Nun ist es offiziell: Die Stadt Bischofsheim und die Truppenübungsplatzkommandantur Wildflecken haben ihre beidseitige Patenschaft offiziell besiegelt. Kein Ort war hierfür besser geeignet als der Kreuzberg, der zum Bischofsheimer Stadtgebiet gehört und von dem aus der Truppenübungsplatz zu sehen ist.

"Es ist etwas besonders für die Stadt", betonte Bürgermeister Georg Seiffert, der diese neue Patenschaft gemeinsam mit Oberstleutnant Kai Schulze ins Leben rief.

Die offiziell Besiegelung hätte schon viel eher stattfinden sollen, musste coronabedingt aber verschoben werden.

Auch konnte sie jetzt nicht mit Beteiligung der Bevölkerung abgehalten werden, sondern lediglich in einem vergleichsweise kleinen und familiären Rahmen. Geladen waren neben Vertretern der Truppenübungsplatzkommandantur und der Stadt Bischofsheim, die Träger der Bürgermedaille, Ehrenbürger und Altbürgermeister Armin Lommel sowie die stellvertretende Landrätin Eva Böhm.

Erinnerungen noch lebendig

Die Patenschaft mit der Truppenübungsplatzkommandantur ist zum einen eine Erinnerung an die ehemalige Patenschaft mit der Bundeswehr Wildflecken, genauer mit der vierten Batterie des Panzer Artilleriebataillon 355. Zum anderen soll sie aber der heutigen Zeit angemessen und entsprechend die Verbindung zwischen Bischofsheim und dem Truppenübungsplatz Wildflecken dokumentieren.

Die Patenschaft mit der 4./355 wurde am 4. Mai 1973 vom damaligen Bürgermeister Hans Repp und dem Stadtrat sowie Hauptmann Konrad Hörnig im Bischofsheimer Rathaus besiegelte. 2002 wurde die Patenschaft aufgrund der Umstrukturierung der Bundeswehr aufgelöst wurde.

In diesen Jahren gab es zahlreiche enge Verbindungen im sportlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich, in der Bevölkerung von Bischofsheim seien die Erinnerungen daran noch lebendig, betonte Seiffert. Gesellschaftliche Veranstaltungen wie die legendären Barbarafeiern in der Kaserne bleiben unvergessen, ebenso wie die vielen praktischen praktische Einsätze der Bundeswehr in Bischofsheim, wie beim Großbrand 1976, aber auch wenn die Stadt beziehungsweise Vereine Hilfe und Unterstützung bei Bauprojekten und dafür einen großen Maschinenpark benötigten.

Einige Bürger wurden aufgrund der engen Verbundenheit mit militärischen Ehrentiteln bedacht. Walter Hepp und Edgar Korb sind die beiden noch Lebenden, die den Titel Ehrenunteroffizier tragen. Hans Repp hatte es bis zum Ehrenoberst gebracht. "Die Uniform hat man damals im Stadtbild gesehen. Mit Abschaffung der Wehrpflicht ist das verloren gegangen", sagte Seiffert.

Idee bei Antrittsbesuch

Von all diesen Erinnerungen an vergangenen Zeiten berichtete Bischofsheims Bürgermeister im Herbst 2019 dem damals neuen Kommandanten der Truppenübungsplatzkommandantur Wildflecken Oberstleutnant Kai Schulze, bei dessen Antrittsbesuch im Bischofsheimer Rathaus.

Schnell haben die beiden einen Draht zueinander gefunden und waren sich einig, dass die frühere Patenschaft in dieser Form zwar nicht mehr gelebt werden könne, jedoch eine neue Form der gegenseitigen Wertschätzung und Anerkennung möglich sei.

Die Idee, erneut eine Patenschaft zwischen der Bundeswehr Wildflecken und der Stadt Bischofsheim zu entwickeln wurde bei mehreren persönlichen Treffen zwischen Oberstleutnant Schulze und Bürgermeister Seiffert immer konkreter. Beiden gehe es darum, den Dialog zwischen Gesellschaft und Bundeswehr durch eine solch offizielle Patenschaft zu stärken und zu fördern.

Schulze betonte wie wichtig ein guter Dialog für die Akzeptanz der Truppe und ihrer besonderen Aufgabenstellungen und geopolitischen Herausforderungen sei. "Es ist wichtig für die Soldaten einen festen Anker und eine Heimat der Garnison zu haben, wo man militärisch zu Hause ist."

Wildflecken mit den umliegenden Gemeinden wie der Stadt Bischofsheim sei dieser Ort. Die Unterzeichnung der Patenschaftsurkunden sah Schulz als Auftakt für eine langjährige und fruchtbare Verbindung an. Der Hauptakt werde erst noch folgen, wenn die Patenschaft bei Veranstaltungen mit Leben erfüllt werde.

Die stellvertretende Landrätin Eva Böhm überbracht Glückwünsche und nutzte die Gelegenheit an die Bedeutung der Bundeswehr während der Corona-Pandemie im Landkreis Rhön-Grabfeld zu erinnern. Sei es bei Kontaktnachverfolgung oder im Impfzentrum, ohne den Einsatz der Bundeswehr hätte der Landkreis allein die Herausforderung nicht so bewältigen können.