"Natur unvergesslich", dieser Begriff passt hervorragend zum "Demenzprojekt", das die Gemeinde Sandberg federführend im Landkreis Rhön-Grabfeld koordiniert.  Nachdem Corona-bedingt die ersten Spaziergänge - der Start war für den 7. April, die Fortsetzung am 5. Mai geplant - abgesagt werden mussten, konnte nun jüngst die erste Veranstaltung in Sandberg selbst stattfinden.

Das Projekt mit dem Titel "Rhöner Walderleben für Menschen mit Demenz" richtet sich an von Demenz betroffene Menschen und ihre Angehörigen. Es soll zum einen eine Möglichkeit bieten, den Alltag zu bereichern, zum anderen auch ein niederschwelliger Einstieg sein, um über die Krankheit, ihre Auswirkungen auf die Familien und Partner sowie die verschiedenen Hilfsangebote ins Gespräch zu kommen.

Rund 37.000 Euro Projektkosten

Die Gemeinde Sandberg hat sich vor einem Jahr im Rahmen der bundesweiten "Allianz für Menschen mit Demenz" um das Projekt beworben und erhielt den Zuschlag. Für drei Jahre wird das Projekt vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben mit jeweils 10.000 Euro jährlich - insgesamt 30.000 Euro - gefördert. Die Gemeinde Sandberg geht von Projektkosten in Höhe von etwa 37.000 Euro aus. Sabine Nasner, "Fachkraft für die Walddörfer Senioren", die auf den Projektaufruf aufmerksam geworden war, hatte die Idee, mit Waldspaziergängen eine neue Art Herangehensweise an das Thema Demenz zu initiieren.  Sie nahm Kontakt mit Martina Heinrich auf, die ehrenamtlich die Selbsthilfegruppe "Vergiss-Mein-nicht" für Angehörige und die Gruppe "Die Spurensucher" für Betroffene anbietet und sich aufgrund ihrer eigenen familiären Geschichte seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt.

Projekt für die ganze Region

Von Nasners Idee, Waldspaziergänge für Menschen mit Demenz anzubieten, waren Martina Heinrich und ihr Mann, Förster Michael Heinrich, sofort überzeugt. "Bei Waldspaziergängen können demente Menschen ihren Bewegungsdrang ausleben. Das Laufen vermittelt dabei ein Stück Selbstbestimmung, die durch die Krankheit in anderen Dingen oft nicht mehr möglich ist", erklärt Martina Heinrich. Auch das allgemeine Wohlbefinden und die körperliche Beweglichkeit werde durch Spaziergänge an der frischen Luft günstig beeinflusst. Martina Heinrich wurde von der Gemeinde Sandberg als Koordinatorin und Projektmanagerin  eingestellt. Bürgermeisterin Sonja Reubelt ist es wichtig zu betonen, dass es kein reines Sandberger Projekt ist. "Es ist ein Projekt für den gesamten Landkreis, für die Nachbarlandkreise, für die gesamte Region."

Gemeinsame Stunden für Angehörige und Demenzkranke

Nach Sandberg gekommen waren auch die Altenheimseelsorgerin in der Region Rhön, Angela Stein, sowie Johanna Dietz von der Fachstelle für pflegende Angehörige, Schwerpunkt Demenz der Caritas. Für beide sei das Projekt eine gute Möglichkeit, um vor allem mit Angehörigen wie auch Menschen, die gerade die Diagnose Demenz bekommen haben, sowie Interessierten in Kontakt zu kommen. "Es ist eine sehr gute Möglichkeit, um niederschwellig, bei einem Spaziergang in Kontakt zu kommen", beschreibt Stein die Vorteile. Dietz sieht es auch als eine gute Möglichkeit, dass Angehörige miteinander in Kontakt kommen und eine Art Netzwerk entsteht. Das Projekt sieht sie als Bereicherung für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen, aber auch für andere Senioren und Interessierte. Demenz bringe oft viel Unsicherheit und viele Fragen mit sich. Beim Spazierengehen können in einer angenehmen Umgebung Gespräche geführt und Informationen gegeben werden. Menschen werden begleitet und unterstützt. Martina Heinrich ist es wichtig zu betonen, dass es sich um keinen Pflegenentlastungtag handelt, sondern gemeinsame Stunden für Angehörige und Demenzkranke in einer angenehmen Umgebung. "Manchmal tut es auch einfach nur gut, sich mit einer neutralen Person über den Betreuungsalltag austauschen zu können und so die eigenen Kräfte zu stärken." Auch Tabus rund um das Thema Demenz können bearbeitet und abgebaut werden. "Das ermutigt, sich dem Thema zu stellen und kann eine Verbesserung der Lebenssituation aller Beteiligten bewirken."

Kontakt

Kontakt zu Martina Heinrich per Mail: natur-unvergesslich@sandberg-rhoen.de

Infos zur Demenz-Erkrankung

Demenz ist eine der größten Herausforderungen der Gesellschaft. Bereits heute leiden rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland daran. Jährlich erkranken 300.000 Menschen neu. Um ein größeres Verständnis für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu fördern und Unterstützungsmöglichkeiten weiter auszubauen, hat die Bundesregierung 2012 die "Allianz für Menschen mit Demenz" ins Leben gerufen - ein breites Bündnis von Politik und Zivilgesellschaft, das sich für die Belange von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in allen Lebensbereichen einsetzt. Handlungsbedarf besteht besonders darin, Menschen mit Demenz ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, pflegende Angehörige bestmöglich zu unterstützen und bedarfsgerechte Hilfen unkompliziert verfügbar zu machen. Dazu gehört, das Wissen über die Erkrankung zu verbessern, neue Formen des Miteinanders zu etablieren, Städte und Dörfer demenzfreundlich und barrierefrei zu gestalten sowie Versorgungs- und Unterstützungsangebote enger zu vernetzen.