In Bayerns Wäldern gibt es immer mehr Wildschweine. Dem Bayerischen Jagdverband zufolge wächst ihre Zahl europaweit. Grund dafür seien wärmere Winter durch den Klimawandel. "Die Tiere haben einen reich gedeckten Tisch zu allen Jahreszeiten", sagte der Referent für Schwarzwild, Max Peter von Montgelas, beim Schwarzwildsymposium, das der Bayerische Jagdverband mit dem Landkreis Rhön-Grabfeld Habermann in Oberelsbach veranstaltete.


Hohe Abschusszahlen

In der vergangenen Saison 2015/16 seien mit fast 85 500 Tieren in Bayern so viele Wildschweine geschossen worden wie nie zuvor. Um zu verhindern, dass die Tiere sich unkontrolliert vermehren, kamen Bayerns Jäger in Oberelsbach zusammen, um über neue Methoden bei der Jagd nach Wildschweinen zu beraten. In den vergangenen Jahren habe der Jagdverband "seine Hausaufgaben gemacht", sagte Montgelas. So seien ein digitales System zur Überwachung des Wildschweinbestands entwickelt und vermehrt Gatter errichtet worden, in denen Jagdhunde an die Tiere gewöhnt würden und so die Jäger bei der Jagd unterstützen könnten. Der Bayerische Jagdverband vertritt die Interessen von rund 46 500 Jägern in Bayern.

Mit dem Landkreis Rhön-Grabfeld sei ein Veranstaltungsort gewählt worden, in dem jährlich durchschnittlich mehr als zweitausend Wildschweine erlegt werden. Als vorbildlich bezeichnete BJV-Präsident Professor Dr. Jürgen Vocke dieses Engagement. "Wir können von den Franken lernen", sagte er mit Blick auf die Situation in anderen Regierungsbezirken und Landkreisen. In seiner Ansprache forderte er unter anderem eine staatliche Gebührenübernahme bei der Verkehrssicherung und der Trichinenuntersuchung sowie eine staatliche Förderung für das Schwarzwildmanagement-System BJVdigital.


Bejagungsschneisen

Weiterhin plädierte Vocke für revierübergreifende Drückjagden, bei denen der Fokus rein auf die Schwarzwildbejagung liegt, und forderte die Bereitstellung von Bejagungsschneisen und faire Wildschadensregelungen. Letzteres Thema nahm auch Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb in ihrem Grußwort auf. Sie sprach sich für eine Kommunikation zwischen den Beteiligten und einvernehmliche Einigungen aus. Vocke kommentierte: "Der Landkreis Rhön-Grabfeld hat einen guten Ruf. Ich wünsche mir, dass auch andere Bürgermeister das hören, was Bürgermeisterin Erb sagt. Es geht nur, wenn wir miteinander Auswege suchen."

Landrat Thomas Habermann, selbst passionierter Jäger, referierte über die Schwarzwildbejagung im Landkreis sowie über Jahrzehnte gesammelte praktische Erfahrungen. Es war ein Bericht aus der Praxis wie auch aus Sicht der Verwaltung. Habermann stellte die Lebensräume des Schwarzwildes im Landkreis, die Entwicklung des Bestandes und der Abschüsse vor. 1985/86 wurden 236 Wildschweine erlegt, in 2015/16 waren es 3050. Es ging aber auch um Jagdmethoden, um Hygiene und Sicherheitsregeln sowie die Vermarktung von Wildbret.


Hunde im Einsatz

Hubert Weikhart, Forstdirektor und Schwarzwildberater Oberfranken, sprach zum umstrittenen Thema der Kirrung sowie über den Schwarzwildarbeitskreis. Reinhard Landgraf, der Schwarzwildberater für Unterfranken, berichtete über seine Erfahrungen im Bereich des Hundeeinsatzes, den er als bedeutenden Baustein einer gelungenen Bejagung bezeichnete. Dr. Rainer Klöthi, Präsident des Aargauer Jagdschutzvereins (AJV), und Thomas Laube, Vizepräsident des AJV, führten den Blick über den "bayerischen Tellerrand" hinaus und stellten die Wildschadensentwicklung im Kanton Aargau vor.


Zusammenarbeit ist wichtig

Erfolgreiche Schwarzwildbejagung könne nur in Zusammenarbeit aller Beteiligten funktionieren. So referierte Landwirtschaftsmeister Werner Ortloff über das Thema der Wildschadensverhütung aus der Sicht eines Landwirtes. Weil Effektivität heutzutage auch von technischem Fortschritt und modernen Medien maßgeblich beeinflusst werde, berichteten Max-Peter von Montgelas und Josef Weig, Vorsitzender des Fachausschusses BJVdigital, über Erfolgsbeispiele des Schwarzwildmonitoring-Systems BJVdigital.

Die freiwillige Arbeit von Jägern sei allein die Arbeit im Bereich der Schwarzwild-Bejagung für das vergangene Jagdjahr über 17 Millionen Euro wert. Diese Summe müsste der Staat für Berufsjäger aufbringen - gäbe es die privaten Jägern und ihre ehrenamtliche Dienstleistung nicht.