Was macht Bad Brückenau aus? Warum ist es so schön bei uns? Womit identifiziere ich mich? Diesen Kernfragen und einer Fülle weiterer Aspekte sind Ulrike Abersfelder und Mina Friedlein im Rahmen eines Projekts mit dem Titel "Lebenswert" nachgegangen.

Insgesamt 35 detaillierte Interviews haben die beiden Gemeindejugendarbeiterinnen seit April dieses Jahres quer durch alle Altersgruppen vom Grundschüler bis zum erfahrenen Senior geführt und die Inhalte akribisch ausgewertet. Die Ergebnisse stellten sie jetzt einem kleinen Kreis von Interessierten bei einer Freiluftveranstaltung im Georgi-Kurpark vor.

Individuelle Gespräche und Malaktion

"Es ging uns um Tendenzen und die ganz persönlichen Eindrücke der Bürgerinnen und Bürger", erläutern Abersfelder und Friedlein einen Gesichtspunkt ihrer Arbeit. Da sei das individuelle Gespräch eine ideale Ausgangslage gewesen. Die jüngeren Projektteilnehmer aus den unteren Grundschulklassen hatten dagegen die Gelegenheit, ihre Gedanken bei einer Malaktion in bildlichen Darstellungen zu Papier zu bringen.

Bereits nach rund einem Drittel der Interviews, so die beiden verantwortlichen Akteurinnen, hätten sie eine Richtung erkannt, die sich dann auch in der Endauswertung voll und ganz bestätigt habe. Abersfelder fasste die gewonnenen Erkenntnisse im Hinblick auf die Lebensqualität bei der öffentlichen Präsentation so zusammen: "In Bad Brückenau fühlt man sich sicher. Die Kinder können behütet aufwachsen, da man sich untereinander kennt. Außerdem gibt es viel Platz, um persönliche Freiheiten zu genießen." Immer wieder erwähnt werde, so die Referentin, auch die naturnahe Lage, die schnell einen Abstecher ins Grüne ermöglicht. Ohnehin sei die umgebende Landschaft sehr reizvoll. Darüber hinaus verfüge die "kleine schnuckelige Stadt mit Charme" über beste Wasserqualität.

Heimat wichtiger als Erfolg

Für die Einheimischen, so hätten die Statements gezeigt, lohne es sich, vor Ort zu bleiben, "auch wenn man weniger Geld verdient als anderswo". Häufig ist auch der Begriff Heimat zur Sprache gekommen, die für viele wichtiger als der Erfolg ist. Darüber hinaus kann sich die überwiegende Mehrheit der Befragten momentan keinen anderen Wohnort im Landkreis Bad Kissingen als Bad Brückenau vorstellen. Ohnehin sieht nicht einmal ein Viertel der Befragten für die nächsten fünf Jahre sein Domizil außerhalb der Stadt an der Sinn.

Zum Abschluss ihrer Präsentation wiesen Ulrike Abersfelder und Mina Friedlein ausdrücklich darauf hin, dass ihre Umfrage und deren Auswertung natürlich keinen absoluten repräsentativen Charakter besitzen können. Trends und Tendenzen seien bei der intensiven Recherche aber durchaus erkennbar geworden. "Wir haben immerhin einen Grundstein gelegt, der eine gesunde Ausgangsbasis für die weitere Beschäftigung mit diesem wichtigen Thema ermöglicht", sind sich die beiden Protagonistinnen sicher und erwarten gespannt, inwieweit ihre Erkenntnisse beispielsweise auf die Arbeit im Stadtrat oder in der Verwaltung sowie bei Vereinen und Verbänden Einfluss nehmen werden.

Ein gleichartiges Projekt "Lebenswert" läuft derzeit übrigens in der Marktgemeinde Wildflecken. Dort soll die Angelegenheit bis zum Ende des Sommers abgeschlossen sein.

Hoffnung auf neue Sichtweise

Bad Brückenaus Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) sprach den wenigen Zuhörern - in der Mehrzahl Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker - aus dem Herzen, als der sich bei den beiden jungen Damen für deren enormes Engagement bedankte. Besonders freute sich der Rathauschef darüber, dass in diesem Zusammenhang auch einmal ausdrücklich die positiven Seiten der Stadt ins rechte Licht gerückt worden seien. Kritik - ob nun berechtigt oder nicht - gäbe es ja fast täglich genug von diversen Seiten. Vogel hofft, dass die vorgetragenen Aspekte die Bevölkerung zu einer teilweise neuen Sichtweise auf ihre Stadt und zur allgemeinen Reflexion anregen.