Zum dritten Mal richtete die Feuerwehr Bad Brückenau einen sogenannten Berufsfeuerwehrtag für ihren Nachwuchs aus. "Den Jugendlichen soll dabei der tägliche Ablauf bei einer Berufsfeuerwehr mit seinen Unwägbarkeiten und vielfältigen körperlichen und emotionalen Anforderungen erlebbar gemacht werden", so Marius Fischer von der Feuerwehr Bad Brückenau. Ihm obliegt die Ausbildung der Jugendlichen von zwölf bis 18 Jahren gemeinsam mit Mario Brust. "Die Jugendlichen merken deutlich, was es für einen Feuerwehrmann bedeutet, nach einem Arbeitstag mitten in der Nacht zu einem Einsatz gerufen zu werden und am nächsten Morgen mit wenig Schlaf trotzdem wieder pünktlich und fit am Arbeitsplatz zu stehen", so Dirk Haydu, einer der zahlreichen aktiven Feuerwehrler die die Übung begleiteten.

Verkehrsunfall nachgestellt

Die 21 Jugendlichen, sieben aus der Stadtmitte, vier aus Volkers betreut von Christian Kötzner und zehn aus Römershag betreut von Andreas und Jürgen Scheller trafen sich Freitagnachmittag am Feuerwehrhaus Bad Brückenau. Um 19 Uhr dann stiller Alarm: "Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person im Gewerbegebiet Buchrasen auf der Brückenauer Seite", so die Meldung an die Einsatzleitung. Unter Anleitung erfahrener Wehrler hieß es nun für die Jungen und Mädchen aktiv mit anpacken, um die eingeklemmte Person zu bergen und an die bereitstehende SEG-Einheit des Roten Kreuzes zu übergeben.
Auch die drohende Brandgefahr durch austretenden Treibstoff musste bekämpft werden. Nach Einsatzende hieß es jeweils, Fahrzeug und Gerät zum nächsten Einsatz bereit zu machen. 21.23 Uhr, der nächste Alarm: "Mülleimerbrand, Ernst-Putz-Straße, Parkplatz altes Krankenhaus". Auch dieses Szenario wurde erfolgreich gemeistert.
Um 22 Uhr dann ein eher seltenes Szenario: "Person in Not auf Sinn mit Schlauchboot bei dem Wasserfall an der Sintermetall". Hier galt es mit Hilfe der Drehleiter Personen von unten aus dem Wasser zu bergen.
Kurz nach Mitternacht hieß es dann Pkw Brand im Gewerbegebiet Buchrasen. Der PKW, der vor ein paar Stunden noch verbeult auf dem Dach lag, stand plötzlich an anderer Stelle wieder auf den Rädern und brannte lichterloh. Dank zahlreicher unermüdlicher Helfer und Statisten, die selten alle Szenarien kannten, bauten die Verantwortlichen um Marius Fischer die realistischen und abwechslungsreichen Übungsszenarien unbemerkt von den Jugendlichen auf.
Nach wenig Nachtruhe, "Ich habe vielleicht eine Stunde richtig im Schlafsack geschlafen", so Marius Fischer, ging Samstag früh unmittelbar nach dem Frühstück erneut der Alarm: "Gefahrgutunfall im Schul- und Sportzentrum im Busbahnhof an der Dreifachturnhalle." Eine unbekannte Chemikalie, giftgrün eingefärbtes Wasser aus einem Tankwagen des Bauhofs, war ausgetreten. Diese musste klassifiziert und abgebunden werden, die am Unfall Beteiligten mussten dekontaminiert werden.

Brand unter der Sinntalbrücke

Zum gemeinsamen Mittagessen bereitete Vanessa Fischer mit ihrem Küchenteam Spagetti vor, doch kaum waren die Teller der Jugendlichen und Betreuer restlos leer, erneuter Alarm: "Flächenbrand unter der Sinntalbrücke bei Röderhof". Ein Szenario, dass in der Mittagshitze die Fitness der Jugendlichen forderte, musste doch vom Regenüberlaufbecken der Autobahn bergauf eine Schlauchstrecke gelegt werden,.
Für 16 Uhr war schließlich noch die große Abschlussübung am Berliner Platz angesetzt: "Wohnhausbrand mit mehreren Verletzten". Gemeinsam mit der Jugendfeuerwehr rückte auch die Einsatzabteilung Atemschutz und die Drehleiter aus. Acht Personen galt es in dem dreistöckigen Mehrfamilienwohnhaus in dichtem Rauch der Nebelmaschinen aufzuspüren und zu bergen. Dabei liefen die Komparsen der Feuerwehr Oberleichtersbach und Bad Brückenau zu Höchstform auf. "Das haben die toll gemacht oben an den Fenstern und auf den Balkonen, wirklichkeitsnahes Verhalten der Betroffenen ist für uns Übende sehr wichtig", so Marco Brust, der als Kreisbrandinspektor ranghöchste Mitwirkende.
Robin Schneider, demnächst 14 Jahre alt werdend und schon ein alter Hase unter den Jugendwehrlern, hatte bei der Schlussübung die wichtige Funktion eines Gruppenführers. Wie selbstverständlich dirigierte er dabei auch die ihm unterstellten erwachsenen Wehrler.
Sein Resümee nach der letzten Übung: "Auch wenn ich höchsten zwei Stunden geschlafen habe und mich auf mein Bett freue, haben diese zwei Tage riesen Spaß gemacht. Besonders die Übung hier war toll, weil auch wir mit Atemschutz einmal ins Haus durften. Wie mein Vater möchte ich auch Atemschutzträger werden".