"Es waren spannende Zeiten mit immer neuen Herausforderungen", erinnert sich der Wolfgang vom Bruck, der 2001 nach rund 42 Jahren Dienst bei der Polizei in Pension ging. Aber auch im Ruhestand ist es dem Senior zusammen mit seiner Frau Gabriele nie langweilig geworden, zu vielfältig sind die Hobbys des agilen Ehepaares. Autowandern in Fachwerkstädte mit besonderer Geschichte, Pflege des großen Gartens, gutes Essen in einem gemütlichen Lokal sowie Tanzen und Musik sorgen für reichlich Abwechslung.

Fünf Inspektionsleiter erlebt

Wenn Wolfgang vom Bruck ins Erzählen kommt, dann wird schnell deutlich, dass das "Urgestein der Bad Brückenauer Polizei" seinen Beruf mit Leib und Seele ausgefüllt hat. Und auch heute noch verfolgt er täglich mit Argusaugen, "was draußen so läuft". Dabei wird dem ehemaligen Hauptkommissar immer wieder bewusst, welche rasanten Entwicklungen sich auch bei der Polizei vollzogen haben. Insgesamt fünf verschiedene Inspektionsleiter hat er in der Stadt an der Sinn erlebt. Mit allen sei die Arbeit im Laufe des abwechslungsreichen Berufslebens stets sehr konstruktiv gewesen.

Wichtig war dem Ordnungshüter, der seit insgesamt 55 Jahren in Bad Brückenau und davon 20 Jahre im Stadtteil Volkers lebt, immer der enge Kontakt zur Bevölkerung. Dabei kam ihm seine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit zugute. "Ich kannte meine Pappenheimer ganz genau. In vielen Fällen wirkte da eine klare Ansage schon wahre Wunder", sagt der Mann, der nicht nur mit seiner markanten Stimme regelmäßig einen bleibenden Eindruck hinterließ. Er selbst nimmt für sich in Anspruch, etliche Probleme mit einer gesunden Mischung aus Autorität und Fingerspitzengefühl gelöst zu haben. Gegenseitiger Respekt, "der heute leider oft vermisst wird", sei seinerzeit das Gebot der Stunde gewesen.

Ab 1966 in Bad Brückenau

Über die Stationen Würzburg, Ainring und Mellrichstadt kam Wolfgang vom Bruck, der 1959 seine Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei begonnen hatte, im April 1966 nach Bad Brückenau. "Damals waren wir noch im alten Inspektionsgebäude in der Crailsheimstraße untergebracht, ehe 1998 der Umzug in das wesentlich komfortablere Domizil in einer Jugendstilvilla an der Hammelburger Straße erfolgte."

Harte Zeiten und lustige Einsätze

In 14 Jahren Schichtdienst und als Streifenbeamter war der ehemalige Hauptkommissar praktisch mit allen Dingen konfrontiert, die den Alltag eines Polizisten prägen. "Die Palette erstreckte sich von kleinen Delikten über tragische Unfälle mit Toten und Verletzten bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen", blickt der Pensionär zurück. Besonders im Gedächtnis geblieben sind "die harten Zeiten in Wildflecken, wo es während der Stationierung der amerikanischen Streitkräfte oft nicht gerade zimperlich zugegangen ist". Es habe bei allem Ernst trotzdem durchaus auch lustige Einsätze mit filmreifen Szenen gegeben, "über die wir auf der Dienststelle noch lange danach herzlich gelacht haben".

Immer ein tragfähiger Kompromiss

Bekannt ist der ehemalige Ordnungshüter den meisten Rhönern aber hauptsächlich als Mitarbeiter Verkehr. Diesen Posten übernahm er 1980. Allgemeine Verkehrserziehung und andere Schulungen gehörten ebenso zu seinem Aufgabenbereich, wie beispielsweise die Unterstützung der Gemeinden bei einer sinnvollen Straßenbeschilderung. "Im Rahmen von Verkehrsschauen musste ich den Kommunalpolitikern dann schon hin und wieder klarmachen, dass nicht immer alles möglich war, was sie sich wünschten." In der Mehrzahl der Fälle sei aber immer ein tragfähiger Kompromiss gefunden worden. Vom Brucks klare Meinung, der die Gegebenheiten vor Ort aus dem Effeff kannte, hatte eben Gewicht.

Geplant war zum 80. Geburtstag des Pensionärs eigentlich ein große Fest mit den vier Kindern, fünf Enkeln und anderen Verwandten. "Da machte Corona leider einen Strich durch die Rechnung. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben", blicken Wolfgang und Gabriele vom Bruck optimistisch in die Zukunft.