in hervorragender Weise" nach. "Eine klare Linie sorgt dafür, dass es funktioniert." Für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen ehrte Landrat Bold langjährige Feldgeschworene.

Bürgermeister Dieter Muth berichtete von der Geschichte von Oberleichtersbach. Einerseits geprägt von alten Mühlen und der Kirche verschließe sich die Gemeinde nicht der Moderne. Trotz großer Investitionen in Gewerbe- sowie Baugrundgebiete, Wasserversorgung und Infrastruktur habe Oberleichtersbach eine niedrige Pro-Kopf-Verschuldung. Muth freute sich, "dass sich neue Feldgeschworene in den Dienst gestellt haben".

"Das älteste bekannte kommunale Ehrenamt", so Jürgen Bauer vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung erfordere "eine gewissenhafte unparteiische Arbeit". Die Feldgeschworenen unterstünden dem Vermessungsamt, würden von diesem auch unterstützt. Die neuen "Siebener" forderte Bauer auf, "das Amt gewissenhaft zu erfüllen und tatkräftig an der Feldgeschworenenarbeit mitzuwirken."

20 000 Feldgeschworene gebe es laut MdL Sandro Kirchner (CSU) in Bayern. Dies sei "ein ganz besonderes Ehrenamt" und damit verbunden eine Lebensleistung. Bereits seit dem 13. Jahrhundert trügen Feldgeschworene zum Frieden und Allgemeinwohl bei. 1970 sollte das Ehrenamt aufgehoben werden, dies scheiterte jedoch am fränkischen Widerstand, berichtete Kirchner.

Bernhard Zürner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gab bekannt, dass die Borkenkäfer- und Schwammspinnerbestände zunehmen, besonders auch die Waldbrandgefahr. Obwohl in Deutschland noch kein Fall von Afrikanischer Schweinepest verzeichnet wurde, "hat die Thematik aber Sprengkraft", so Zürner. Waldbesitzern, die planen, ihren Wald klimatolerant umzubauen, riet Zürner: "Nutzen Sie die Gelegenheit, die Fördertöpfe sind gefüllt."

Edgar Thomas vom Bauernverband sagte, auch unter veränderten Bedingungen würden die Landwirte ihre Aufgaben für den Naturhaushalt und die Biodiversität erfüllen. Würden Grenzsteine verrückt, was heutzutage mit den großen landwirtschaftlichen Maschinen mal passieren könne, helfe das Gespräch.

Kreisobmann Siegfried Schaub, der die Feldgeschworenen-Tagung organisiert hatte, legte den neuen Feldgeschworenen nahe, den Grundlehrgang, den das Vermessungsamt anbietet, wahrzunehmen: "Man lernt nie aus."

Am Kriegerdenkmal gedachte die Gemeinde der verstorbenen Feldgeschworenen. Zur Kirche und zum Tagungsort wurden die Tagungsteilnehmer vom Siebenerbaum, getragen von Feldgeschworenen Gerhard Helfrich, sowie den Siebenerdamen geleitet. Die Feierlichkeiten wurden musikalisch umrahmt von den Leichtersbacher Musikanten.

Neue Feldgeschworene
Karl-Heinz Klug, Andree Schneider, Jochen Müller, Walter Muth, Lothar Leipold, Andreas Martin, Berthold Zeier, Karl Dätig und Walter Bug.

Ehrungen

25 Jahre
Hans-Joachim Krug, Gebhard Schlotter, Edwin Kleinhenz, Bernhard Scheidt, Ernst Heller, Edwin Hahn, Wilhelm Wiesner, Karl Ziegler, Kurt Scheller, Erhard Schulz, Edgar Zeller, Karl Reith und Folker Müller;

40 Jahre
Rainer Halbleib und Willi Müller

50 Jahre
Helmut Halbig, Erich Müller

60 Jahre
Leo Schönstein