Im Georgi-Kurpark steht die Blühwiese braun in braun. Gemäht wurde sie seit einem Dreivierteljahr nicht mehr. Momentan ist sie deshalb kein schöner Anblick. Biologin Kornelia Marzini von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim begutachtet die Fläche, die noch im vergangenen Sommer mit ihren intensiven Farben ein echter Hingucker für Spaziergänger war. Auch viele Insekten nahmen das zusätzliche Nahrungsangebot gerne an, weiß Marzini aus Erfahrung. "Jetzt ist erst der richtige Zeitpunkt, die Wiese zu mähen", sagt sie entschlossen. Der späte Winter sei ideal dafür.

Marzini berät seit zwei Jahren die Bürgermeister der acht Rhönallianz-Kommunen in Sachen Biodiversität. Und seit zwei Jahren blüht es auch gezielt in der Stadt auf eigens dafür angelegten Flächen. "Das Bewusstsein für den Wert solcher Blühwiesen ist relativ neu", bestätigt Rhönallianz-Manager Uwe Schmidt. Insgesamt hätten die beteiligten Kommunen bis heute fast 21. 000 Quadratmeter Blühwiesen auf Gemeindegrundstücken angelegt.

Aufklärung wichtig

Zeitlofs Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) spricht von einer großen Resonanz aus der Bevölkerung: "Die Bürger und Landwirte sind sehr entgegenkommend, was das Thema betrifft." Auch privat seien bereits einige solcher Blühflächen angelegt worden, fügt er hinzu. Doch immer noch gebe es Unverständnis, warum manche Wiesen nicht radikaler gemäht werden. "Deshalb finde ich es besonders wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren und darüber zu informieren", sagt Alexander Schneider (UWG), Bürgermeister von Geroda.

Die Expertin aus Veitshöchheim ist sich zwar sicher: "Sie leben hier auf einer Insel der Seligen", und meint damit die weitestgehend funktionierende Natur, "beispielsweise in den Schwarzen Bergen bei Geroda".Trotzdem, sagt Marzini aus Erfahrung, "zählt jede zusätzliche Blüte, die wir den Tieren anbieten". Und Ergebnisse aus langjährigen Versuchen auf Testflächen bringen laut der Expertin "beste Ergebnisse, was die Vielfalt angeht".

Mischung für Gärten

Ein weiterer Schritt der Kooperation mit dem Titel "Farbe für Stadt und Land" ist es, die privaten Haushalte einzubeziehen. "Dafür stellen wir 1000 Tütchen mit einer speziell für den Insektenschutz entwickelten Saatmischung für private Gärten zur Verfügung", freut sich Allianzmanager Schmidt. Bei richtiger Vorbereitung und Pflege können hier 43 Blühpflanzarten auf einer kleinen Fläche im Garten oder auf dem Balkon zur Artenvielfalt beitragen.

"Die Mischung kann pünktlich zum Frühlingsanfang am 20. März kostenlos in den jeweiligen Rathäusern abgeholt werden", sagt Schmidt. Übrigens: Die Blühmischung ist nur für private Gärten gedacht. Für Ackerflächen außerhalb der Ortsschilder ist eine andere Kombination aus heimischem Saatgut angedacht.

Hintergrund

Kooperation: Seit 2018 besteht zwischen der Brückenauer Rhönallianz und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau eine Netzwerkpartnerschaft. Das Ziel der eingegangenen Kooperation mit dem Titel "Farbe für Stadt und Land" ist die aktive Förderung des Insekten- und Artenschutzes. Bauhöfen, Landwirten, Gartenbauvereinen und Imkern aus der Region steht Kornelia Marzini von der LWG als Ansprechpartnerin für Fachberatung zur Verfügung.

Private Haushalte: Ab 20. März liegen die Saatgut-Tütchen kostenfrei in den Rathäusern der Gemeinden abholbereit. Mit der Ausgabe der Tütchen wird auch noch wissenswertes Informationsmaterial zum Thema Biodiversität und Artenschutz zur Verfügung gestellt. Allianzmanager Schmidt steht für Rückfragen zur Verfügung unter info@brueckenauer-rhoenallianz.de.

Pflege: Der Zustand der Aussaatfläche bestimmt die Vorbereitung. In Beeten braucht es dafür keine besondere Vorbereitung. Auf Rasen hingegen muss die Fläche zunächst ein Jahr als Schwarzbrache ruhen oder, erklärt Expertin Kornelia Marzini, unkrautfreies Substrat ausgebracht werden. Gemäht wird nur zwei Mal im Jahr, und zwar Mitte bis Ende Juni und am Ende des Winters. Hier gibt es weitere Informationen.