Dirk Hönerlage, Leiter der Theatergruppe Kompass, gibt einen Einblick in seine Arbeit: "Die Atmosphäre eines guten Theaterstücks wird durch die unscheinbaren Nebenrollen vermittelt." Damit spielt er auf die Zusammenarbeit des Ensembles an. Das Ergebnis sei wie ein gutes Gericht, von dem danach keiner genau sagen könne, welche Zutaten es wirklich hatte. Nur eins ist klar: Es schmeckt köstlich.

Seit rund 20 Jahren leitet Hönerlage das Schultheater. "Aktuell haben wir 20 Schüler der 10. bis 12. Klassen, die auf und hinter der Bühne an dem Stück arbeiten", sagt Hönerlage. Neben den Schauspielern seien die Techniker und Bühnenbildner immens wichtig. "Die Lichttechnik bemerkt das Publikum nämlich erst, wenn etwas schiefgeht. Bis dahin arbeitet der Techniker unbemerkt", sagt der Gruppenleiter aus Erfahrung.

In diesem Jahr hat sich das Ensemble auf ein Stück von Friedrich Dürrenmatt geeinigt. "Die Physiker" ist ein Drama aus der Zeit des Kalten Krieges, in dem es um eine mögliche Vernichtung der Welt durch die sogenannte Weltformel geht, die ein Physiker entdeckt hat. Seit Anfang des Schuljahres lesen, proben und schrauben die Schüler für das perfekte Ergebnis.

Der Höhepunkt vor ihrem Auftritt Ende März sind für alle Mitwirkenden die Theaterprobetage auf Burg Rienek Anfang März. Hier verbringt die Gruppe drei Tage, an denen sie intensiv an den Details des Stücks - und an der Atmosphäre - arbeiten können. Das sind Tage, an denen das soziale Miteinander besonders gefordert wird. Denn das eigentliche Ziel der Theatergruppe, verrät Hönerlage nebenbei, sei weniger das Endergebnis, sondern vielmehr "die soziale Achtsamkeit, die während des gesamten Prozesses auf dem Weg zur Aufführung zwischen den Schülern entsteht".

PERSONENINFOS

Jennifer Raab (18 Jahre): Die Römershagerin spielt das Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd, die Chefärztin des Sanatoriums, die alles unter Kontrolle hat. Jennifer gehört zu den alten Hasen der Theatergruppe, seit drei Jahren spielt sie im Ensemble. "Das Stück liegt mir persönlich sehr, denn ich bin selbst auch physikaffin", sagt die Schülerin. Die Proben fänden seit Anfang des Schuljahres nahezu wöchentlich statt. "Das Besondere an der Gruppe ist, dass man mit Leuten zusammenkommt, mit denen man sonst nichts zu tun hat", sagt Jennifer. In den drei Jahre habe ihr Selbstvertrauen zugenommen. Nach ihrem Schulabschluss im Sommer möchte sie etwas Technisches studieren.

Leon Portzelt (18 Jahre): Der Zwölftklässler bereitet den Bühnenbau für das Stück vor und ist während der Aufführung für die Lichttechnik zuständig. "Ich habe mich schon immer für den Bühnenbau interessiert", sagt Leon. Er begleitet mit den anderen Hintergrundarbeitern die gesamten Proben. Gemeinsam nehmen sie auch an den Theatertagen teil, für die die Schüler drei Tage unterwegs sind. "Ich halte mich aber lieber im Hintergrund", sagt der 18-Jährige. Genau wie Jennifer ist er das dritte Jahr dabei. Nach dem Abitur möchte Leon eine Ausbildung zum Produktionstechnologen machen.

Andy Martin (20 Jahre): Der Riedenberger spielt den Physiker Alec Jasper Kilton, der vorgibt, verrückt zu sein. Das sei eine vielschichtige Rolle, die schauspielerisch "sehr herausfordernd ist". Für Andy steht vor allem der Spaß im Vordergrund, andere Menschen zu unterhalten. "Die Gemeinschaft wächst während der Proben sehr stark zusammen", sagt er. Die Schauspielerei sei dann noch die Kirsche auf der Torte. Obwohl er schon seit drei Jahren auf der Bühne steht, sei er immer noch "wahnsinnig aufgeregt". Das Stück, sagt der Schüler, "ist heute angebrachter denn je." Er interpretiert "Die Physiker" als Warnung vor den Techniken der heutigen Zeit. Andy plant nach dem Abi ein Studium im Maschinenbau. "Und vielleicht schließe ich mich an der Uni der Theatergruppe an."

INFOKASTEN

Aufführungen im März

Termin Die nächsten Auftritte der Theatergruppe Kompass finden am Donnerstag, 26. März, am Freitag, 30. März, und Sonntag, 29. März, jeweils um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrsaal in Bad Brückenau statt. Der Eintritt ist frei, Platzkarten können vorab in der Buchhandlung Nikolaus gekauft werden. Spenden sind erwünscht.

Stück Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und des Mauerbaus schrieb der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt im Jahr 1961 "Die Physiker". Die Handlung spielt in einer psychiatrischen Klinik, in der drei Physiker als Patienten behandelt werden. Einer der drei hat die sogenannte Weltformel entwickelt und fürchtet die Folgen dieser Entdeckung. Um nicht entdeckt zu werden, stellt er sich verrückt. Auch die beiden anderen Physiker geben ihre Geisteskrankheit nur vor. In Wirklichkeit sind die zwei Geheimagenten der Großmächte, die an die Weltformel gelangen möchten. Das Drama nimmt seinen Lauf, als die Besitzerin und Chefärztin des Irrenhauses die Aufzeichnungen und Pläne des Physikers kopiert. Sie erweist sich als die eigentlich Verrückte im ganzen Stück. Über dem gesamten Drama schwebt die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft.