Ohne elektrischen Antrieb radeln Helga Nitsche und Klaus-Dieter Richter auf dem neuen Rhönexpress Bahn-Radweg. Die beiden kommen aus dem Kreis Offenbach. Die Strecke durchs Sinntal haben sie sich schon länger vorgenommen. "Bahn-Radwege sind Teil unserer Freizeitgestaltung", erzählt Richter. Erst kurz vor Wildflecken ist zumindest für seine Be gleiterin die langanhaltende Steigung doch etwas spürbar. Ansonsten loben die beiden den sanften Anstieg und die tollen Ausblicke über das Sinntal.

Auch ein Rad mit nur drei Gängen wäre für die Strecke ausreichend, ist sich Richter sicher. Die beiden sind zufrieden mit ihrem Ausflug in die Rhön, als sie den Wildfleckener Bahnhof erreichen. Begonnen hatte dieser allerdings etwas holprig. Richter wusste, dass die Bahnstrecke früher von Altengronau bis Wildflecken führte. Doch vor Ort suchten die Touristen vergeblich nach einem Hinweis auf den Radweg hinauf zur Rhön.

"Wir sind dann nach Zeitlofs gefahren und von dort aus zurück in Richtung Altengronau geradelt", berichtet Richter. Und tatsächlich finden sie unterwegs, mitten in der Natur, den ersten Hinweis. Mit weißen Buchstaben ist der Internetauftritt des Radwegs auf dem Asphalt aufgebracht. Er ist Teil der thematischen Gestaltung der Strecke, die in diesen Tagen umgesetzt wird.

"Die Arbeiten werden noch bis in den Herbst hinein dauern", sagt Sebastian Schneider von Toponeo. Das Fachbüro hat im Auftrag der Brückenauer Rhönallianz das Gestaltungskonzept erarbeitet. Einheitliche Elemente wie beispielsweise auf den Asphalt gemalte Gleise oder Andreaskreuze vor einer Kreuzung finden sich regelmäßig auf der Strecke.

Landesgrenze als Hemmnis

Tatsächlich beginnt die Gestaltung des neuen Radweges erst in Bayern. Die Nachbargemeinde Sinntal hatte zwar auf ihrer Seite ebenfalls einen Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse bauen lassen. Beim Gestaltungskonzept aber arbeiten bayerische und hessische Kommunen nicht zusammen. Durch Altengronau verläuft der Radfernweg R2. Doch bisher erfahren Touristen nichts von der nahe liegenden Route, die in die Rhön und mit dem E-Bike oder starken Muskeln sogar bis hinauf zum Kreuzberg führt.

Verwirrung gab es auch um die Bemalung des Asphalts auf Höhe des Metallwerks in Bad Brückenau. An dieser Stelle soll eine scharfe Kurve besser kenntlich gemacht und mit dem Motiv an die Bahngeschichte angeknüpft werden. Der Stadtrat hatte in der Vergangenheit mehrfach über eine bauliche Abgrenzung zur Straße diskutiert. Nun bleibt es bei einer optischen Wegführung.

Helga Nitsche und Klaus-Dieter Richter haben keine zwei Stunden für die Strecke gebraucht. "Der einzige Schönheitsfehler ist, wo die Brücke weggemacht worden ist", stellt Richter fest. An dieser Stelle müssen Radfahrer kurz von der Bahntrasse abweichen. Auch die Baustelle zwischen Wernarz und Rupboden ist ihnen aufgefallen. Der Straßenausbau soll noch in diesem Sommer fertig werden.