Ganz aufgegeben hat Horst Becker aus Riedenberg den Erlenbrunnen noch nicht. Seit 1971 betrieb seine Familie den Skilift am Weg hoch zum Würzburger Haus. Erst sein Vater Oswald, mit seinen Kindern als Personal, dann Horst Becker selbst.

Immer noch künden eine große Hütte als Basisstation, Parkplätze und ein überdachtes Umlaufrad oben an der Piste von schneereichen verflossenen Wintern. Nicht nur Einheimische tummelten sich auf der 230 Meter langen, leichten Piste, die einen Höhenunterschied von 45 Metern überbrückte.Es kamen auch Skiclubs von außerhalb, zum Beispiel aus dem Schweinfurter Raum.

Alles Vergangenheit. Der Schnee in der Rhön wurde immer weniger; zu oft reichte er nicht den gesamten Hang am Erlenbrunnen hinunter, der auf 550 Meter Höhe liegt. Die vergangenen Jahre öffnete Horst Becker seinen Lift nur noch an Wochenenden; die letzten drei bis vier Winter ließ er ihn ganz zu.

Dieses Jahr hätte der Riedenberger ihn öffnen können. Schnee liegt reichlich. Doch es gibt ja Corona. Doch auch ohne Pandemie hätte Becker die Anlage wohl nicht betriebsfähig gemacht - obwohl er die Seile und Bügel noch eingelagert hat.

Die Winter sind zu warm und unzuverlässig geworden. Den heuer betrachtet der Riedenberger als Ausnahme, nicht als Regel. "So ein Lift verursacht viele Kosten, von der TÜV- und Seilprüfung bis zu diversen Pflichtversicherungen. Dann weiß man nicht, ob Schnee kommt. Wenn nicht, hat man nichts eingenommen." Darüber hinaus hat Becker als Selbstständiger mit seinem Dentallabor gut zu tun. Den Lift Anfang Oktober - bei noch gutem Wetter - aufzubauen und dann kommt nichts - da müsse man Prioritäten setzen.

Trotzdem: Dass der Erlenbrunnen-Lift nochmal läuft, schließt der Betreiber nicht aus. Immerhin: In den vergangenen Wochen übten Hunderte Besucher dort das Schlittenfahren. Etwas, was Horst Becker, dem auch der Hang gehört, nicht stört. Sollte er den Liftbetrieb wieder einmal starten, funktioniere das aber nicht nebeneinander. Und so verharrt der Lift am Erlenbrunnen in einer Art Schwebezustand.

Wesentlich höher liegt der Bügelumlauflift am Arnsberg, oberhalb vom Berghaus Rhön. Vom Ende der 1980er-Jahre bis 2015 betrieb ihn die Familie Gros, ebenfalls aus Riedenberg. Noch heute kündet eine Hütte am Fuße der 240 Meter langen Piste von regen Abfahrtstagen; die Aufzugsanlage selbst ist komplett abgebaut.

Die Konstellation passte gut, waren die Gros' doch gleichzeitig Pächter des benachbarten Berghauses. So konnten sie sich um beides kümmern und der Skilift lockte Kundschaft für die Gastronomie an. Besonders Reinhard Gros machte sich jahrelang um den Liftbetrieb verdient.

Dass die Familie ihn 2015 aufgab, hatte nichts mit der in etwa zeitgleich erfolgten Kündigung der Pacht fürs Berghaus zum Oktober 2017 zu tun, betont sein Bruder, Klaus Gros. Über die Jahre wurde der Schnee auch in dieser mit 750 Meter recht hohen Lage immer weniger. "So haben die Betriebszeiten gefehlt. Das wurde immer schlechter", erinnert sich Klaus Gros. Er betreibt heute mit seiner Frau Petra das Hexenhäuschen im Staatsbad Brückenau.

Den Ausschlag habe schließlich gegeben, dass wochentags zu wenige Schüler an der als "leicht" eingestuften Piste eintrudelten. Sie waren offensichtlich durch Schule und andere Freizeitangebote gebunden. Der Lift war meist nur noch an Wochenenden geöffnet.

Trotz des Abwärtstrends: Klaus Gros ist überzeugt, dass der Lift heute besten könnte. Es gab einen Interessenten für den Betrieb - die Skiabteilung des TSV Gauaschach. Da die Anlage als Altbestand galt, hätte es keine neuerliche Genehmigung gebraucht. "Wir hätten auch Unterstützung gewährt, bis die Sache am Laufen ist", sagt Gros.

Nach seinen Angaben zog sich die Sache hin. Er habe die Aufzugsanlage dann an einen Skiclub im Rheinland verkauft. Der TSV Gauaschach dachte zwar über einen Rückkauf nach. Letztlich scheiterte der nach Angaben des Vereins daran, dass der zu wenig Personal für den Liftbetrieb stellen konnte.

Heute müsste für einen Betrieb erst eine Liftanlage beschafft werden. Der Landkreis bestätigt auf Nachfrage "Überlegungen, wie man das Umfeld ums Berghaus Rhön touristisch aufwerten/attraktiver gestalten könnte". Dabei sei auch die Idee verfolgt worden, "einen Skilift für Kinder zu bauen; entsprechende Mittel (80 000 Euro) wurden in den Haushalt eingestellt".

Im Kreisausschuss am 5. Februar 2020 sei entschieden worden, "die Überlegungen zum Bau eines Skilifts aufgrund der schneearmen Winter zurückzustellen". Die 80 000 Euro sollen für eine Sanierung des Spielplatzes am Berghaus Rhön verwendet werden. Und so verharren die Liftanlagen - trotz regen Schlittenfahrens - an Farnsberg und Erlenbrunnen einer ungewissen Zukunft. Wie die viel größeren Lifte an Arns-, Kreuz- und Feuerberg, die coronabedingt geschlossen oder stillgelegt sind. Sie liegen aber zum größten Teil in Rhön-Grabfeld.