Manfred Kaiser sitzt seit 1990 im Stadtrat. Seit 45 Jahren ist er Mitglied CSU. Doch die meisten kennen ihn als Referent für die Feuerwehr, zu der er ebenfalls seit 45 Jahren gehört. Das Thema machte er in den vergange nen 30 Jahren im Stadtrat zu seiner Aufgabe. Ein großes Projekt - das Bad Brückenauer Feuerwehrhaus - entstand kurz vor seiner ersten Amtsperiode. Der Bau der Gerätehäuser in Römershag und Wernarz wurde während seiner Zeit umgesetzt. Die Ausstattung aller städtischer Wehren mit Fahrzeugen und als Höhepunkt die Anschaffung der Drehleiter im vergangenen Jahr folgten.

Einzig für den Bau des Volkerser Feuerwehrhauses hat es nicht gereicht. Für die Kommunalwahl im März ließ sich der 75-Jährige auf eigenen Wunsch nicht mehr aufstellen. Kaiser ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und eine Enkeltochter. Der gebürtige Bad Brückenauer ist zudem Ehrenrat der Tätsch'r. Hauptberuflich war er 40 Jahre als Installateur für die Wasserversorgung bei den Stadtwerke zuständig. Bis 2014 führte er einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Herr Kaiser, was war die markanteste Entscheidung des Stadtrats, an die Sie sich erinnern?

Manfred Kaiser: Das war eindeutig der Bau der Entlastungsstraße, 1995 wurde sie fertiggestellt. Ziel war es, die Innenstadt verkehrsfrei zu machen. Das war sehr markant und prägt bis heute die Entwicklung der Stadt. Dadurch fielen natürlich Firmen in der Innenstadt weg. Letztendlich war es aber gut, dass die Entscheidung so getroffen wurde.

Was halten Sie darüber hinaus für eine wichtige Weichenstellung früherer Zeit?

Die Ansiedelung von Gewerbe halte ich für unverzichtbar für die Stadt. Das ist mit dem Gewerbegebiet Buchrasen zumindest teilweise gelungen. Doch hier brauchen wir noch mehr Möglichkeiten für Firmen, die Arbeitsplätze schaffen und Menschen in der Region halten. Für die Stadt wird es nicht ausreichen, nur in Richtung Fremdenverkehr und Tourismus zu denken.

Wo sehen Sie die Stadt Bad Brückenau im Moment? An einem Scheideweg angesichts vieler neuer Stadträte und eines neuen Bürgermeisters?

Nein, das ist kein Scheideweg, mit Sicherheit nicht. Ich bin sehr davon überzeugt, dass der Wechsel gut klappt. Ich schaue nach vorne und da sehe ich viele Aufgaben, die der Bürgermeister und die Stadträte angehen müssen. Beispielsweise steht die Gestaltung des Bahnhofs und der Parkplätze an, aber auch die Sanierung der Therme Sinnflut, der Georgi-Halle und nicht zu vergessen der Spielplatz an der Musikschule. Letzteres ist eine Herzensangelegenheit von mir. Die Themen für die kommenden Jahre sind also vorgegeben.

Die Kommunalpolitik kontinuierlich zu begleiten, öffnet den Blick für viele Abläufe hinter den Kulissen. Wie viel Gestaltungsmöglichkeiten hat ein einzelner Stadtrat?

Ein Stadtrat kann viel bewegen, wenn es in der Fraktion gut passt. Wir hatten jahrelang eine starke Fraktion und konnten dementsprechend viel bewegen. Der Austausch und die ein oder andere hitzige Diskussion sind wichtige Bestandteile. Ich war 30 Jahre als Feuerwehrreferent tätig und in dieser Zeit habe ich für die städtischen Wehren viel erreicht. Mit den Kommandanten hatte ich immer ein gutes Verhältnis und habe versucht, bei Entscheidungen einen Mittelweg zu finden. Durch meine Arbeit bei den Stadtwerken hatte ich viel Kontakt zu den Menschen. Das war mir sehr wichtig für die Arbeit als Stadtrat.

Ärgert es Sie, dass der Bau des geplanten Feuerwehrhauses in Volkers nicht mehr in Ihre Zeit als Stadtrat fällt?

Natürlich habe ich immer gehofft, dass ich es als Stadtrat noch miterleben kann. Dass sich der Prozess so lange hinzieht, hätte ich nie gedacht.

Die Wahlbeteiligung lag in Bad Brückenau trotz einer spannenden Bürgermeisterwahl nur wenig über 50 Prozent. Glauben Sie, dass viele Bad Brückenauer von der Stadtpolitik enttäuscht sind und sich deshalb von ihr abwenden?

Ganz ehrlich, es gab ja gar keinen richtigen Wahlkampf. Insgesamt habe ich acht Wahlkämpfe miterlebt. Ich glaube ja, dass die Beteiligung in Bad Brückenau auch deshalb so niedrig ist, weil viele Bürger doch grundsätzlich zufrieden sind. Dadurch nehmen sie die Wahlen nicht mehr so wahr, auch weil in den vergangenen Jahren immer etwas gemacht wurde, das die Stadt voranbrachte. Und das Thema Ludwigstraße wird meiner Meinung nach viel zu hoch gekocht, es gibt andere und wichtigere Themen.

Was wünschen Sie dem neuen Stadtrat und Bürgermeister?

Ich wünsche ihnen gute Entscheidungen für und mit den Bürgern. Diese sollten noch mehr als bisher in die Gespräche eingebunden werden. Außerdem ist es sinnvoll, schneller zu Entscheidungen zu kommen. Dann wären so manche Projekte kostengünstiger und schon fertig.

Das Gespräch führte Julia Raab