In diesen bewegten Zeiten ein Musikfestival zu machen ist organisatorisch schon eine Herausforderung. Die Veranstalter wichen in die Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus aus, um den geforderten Abstandsregeln Rechnung zu tragen.

Im ersten der drei Konzerte nahm der Gitarrist Stefan Grasse die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise durch sonnendurchflutete südamerikanische und spanische Landschaften. Sein "Entre cielo y tierra" betiteltes Programm bestand hauptsächlich aus eigenen Kompositionen. Grasse überzeugte durch eine solide Technik und ein feurig-percussives Spiel. Rasgueados aus dem Flamenco, Tremolotechnik, in das Spiel integrierte Percussionselemente und rasante Läufe ergaben ein facettenreiches Kaleidoskop für die Zuhörer, die den Gitarristen erst nach zwei Zugaben entließen.

Am zweiten Konzertabend war der Gitarrist Harald Stampa zu hören. Er ist in Bad Brückenau kein Unbekannter, denn er war schon zwei mal zu Gast bei den Bad Brückenauer Gitarrentagen. Sein Programm mit Werken des in Vergessenheit geratenen romantischen Gitarrengenies Leonard Schulz erwies sich als echte Überraschung. Leonard Schulz (1814-1860), der seiner Zeit als Gitarrenwunderkind in Wien präsentiert wurde, erschuf im Laufe seines Lebens eine Vielzahl an romantischen Kompositionen für Gitarre, die durch ihren melodischen und harmonischen Ideereichtum absolut überzeugen. Leider geriet die Musik von ihm in Vergessenheit.

Harald Stampa legte 2019 nun eine erste CD-Aufnahme mit kürzlich wiederentdeckten Werken vor. Im Konzertprogramm war eine Auswahl dieser Werke zu hören und Stampa spielte sie wahrhaft meisterlich. Blitzsauber und souverän vorgetragen entwickelten sich die Cantilenen über schnellen Mittel- oder Unterstimmen. Dramatische Teile mit schnellen Läufen oder wirbelnden Arpeggien wechselten mit ruhig fließenden, fast andächtigen Klängen ab. Im Stück "Recollections Of Ireland Op. 41" , eine Art Opernpotpourri, konnte man englische Volkslieder wie "The last rose of summer" oder eine schnelle irische "Jig" erkennen.

Der süße Klang der historischen Panormo-Gitarre von 1842 die Stampa an diesem Abend spielte, ein Instrument also aus der Zeit Leonard Schulz, gab dem Konzert das Sahnehäubchen auf.

Mit einer Matinee in der Friedenskirche mit Gitarristen der Hochschule für Musik Würzburg gingen die "31. Bad Brückenauer Gitarrentage 2020" zuende. Die beiden Meisterklassen-Studenten Moritz Beck und Silas Bischoff überzeugten mit einem Programm aus Barockmusik, Romantik und Moderne. Hier konnte man sich überzeugen, dass es um den gitarristischen Nachwuchs aus der Klasse von Prof. Jürgen Ruck gut bestellt ist.

Für das kommende Jahr sind die "32. Bad Brückenauer Gitarrentage 2021" für den Oktober in der Kirche St. Bartholomäus schon geplant.