"Bad Brückenau ist ein eigenes Völkchen, aber eines, das ich sehr gerne mag. Ich bin wahnsinnig gerne hier", sagt Dorothee Bär. Die frisch gebackene parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur besuchte am Dreikönigstag den CSU-Ortsverband in Bad Brückenau und traf dort auf Sternsinger, einen Schornsteinfeger und eine gut gelaunte Basis.

"Erst habe ich mir heute früh ganz viele Feinde gemacht auf Twitter und auf Facebook, als ich allen Menschen einen schönen Feiertag gewünscht habe und alle außerhalb Bayerns am Rad gedreht haben, weil die ja keinen Feiertag haben", scherzte die 35-jährige Ebelsbacherin. Für sie gehört der Umgang mit Social Media im Internet längst zum Alltag. "Meine Büros in Berlin arbeiten auch heute und haben mich schon den ganzen Tag mit ganz vielen Anfragen per E-Mail überhäuft", schilderte die Berufspolitikerin.

Bär machte keinen Hehl daraus, dass politisches oder gesellschaftliches Engagement oftmals auch mit Belastungen einhergeht. "Man macht das ja nicht für sich selbst. Man gibt sich und häufig auch die ganze Familie der Öffentlichkeit preis." Aus ihrer eigenen Kindheit weiß Bär, dass es nicht immer ganz angenehm sein muss, die Tochter des Bürgermeisters zu sein: "Da bin ich in der Schule auch beschimpft worden. Zum Teil ganz dramatisch. Aber es hat mich irgendwie auch härter gemacht." Sie selbst bemühe sich in ihrer eigenen Karriere darum, "dass es die eigenen Kinder nicht zu sehr tangiert".

Dabei sei es "wesentlich schlimmer", das Kind von einem Bürgermeister als von einem Abgeordneten zu sein. "Ein Bürgermeister ist eben doch noch viel näher dran." Auch Städträte müssten sich der öffentlichen Kritik stellen. "Das bedeutet Mut. Man lässt ja zu, dass andere über einen urteilen."

Und es sei keineswegs so, dass politisches Engagement in der öffentlichen Wahrnehmung durchwegs gewürdigt werde. "Wenn ich 50 Jahre in einem Schützenverein oder 75 Jahre in einem Sportverein bin, dann sagen viele: großartig, super. Wenn ich 50 Jahre in einer Partei bin, dann weiß ich nicht, ob jemand Anerkennung dafür findet, dass man sich so lange für die Demokratie eingesetzt hat." Viele politische und kommunalpolitische Ereignisse verfolgt Bär mittlerweile online.


"Wahnsinnspensum"

"Vom äußersten Zipfel im Landkreis Haßberge, wo ich herkomme, bis hin schon fast nach Hessen und oben in der Rhön", die Arbeit im Wahlkreis sei ein "Wahnsinnspensum" - mit einer gigantischen Informationsflut. Ohne den familiären Rückhalt und die Unterstützung durch ihren Mann "könnte man es auch nicht schaffen".
Am Wochenende hatte sich Bär einige persönliche Gedanken zum Jahreswechsel gemacht. "Wenn man Mutter ist, dann weiß man, dass es nichts Wichtigeres als Gesundheit gibt. Bei drei Kindern hat in der Regel immer irgendjemand irgendetwas. Meine Uroma hat immer gesagt: unter jedem Dach ein Ach."

Gleichwohl dürfe man nicht vergessen: "Dass wir in einem sehr privilegierten Land leben, arbeiten, Nachbarschaften und Familien pflegen dürfen." Natürlich sei nicht jeder Tag rosig, und gerade mit dem Jahreswechsel seien ganz viele Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche verbunden. "Man überlegt sich, was ist im letzten Jahr gut oder schlecht gelaufen, was kann man besser machen." Dennoch sei allein die Tatsache, dass man ohne Angst vor Waffengewalt oder Naturkatastrophen auf die Straße gehen kann, keine Selbstverständlichkeit in allen Regionen auf der Welt.


Als Kind viel in Europa unterwegs

"Das ist eine Errungenschaft, über die wir glücklich sein können. Ich komme aus einer Generation, in der nur die Großeltern noch den Krieg miterlebt haben. Meine Eltern sind 1947 und 1951 geboren, das war schon keine eigentliche Kriegsgeneration mehr. Das wird uns manchmal zu wenig bewusst."

Dass die Deutschen in Frieden und Freiheit leben dürfen, sei ein großes Thema: "Darauf kommt es doch wirklich an." Als Kind sei Bär viel mit ihren Eltern in Europa unterwegs gewesen. "Wir haben damals auch noch in den verschiedenen Ländern Stempel bekommen, was man sich jetzt gar nicht mehr vorstellen kann." Heutzutage könne man sich "sofort problemlos zurechtfinden, wenn man irgendwo in einer europäischen Fußgängerzone ausgesetzt werden würde. Ihren eigenen Kindern muss die studierte Politologin heute erklären, "was es eigentlich bedeutet, dass es früher einmal zwei Deutschlands gab".

Was das Leben in der damaligen DDR bedeutete, sei heute kaum noch vernünftig zu erläutern. Anerkennung zollt Bär allen, denen es nicht egal ist, was aus ihrer Heimat wird. Die Bundestagsabgeordnete forderte dazu auf, "nach links und rechts zu schauen, ob da nicht jemand ist, der eine helfende Hand braucht. Es sind nicht immer Menschen, die zehntausende Kilometer weg wohnen und uns brauchen. Vielleicht ist es direkt in der Nachbarschaft oder direkt in der Arbeit. Also auch dort Augen und Ohren offen halten."