"Der Titel Fairtrade-Stadt ist eine Mischung aus Stolz und Verpflichtung", betonte Dirk Hönerlage von der örtlichen Steuerungsgruppe bei der Übergabe der Urkunde an Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) im Weltladen in der Ludwigstraße. An der kleinen Zeremonie nahmen auch 2. Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) sowie der evangelische Pfarrer Gerd Kirchner und dessen Frau Martina als Repräsentantin der Eine-Welt-Gruppe teil.

Rasante Entwicklung

Hönerlage erinnerte in seinem Rückblick daran, dass Bad Brückenau bei der Bewerbung im Jahr 2012 die erste Fairtrade-Stadt in der bayerisch-hessischen-thüringischen Rhön und die 89. in ganz Deutschland gewesen ist. "Heute sind es bundesweit bereits 750 Kommunen", ging der Koordinator auf eine rasante Entwicklung ein. Seinerzeit sei es Bad Brückenau nach nur einem halben Jahr Vorbereitungszeit gelungen, die begehrte Auszeichnung, die aktuell alle zwei Jahre erneuert werden muss, zu erhalten. "Die Angebote zum Einkaufen, Essen und Trinken sind neben Wellness und Kur in einzigartiger Landschaft die wichtigsten Anziehungspunkte der Stadt an der Sinn. Gäste aus aller Welt zu beherbergen, führt zu einem vertieften Verständnis von Partnerschaft und Offenheit. Der Regenbogen, das Symbol im Logo der Stadt, kann eben auch als Zeichen einer weltumspannenden Vernetzung verstanden werden", erläuterte der Redner einige Kriterien. Die erneute Zertifizierung zeige, dass auch für die Bürger die soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit unteilbar sei, und der verantwortungsvolle Umgang mit den knappen Ressourcen eine wichtige Aufgabe darstelle, "nicht zuletzt mit Blick auf nachfolgende Generationen".

Tatsächlich engagieren sich sowohl die örtlichen Geschäftsleute als auch Kirchengemeinden und Schulen nachweislich, wie ein unabhängiges Prüfgremium nun wieder bestätigt hat, für den fairen Handel. Und die Akteure fordern und fördern damit die Sicherung sozialer Rechte für alle. Unterstützt werden sie dabei vom Stadtrat.

Auswirkungen für Menschen in den Entwicklungsländern

Abschließend umriss Hönerlage, welche Auswirkungen Fairtrade für Menschen in den Entwicklungsländern hat. Fairtrade verhindere ausbeuterische Zwangs- und Kinderarbeit, ermögliche Kindern eine Schulbildung, verbessere Lebens- und Arbeitsbedingungen, eröffne Auswege aus Drogenanbau und -konsum, erleichtere den Regionen des Südens partnerschaftliche Teilhabe am Weltmarkt, fördere langfristig Handelsbeziehungen und schütze die Umwelt. Von großer Bedeutung seien darüber hinaus die fairen Preise. Martina Kirchner, die im Weltladen praktisch an vorderster Front steht, weiß aus eigener Erfahrung, "dass der faire Handel mittlerweile für jede Gelegenheit etwas bietet". Denn nicht nur die Klassiker wie Kaffee, Tee oder Kakao und Schokolade würden fair gehandelt. Blumen, Fußbälle, T-Shirts, Gewürze, Zucker, Kekse, Honig, Wein, Reis, Schmuck, Kleidung, Sportartikel, Kinderspielzeug und sogar Teppiche bereichern seit einigen Jahren das Angebot.

Lob vom Rathauschef

Von einer tollen Sache sprach Bürgermeister Vogel, der noch einmal den unermüdlichen Einsatz seiner Vorgängerin Brigitte Meyerdierks auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt ins Gedächtnis rief. Durch Fairtrade könne auch ein wichtiger Beitrag zur Bildung und zum Umdenken in der Gesellschaft geleistet werden. "Bei Kleidung legen die Leute großen Wert auf Qualität im hochpreisigen Segment, Lebensmittel dagegen sollen nicht billig genug sein", nannte der Bad Brückenauer Rathauschef ein Beispiel. Diese Einstellung sei ein Irrweg, hier müsse eine total andere Richtung eingeschlagen werden.

"Kontinuierliches Engagement über Jahrzehnte"

Seinen Dank für ein "kontinuierliches Engagement über Jahrzehnte" sprach 2. Bürgermeister Pfister den Verantwortlichen der Eine-Welt-Gruppe und dem Team vom Weltladen aus. Im Stadtratsgremium und bei anderen Gelegenheiten, so versprach der Kommunalpolitiker, werde er sich weiterhin dafür einsetzen, "dass die Sache in Bewegung bleibt". Besonders noch mehr junge Menschen will er künftig für die Fairtrade-Idee begeistern.