Der 16. Dezember ist für Karl Schneider schon "seit einer halben Ewigkeit" von doppelter Bedeutung. Genau an jenem Tag bekam er 1970 in Augsburg seinen Meisterbrief ausgehändigt, neun Jahre später war es das Datum seiner Wahl zum Bürgermeister. Und auch heute noch steht der Rhöner, der Anfang Februar seinen 72. Geburtstag feiert, täglich in der Werkstatt, die im Laufe der Zeit zu einer großen Halle erweitert wurde. Stolz präsentiert er den Goldenen Meisterbrief, der dieser Tage in der Post war. Denn die Urkunde spiegelt mit aussagekräftigen Worten einen großen Teil seines bewegten Berufslebens wider.

Dass er einmal Schmied werden würde, stand für Karl Schneider schon in frühester Kindheit fest. Schließlich stammt er aus einer alteingesessenen Schondraer Handwerkerfamilie, die ihr Metier schon seit 1813 am Ort ausübt. Eine großformatige Ahnentafel, die an der Wand der Werkstatt hängt, dokumentiert die einzelnen Schaffensperioden der unterschiedlichen Generationen.

Von der Schulbank an die Werkbank

Praktisch übergangslos, so erinnert er sich noch genau, sei er 1963 von der Schulbank an die Werkbank gewechselt. Neuland war der Arbeitsplatz für ihn aber keineswegs, da er seinen Eltern, "zwei großartigen Menschen", schon sehr früh regelmäßig im Betrieb geholfen hatte. "Denn Personal haben wir nie gehabt", macht der Senior deutlich. Und das ist bis heute so geblieben. Zusammen mit seinem 33-jährigen Sohn Peter, der 2013 für seine Masterarbeit eine glatte Eins bekam, repräsentiert er den Betrieb, der seit 2007 unter der Bezeichnung Schneider Metallbau KG firmiert.

Im Gespräch erwähnt Karl Schneider auch kontinuierlich seine Frau Doris, mit der er seit 1981 verheiratet ist. Sie hilft seit der Eheschließung gern im Betrieb und hat auch den Blick für Details, "die den Männern nicht sofort ins Auge fallen".

Wo der Hammer hängt

"Der weiß auch heute noch ganz genau, wo der sprichwörtliche Hammer hängt", hat erst kürzlich ein Bekannter über den Jubiläumsmeister Karl Schneider gesagt. Und dieser Satz beschreibt sehr gut einen Mann, der trotz aller Erfolge im Beruf und als ehrenamtlicher Bürgermeister von 1979 bis 2002 stets bodenständig geblieben ist. Er selbst bewertet es als eine seiner guten Eigenschaften, "dass ich immer das Ohr am Volk gehabt habe".

Kein Geheimnis macht der Schondraer aus der Tatsache, dass es nicht immer einfach und durchaus zeitaufwendig gewesen sei, den Beruf Schmied und das Ehrenamt Rathauschef unter einen Hut zu bringen. Aber mit seiner zupackenden Art hat er auch größere Probleme relativ zügig aus dem Weg geräumt.

Rechtes Augenmaß und manuelles Geschick

In den mittlerweile 50 Jahren als Meister hat Karl Schneider selbstverständlich etliche rasante Entwicklungen miterlebt, die auch das Metier des Metallbauers in einigen Bereichen stark verändert haben. Aber trotz aller Automatisierung und dem Einzug des Computers in die Arbeitswelt sind für ihn zwei Dinge nach wie vor ganz wichtig, die auch in absehbarer Zeit nicht durch moderne Technik ersetzt werden könnten. "Ohne das rechte Augenmaß sowie manuelles Geschick läuft in unserer Branche nichts", bilanziert der Senior. "Ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen", sagt er auch aktuell noch voller Überzeugung.