Eigentlich ist er keiner, der auf den Putz haut. Doch wenn es um das Bündnis Familie geht, dann redet Diakon Kim Sell Klartext. "Ich vermisse den mutigen Weitblick nach vorn", sagt er im Hinblick auf die Stadt. Seit einigen Jahren bemüht sich ein lockeres Bündnis aus Kirchen, Kindergarten und Stadtvertretern darum, das Angebot für Familien auszubauen (siehe unten). Doch immer wieder scheitert es am Geld.

"Es hat sich einfach viel verändert, das sehen wir hier im Kindergarten auch", schildert Elisabeth Kinalele. Beruf und Familie, und zwar für beide Partner, ist ein häufig gelebtes Familienmodell. Wer zugezogen ist, kann nicht auf ein Netzwerk aus Großeltern oder anderen Verwandten setzen. Kinalele arbeitet als Fachkraft für Sprachbildung und Integration im städtischen Kindergarten Regenbogenland. Im Dezember hat sie die Weiterbildung zur Elternbegleiterin - eine Initiative der Bundesregierung, die auch mit EU-Mitteln gefördert wird - abgeschlossen. Sie kann sich gut vorstellen, die Familienarbeit in der Stadt zu koordinieren.


Initiative wünscht sich eine mutige Entscheidung

Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) kennt das Anliegen des Bündnis Familie. "Ich würde das gern mit der Ehrenamtspauschale abrechnen, wenn das möglich ist." Die liegt bei 8,50 Euro pro Stunde und wird aus dem städtischen Haushalt finanziert. Auch Vertreter des Stadtrats unterstützen das Bündnis. Kindergartenreferent Florian Wildenauer und Jugendreferent Benjamin Wildenauer (beide SPD) sind schon länger dabei. Heike Kötzner, die seit Ende Mai Referentin für Familie und Soziales ist, möchte an den nächsten Sitzungen teilnehmen.

"Ja, ich höre schon ein offenes Ohr", empfindet Kinalele, dass von der Stadt durchaus Interesse signalisiert werde. Auch der Landkreis habe geäußert, dass ein Ansprechpartner direkt vor Ort Sinn mache. Für viele ist der Weg zu Beratungsstellen in Bad Kissingen doch eine zu große Hürde - zumal, wenn es im Familienalltag schon brennt. Noch im Juli will sich das Bündnis zweimal treffen, um über die nächsten Schritte zu sprechen. Die Finanzierung dürfte dabei der Dreh- und Angelpunkt sein. "Ich wünsche mir den Mut zu investieren", sagt Kinalele.

"Das ist eine Investition in die Zukunft", ist Diakon Kim Sell überzeugt. Er selbst ist mit seiner Familie arbeitsbedingt nur deshalb in die Stadt gezogen, weil die öffentliche Verkehrsanbindung an den Landkreis Main-Spessart so dermaßen schlecht sei, er aber keinen Zweitwagen anschaffen wollte. "Jeder Punkt, der es Familien angenehm macht, zählt", sagt er. Er sagt es mit Nachdruck.


Das möchte das Bündnis Familie erreichen:

Anliegen Drei Schwerpunkte hat sich das Bündnis Familie zu eigen gemacht: Familien sollen Bildungsangebote bekommen, die ihnen im Alltag helfen. Wenn es Probleme gibt, vermittelt ein Ansprechpartner der Familie eine Beratung. Nicht zuletzt soll die Gemeinschaft von jungen Familien gestärkt werden - zum Beispiel beim Martinszug, einer Krabbelgruppe oder dem Familienfrühstück von La Mama im evangelischen Gemeindehaus.

Akteure Im Bündnis Familie haben sich mehrere Institutionen der Stadt zusammengetan. Das sind im Einzelnen: Der Sprachkindergarten Regenbogenland, das Jugendzentrum, der Familientreff La Mama, evangelische und katholische Kirche, das Team des Kinderkleider-Basars, Vertreter des Stadtrats und Ehrenamtliche.

Forderungen Im Kern geht es der Initiative darum, eine Stelle zur Koordinierung von Angeboten für Familien zu schaffen. Nötig seien vier Stunden pro Woche sowie ein Jahresbudget für Öffentlichkeitsarbeit und Telefon von schätzungsweise 2000 Euro.

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