Geschichtserfahrungen hat Matthias Elm genug, auch an Quellen mangelt es nicht: "Durch die Kothener Amtsrechnungen sind die Daten lückenlos vorhanden." Zeitweilig war Kothen ein eigenes Amt, die Aufzeichnungen von 1590 bis 1716 sind komplett erhalten - ein Luxus, den Elm sich bei so manch anderem Ort auch gewünscht hätte. Fakten lieferte auch das früheste Zinsregister von 1575, das erste Verzeichnis aller Häuser in Kothen. Die Geschichte von vielen älteren Häusern und Anwesen konnte der Speicherzer somit nahezu vollständig bis zum Erbauungsjahr zurückverfolgen, ebenso deren Besitzer.

Grundlage für weitere Familienforschungen

Auch für die Chroniken von Oberleichtersbach sowie von Alt- und Neuglashütten, Werberg und Dörrenberg, ehemalige Dörfer aus dem Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes, hat der 51-Jährige Häuserbücher geschrieben. "Wenn Häuserbücher Teil von Chroniken waren, fanden sie die beste Resonanz", resümiert Elm. Die Leser wollen Genaues über ihre Anwesen und Häuser, die gesamte Familiengeschichte, wissen: "Das war wichtiger als die Ortsgeschichte." Obwohl das Speicherzer Häuserbuch mittlerweile 17 Jahre alt ist, gibt es auch jetzt immer noch Nachfrage, dient es doch als Grundlage für weitere Familienforschungen. Für Ungeübte ist die Lektüre von alten Matrikeln mit der altdeutschen Schrift sehr schwer und professionelle Forschung teuer.

Reichster Ort im Altlandkreis

Im Fall von Kothen ist Matthias Elm fasziniert, "zu sehen, wie sich das alles entwickelt hat". Laut Türkensteuerkataster von 1605 war Kothen der reichste Ort im Altlandkreis. "Kothen hat zu fuldischen Zeiten eine herausragende Rolle gespielt", so Elm. Es gab zwar viele kleine Anwesen, doch die Steuern, die gezahlt wurden, lassen Rückschluss auf den Wert der Anwesen zu. "Der Besitz an Ländereien war in Kothen am höchsten", erzählt er. Die Grundbesitze reichten bis auf das Dammersfeld. Kothen hatte zudem eine Schweizerei als Winterquartier für das Vieh vom Dammersfeld. Ein Großteil der Eisengruben und die gesamte Eisenverhüttung für das Stift Fulda lag seit dem 15. Jahrhundert auf Kothener Gemarkung.

Ab 1816 gab es ein bayerisches Forstamt in Kothen. Es war zuständig für ein über 200 Quadratkilometer großes Gebiet von Poppenhausen bis zum Hammelburger Forstgebiet und auch für weite Teile des heutigen Truppenübungsplatzes. Der Bau des Truppenübungsplatzes stellt einen markanten Cut für die Kothener dar. Zwar wurden sie angemessen entschädigt, doch hat der Ort damals viel Land verloren.

Seit mehr als zehn Jahren hat Elm "vorgearbeitet" und bei Recherchen zu anderen Themen in Staats-, Diözesan-, Pfarr- und Gemeindearchiven auch Daten zu Kothen gesammelt. Nun hat er bereits mit seinem Layouter Karl Hahn aus Bad Brückenau die Gestaltung begonnen. Inhaltlich soll es dem Mottener Häuserbuch ähneln. Gegliedert ist es nach den alten Hausnummern, sogar die Wallfahrtskirche auf dem Maria Ehrenberg ist mit Hausnummer 99 dabei. Im Straßenverzeichnis kann man von der heutigen Hausnummer auf die einstige schließen, ein Namensregister ist enthalten, natürlich auch die Hausnamen.

Mindestens 50 Prozent fehlen

Das Projekt ist jedoch ins Stocken geraten, da für mindestens 50 Prozent der alten Häuser noch Bilder und Fotos fehlen. Elm hofft auf rege Beteiligung durch zur Verfügung-Stellen von alten Bildern. Ältere Hausbilder und Familienbilder - nach Möglichkeit vor den 1950er Jahren - sollen die Lücken im Häuserbuch noch füllen: "Bilder sind die Hingucker. Sie visualisieren das Datenmaterial, sie geben den Namen aus den Matrikeln ein Gesicht." Durch Bilder werde das Geschichtswissen anschaulich und lebendig. Der vorhandene Bilderbestand reicht Matthias Elm nicht aus, um das Häuserbuch fertigzustellen: "Wenn nicht noch viel mehr Bilder dazukommen, müsste das Projekt schweren Herzens wieder zurück in die Schublade."

Jeder, der Fotos aus Kothen hat, kann diese gerne eingescannt und im jpg-Format schicken an: Matthias-Elm@gmx.de. Kontakt ist auch unter Tel.: 09748/1223 möglich.