Die Bühnenshow von Kaya Yanar im Staatsbad ist puristisch. Aber effektiv und unheimlich witzig. Der 42-jährige Komiker, der sich selbst so albern wie ein 14-jähriger Teenager einschätzt, bediente in einem über zweistündigen Programm in genialer Weise alle Klischees, die man im Zusammenhang mit unterschiedlichen Nationalitäten eben so kennt und liebt. Türken, Deutsche, Schweizer, Holländer, Japaner, Amerikaner, Russen - der gebürtige Frankfurter mit türkischen Wurzeln nimmt alle aufs Korn. Nie bösartig, aber ohne große Scheu. Natürlich hat sich der Vollblut-Komiker auch so seine Gedanken über Bad Brückenau gemacht, schweift die amourösen Geschichten von Lola Montez und König Ludwig I. eher beiläufig und schickt sich immer wieder an, auch seinem Publikum in humoristischer Weise einen Spiegel vorzuhalten. "In dieser ländlichen Idylle gibt es doch sicher auch Bauernhöfe mit einem Elektrozaun. Wer hat schon mal an einen Elektrozaun gefasst?" Dass auf einen Schlag mehrere hundert Hände in die Höhe schnellen, bringt den Bühnenprofi keineswegs aus der Fassung. "Ich finde es immer wieder geil, dass es Leute gibt, die einfach nicht an einem Elektrozaun vorbeilaufen können. Ich gehöre auch zu diesen Leuten. Es ist so eine Mischung aus Blödheit und Neugierde." In der Schweiz allerdings sollte man diese Dummheit unterlassen, rät Yanar aus eigener Erfahrung. "Die Ochsen sind dort etwas größer und fetter als in Deutschland. Die brauchen dort eine andere Stromspannung. Ich hätte es wissen müssen. Die Schweizer Bauern müssen da etwas mehr Saft draufgeben."
Weil es der Komiker allerdings auch bei den Eidgenossen nicht lassen kann, an "diesen bekloppten Elektrozaun" zu fassen, zwingt es den Deutsch-Türken in die Knie. Diese unfreiwillige Aktion bringt die Freundin von Yanar auf romantische Gedanken, weil sie nun einen Antrag von ihrem Lebensgefährten erwartet. "Ich bin eben ein alberner Vogel. Romantik und Albernheit sind zwei Gefühle, die passen nicht wirklich zusammen. Ich mache die ganze Stimmung kaputt."
Yanar stellt in seinem neuen Programm vor allem kuriose Urlaubserlebnisse in den Mittelpunkt. "In einer Woche all-inclusive nimmst du fünf Kilos zu. Wenn du dich beherrschst." Dass in manchen Billigfliegern Wasser in Yoghurtbechern gereicht wird, sorgt bei Turbulenzen für manche Verwirrung. "Entschuldigung, das ist mein Wasser auf ihrem Gesicht." So muss eben zuweilen der Sitznachbar abgeleckt werden, wenn der Durst zu groß wird. Und wenn das schwäbische Kleinkind Soraya eine Kreischattacke nach der anderen bekommt, hilft nur noch Klopapier in den leidgeprüften Ohren. Oder eine schalldichte Kabine, in die man die Kinder für drei Stunden einsperren kann. "Im Ikea gibt es doch auch ein Kinderland."


Versuche als Skifahrer

Urkomisch wird es, wenn Yanar über seine ersten Versuche als Skifahrer berichtet. "Türken und Wintersport, das passt doch irgendwie nicht zusammen." Weil die Freundin allerdings aus der Schweiz stammt und begeisterte Snowboarderin ist, bleibt dem Comedian nichts anderes übrig, als sich waghalsig und ohne großes Geschick die schwarz-rotkarierten Pisten hinunterzustürzen. Die todesmutige Aktion endet im Tiefschnee und schließlich im Krankenhaus. Immerhin haben es die Bretter unbeschadet überstanden. "Die standen dann in der Ecke und haben sich über mich lustig gemacht." Yanars Geschichten aus aller Welt sind schräg, überdreht, aber nie so ganz abwegig. "Ich schwöre es Euch, das habe ich wirklich erlebt", sagt der 42-Jährige immer wieder und grinst dabei schelmisch. Ein nahezu unerschöpfliches Repertoire an komischen Gesichtsausdrücken hat Yanar sicherlich auch zu seiner Berühmtheit verholfen. Der rasante Mimikwechsel ist beim Auftritt im Staatsbad allerdings nur für die Zuschauer in den ersten Reihen gut nachvollziehbar. Weiter hinten wird es für das Publikum schon etwas schwieriger, Mimik und Gestik richtig zu deuten. Das ist schade, denn Yanar ist in dieser Sache ein echter Profi, der schon mit seinem frechen Grinsen für Lacher sorgen kann. Eine Video-Leinwand hätte da wahre Wunder bewirken können.


Smartphones tabu

Positiv ausgewirkt hat sich allerdings das Verbot von Smartphones und Kameras während der Show. So war das Publikum nicht abgelenkt, jederzeit bei der Sache und konnte immer wieder herzhaft und befreit lachen.
Yanar, der routinierte Bühnenprofi, dankte dem Brückenauer Publikum für die erstaunliche Diszipliniertheit und ließ in den letzten zwanzig Minuten dann doch noch Smartphones zu. Viele nutzten diese Gelegenheit für Fotos und Videos. Aber man merkte sofort, dass damit Unruhe entstand und viele Zuschauer gar nicht mehr richtig dem Geschehen auf der Bühne folgten. Yanar nahm das vollkommen gelassen hin und ging in seiner Zugabe auf das kuriose Verhalten türkischer, deutscher und holländischer Väter Ende der Siebziger in Deutschland ein. Diese Nummer, die wohl auf einem Frankfurter Kinderspielplatz beheimatet war, ist altbekannt, immer noch sehr witzig und vor allem ein Paradebeispiel für Yanars Ethno-Comedy.
Der Türke, der sich in Deutschland wie ein Ausländer und in der Türkei wie ein Deutscher fühlt, macht aus Beobachtungen des Alltags gute Gags. Er ist und bleibt ein Wegbereiter und Pionier der Migranten-Comedy. Fraglos: Den Erfolg eines Bülent Ceylan würde es ohne die jahrelangen Tourneen eines Kaya Yanar heute nicht geben.