Der Kreuzberg kann sich richtig mystisch präsentieren. Wenn der Nebel zwischen den Bäumen hängt, und die Sonne ihre Strahlen kaum hindurch bekommt. Die jungen angehenden Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer haben die Szenerie in der Natur sichtlich genossen. An zwei Tagen waren sie am Kreuzberg - im Wald der Stadt Bischofsheim - unterwegs, um junge Buchenwildlinge zu pflanzen.

Forstwirtschaftliche Zusammenhänge aus erster Hand

Seit einigen Jahren gehört eine herbstliche Pflanzaktion in den Lehrplan der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer (Bischofsheim). Wie Fachlehrer Michael Kühnert  betont, sei es wichtig, den vorrangigen Werkstoff, das Holz, nicht nur unter künstlerischem Aspekt kennenzulernen, sondern die forstwirtschaftlichen Zusammenhänge aus erster Hand zu erfahren. Daniel Walter, Förster bei der von Waldhausen'schen Forstverwaltung (Gersfeld), die die Betreuung des Bischofsheimer Stadtwaldes inne hat, begleitete und organisierte die Pflanzaktion. Die Buchenwildlinge wurden im Stadtwald, wie es im Fachjargon heißt, zunächst "geworben". Das heißt, junge Buchen wurden mit der Grabgabel so aus der Erde gehoben, dass kein Wurzelballen, sondern nur ihr junges Wurzelwerk übrig bliebt. Diese minimalistische Form mache es beim Einpflanzen unter Fichten leichter, erklärte Walter. Es müsse ein weniger großes Pflanzloch ausgehoben werden, was bei steinigem Untergrund und durchwurzeltem Boden ohnehin nicht so einfach sei.

Kostengünstig und angepasst

Die jungen Buchen aus dem eigenen Stadtwald seien nicht nur kostengünstig, sondern garantieren auch, dass sie mit dem Standort am Kreuzberg zurechtkommen werden, wusste Walter. Gepflanzt wurden sie in der Nähe des Neustädter Hauses unter 60- bis 70-jährigen Fichten, die stark unter dem Borkenkäfer gelitten haben. Der Wald werde nun zu einem Buchenmischwald umgebaut.

Für die Holzbildhauerschule habe die Pflanzaktion gleich mehrere positive Aspekte, erläuterte Kühnert. Er nannte an erster Stelle den Begriff "Nachhaltigkeit": "Wir verarbeiten Holz und wollen auch wieder neues Holz anpflanzen." Sicherlich, die Buche sei kein ausgesprochenes Schnitzholz, dafür sei sie viel zu hart. So müsse die Pflanzaktion in gewisser Weise auch symbolisch verstanden werden. Und damit war Kühnert beim Aspekt des Klimaschutzes und CO 2 -Fußabdrucks der Schule, der in dem alten Gebäude und durch den Maschineneinsatz nicht zu gering ausfalle.

Zweier- und Dreierteams

Letztlich diene die Aktion aber auch dem Zusammenwachsen der Schulgemeinschaft. Im Herbst wurden zwölf neue Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Auf diese Weise fiel das Ankommen in Bischofsheim, das Kennenlernen untereinander leichter. Die Schülerinnen und Schüler haben bei der Pflanzaktion in Zweier- und Dreierteams klassenübergreifend zusammengearbeitet, den Tag miteinander im Wald verbracht und gemeinsam für die Verpflegung gesorgt.

Die Informationen zur Forstwirtschaft im Allgemeinen, dem Thema Borkenkäferbefall und dem Bischofsheimer Stadtwald mit seinen Eigenheiten im Besonderen, erläuterte Daniel Walter. All diese Themen gehören zum Unterricht. Kühnert betonte: "Es ist prima, die Fragen zum Waldumbau, Klimawandel und ganz praktische Themen, wie man richtig pflanzt, aus erster Hand zu erfahren. Was kann besser sein, als es im Wald praktisch zu erleben." Walter war vom Interesse der angehenden Holzbildhauer, die ihre Frühstückspause vor lauter Engagement beinahe verpassten, begeistert. Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert freute sich, dass diese Kooperation zwischen Stadtwald und Holzbildhauerschule sich so gut bewähre. "In zwei, drei Jahren können Sie nachschauen, was Sie gepflanzt haben", dankte er den Schülerinnen und Schülern.

Handwerkliche Tipps und Kniffe

Die Verbindung von Theorie und Praxis werde an der Schule ohnehin großgeschrieben, so sei es auch für die Forstarbeiter Georg Kirchner und Louis Sitzmann eine Selbstverständlichkeit, die handwerklichen Tipps und Kniffe weiterzugeben. Dass die Stadt die Brotzeit spendiert, war für Seiffert eine Selbstverständlichkeit.