Wenn auch auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung in Riedenberg zunächst nur zwei Punkte standen, nahm Bürgermeister Roland Römmelt kurzfristig noch einen weiteren dazu. Anlass war die schreckliche Flutkatastrophe im Westen unseres Landes, bei der so viele Menschen ihr Leben lassen mussten, von anderen das Hab und Gut schwerstbeschädigt oder gar ganz zerstört wurde. "Schreckliche Bilder haben uns vor einigen Tagen erreicht. Kein Mensch ist gegen solche Naturgewalten gefeit. Die Dimensionen dieses Unglücks sind unbeschreiblich und können uns doch alle treffen", zeigte Bürgermeister Römmelt seine Betroffenheit. So bat er um eine Gedenkminute für die vielen Opfer, bevor er zur eigentlichen Tagesordnung überging.

Schon einmal wurde das Thema "Denkort Deportation" in Würzburg im Gemeinderat behandelt. Die Räte entschieden sich, an diesem Projekt teilzunehmen, da auch Riedenberg eine Jahrhunderte lange jüdische Geschichte hat. Dass sich Schülerinnen und Schüler der St. Martin Schule in Riedenberg nun gerade auch mit diesem Thema im Religionsunterricht befassten und im Werkunterricht ein solches "Gedenk-Gepäckstück" fertigen wollen, nahmen die Gemeindevertreter freudig zur Kenntnis.

Wie Bürgermeister Römmelt erläuterte, haben die Vorfahren der Riedenberger Jahrhundertelang mit zahlreichen jüdischen Mitbürgern zusammengelebt. Bis zum Tag X, als sich mit dem Hitlerregime alles veränderte und alle jüdischen Familien deportiert wurden. "Unsere Großeltern haben dieses Thema totgeschwiegen. Umso wichtiger ist es für uns Nachkommen nun, im Gedenken an diese dunkelste Zeit der deutschen Geschichte, die so unmittelbar auch bei uns passierte, Mahnmale zu setzen und dies immer in Erinnerung zu halten", befürwortete er in aller Deutlichkeit dieses Projekt.

Die Lehrerin der St. Martin Schule, Frau Kraus, die mit ihren Schülern die jüdische Geschichte auch in Riedenberg aufgriff, recherchierte den Verbleib einer jüdischen Familie und konnte tatsächlich noch eine Überlebende von der Familie Viktor Sitzmann in Amerika ausfindig machen. Lea Sitzmann war als 14-jähriges Mädchen deportiert worden und hat noch viele Erinnerungen an Riedenberg. Sie ist heute 95 Jahre alt und heißt nun Behrmann.

Die Schülerinnen und Schüler der St. Martin Schule werden nun für den Denkort, der in Riedenberg am Dorfbrunnen sein wird, eine Tasche aus wetterbeständigem Holz bauen. Klaus Schumm, Inhaber der örtlichen Schreinerei, wird das nötige Holz besorgen und auch spenden. In einem feierlichen Akt soll diese Tasche nach Abschluss der Neugestaltung des Platzes um den Dorfbrunnen, die im Zuge der derzeitigen Straßensanierung vorgenommen wird, platziert werden. Zwar traut sich Lea Sitzmann die weite Reise aus Amerika nicht mehr zu, aber ihre Urenkel haben ihr Kommen bereits zugesagt.

Offizieller Abschied

Offiziell verabschiedet werden konnten die ausgeschiedenen Gemeinderäte nun endlich in der jüngsten Sitzung. Corona geschuldet war es immer wieder verschoben worden. Jürgen Schumm und Robert Schneider waren eine Legislaturperiode als Gemeinderäte dabei. Norbert Schneider gestaltete die Geschicke der Gemeinde für zwölf Jahre mit und war davon sechs Jahre Mitglied im Bauausschuss.

Auch Jutta Büchner war zwölf Jahre dabei und fungierte von 2014 bis 2020 als stellvertretende Vorsitzende des Rechnungsprüfungssausschusses.

Hubert Statt war am längsten dabei. Bereits 2002 wurde er in das Ratsgremium gewählt und war dort zunächst als stellvertretendes Mitglied, später als Mitglied der Gemeinschaftsversammlung aktiv. Außerdem war er im Bauausschuss. Ob seiner langjährigen Verdienste erhielt er die Kommunale Dankurkunde für seine 18-jährige Tätigkeit als Gemeinderat ausgehändigt.