Die Kerzen haben zuvor Schüler des Franz-Miltenberger-Gymnasiums entzündet. Das Licht der Grabkerzen flackert in der Ludwigstraße und an anderen Orten, wo einst Juden lebten.

Alle drei Bürgermeister, etliche Stadträte sowie Bürger, darunter viele Schüler, füllen den Alten Rathausplatz. Es ist sehr still, bis Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) ans Mikrofon tritt, um die Zeremonie zu eröffnen. Er erinnert daran, wie die Nationalsozialisten das tödliche Attentat eines 17-jährigen Juden instrumentalisierten, um die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen.

Eine Kerze für jeden Namen

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 waren zahlreiche Synagogen in Deutschland geschändet und zerstört worden. Geschäfte wurden geplündert, etliche Juden kamen in Lager. Die Novemberpogrome gelten als Auftakt der Anfeindung gegen das jüdische Volk, die im Holocaust mit der Vernichtung von etwa sechs Millionen Juden gipfelte.

Anschließend liest Felix Opitz 45 Namen ermordeter Bad Brückenauer Juden vor. Christina Stretz und Vanessa Winterfeld zünden für jeden Namen ein Teelicht an. Die drei sind Schüler beziehungsweise Ehemalige des Gymnasiums. Zum Teil bringen sie sich noch immer im Arbeitskreis Stolpersteine ein, der aus einem Praxisseminar der Schule hervorgegangen ist.

Stolpersteine auf Youtube

Es ist schwer auszuhalten, bis alle Namen vorgelesen sind. Nachnamen häufen sich, ganze Familien wurden ermordet. Auch Kinder und Jugendliche sind unter den Opfern. Pfarrer Gerd Kirchner führt den Zuhörern vor Augen, dass sich die Juden damals als Deutsche gefühlt haben, bis sie aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden.

"Welche Bedrängnis, welche Angst hat man Menschen zugemutet?", fragt er. Mehrmals entzünden die Jugendlichen die Kerzen neu, weil der Wind sie ausgeblasen hat. Bei ruhigen Klängen einer Gitarre halten die Zuhörer noch eine Weile inne, bevor sie nach Hause gehen. Auf dem Kanal der Tourist-Info auf Youtube ist ab sofort ein Video über die Verlegung der Stolpersteine im Juli zu sehen.