Eine Studie soll Erkenntnisse liefern, welche Spuren Balthasar Neumann in der Region hinterließ. Und: Ein Einblick, welche Anstrengungen Menschen zu seinen Lebzeiten in Bocklet unternehmen mussten, um Heilwasser zugänglich zu machen.

Er gilt als einer der großen Baumeister: Johann Balthasar Neumann (1687 - 1753) ist für seine zahlreichen Werke in Franken bekannt. Der Name ist zur Marke geworden. Das führt manchmal zu dem Phänomen, das Balthasar zwar mit dem Namen drauf steht, Balthasar aber nicht drin steckt. Ein Beispiel ist der Brunnenbau in Bad Bocklet. Auch die Balthasar-Neumann-Quelle ist nicht nach ihrem eigentlichen Entdecker benannt.

Sucht man im Internet nach dem berühmten Architekten, dann findet man bei Wikipedia eine Liste seiner Werke. Dort heißt es: "Balthasar Neumann schuf rund 100 bedeutende Brücken, Kirchen, Klöster, Schlösser, Wohn- und Geschäftshäuser." In der Liste steht der Brunnenbau als Neumanns Werk aufgelistet.

"Das ist falsch", sagt Christian Neugebauer, Kreisheimatpfleger im Landkreis Bad Kissingen. "Johann Philipp Geigel hat den Brunnenbau 1787 gebaut - da war Neumann schon tot."

Auch auf einer Tafel im Kurpark steht, der Hofbaumeister habe unter Fürstbischof Friedrich von Seinsheim 1766 die ersten Kuranlagen errichtet. Doch auch hier gilt: Zu diesem Zeitpunkt war Neumann schon 13 Jahre tot.

Neumann-Studie

Um zu klären, was der Barock-Baumeister tatsächlich alles in der Region hinterlassen hat, gibt es eine Studie. Federführend ist der Landkreis Schweinfurt, der Initiator und Projektträger ist.

Die Studie soll außerdem klären, ob sich aus den Erkenntnissen ein touristischer Nutzen ziehen lässt. Bei zahlreichen Werken in Ober- und Unterfranken bestehe großes Potenzial, Balthasar Neumanns kulturelles Erbe deutlicher für den Kulturtourismus und für eine Kulturlandschaftsentwicklung hervorzuheben, sagt Pressesprecherin Uta Baumann vom Landratsamt Schweinfurt.

Die Europäische Union unterstützt das Projekt mit dem Programm "LEADER", das die Entwicklung des ländlichen Raums fördert. Für das Projekt stehen rund 53 000 Euro zur Verfügung, teilt Baumann mit.

Seit Dezember ist das Büro FranKonzept aus Würzburg mit der Studie beauftragt. "Der geplante Abschluss des Projektes sollte im Januar 2021 erfolgen. Durch die Corona-Pandemie gab es aufgrund der Kontaktbeschränkungen leichte Verzögerungen bei der Bestandsaufnahme", so Baumann. Ergebnisse lägen noch nicht vor, sondern seien erst gegen Ende der Untersuchung Anfang 2021 zu erwarten.

Ein Pfarrer aus Aschach fand die Quelle

Auch Kreisheimatpfleger Neugebauer hat sich mit dem Wirken Balthasar Neumanns in Bad Bocklet auseinandergesetzt. Er weiß: Die Quelle, aus der Kurgäste bis heute eisenhaltiges Wasser trinken, trägt zwar den Namen des berühmten Architekten. Die Quelle entdeckte aber ein Pfarrer aus Aschach. Er hieß Johann Georg Schöpner.

Entdeckung der Quelle

Neugebauer hat sich als Kreisheimatpfleger intensiv mit dem Leben des Pfarrers und der Nutzung der Quelle beschäftigt. So stieß der Kreisheimatpfleger auf eine Notiz Schöpners, der schrieb: "Diesen Bronnen habe ich Anno 1724 gefunden, bin also dessen Bekanntmacher."

Aus Neugebauers Recherchen stammen die folgenden Informationen: Der Kissinger Arzt Johann Adam Stephan, damals noch als Physicus bezeichnet, beschreibt 1727 die Entdeckung der Quelle sinngemäß so: Der damalige Pfarrer sei öfter in den Wiesen spazieren gegangen. Dort hätte er eine Quelle gefunden und deren Wasser gekostet. Es habe "mineralisch" geschmeckt und habe sich von den anderen "Wässern" unterschieden. Auch die Einwohner "des nächsten Dorfes" hätten angefangen, das Wasser zu "rühmen", nachdem sie davon getrunken hatten.

Der Fürstbischof kam vorbei

Glücklicherweise sei im August 1725 der damalige Würzburger Fürstbischof Christoph Franz von Hutten nach Aschach gekommen. "Der Fürstbischof war anlässlich seines Regierungsantrittes auf einer Inspektionsreise durch sein Bistum", sagt Neugebauer. Der Kreisheimatpfleger schätzt, die damals schon bekannte heilkräftige Wirkung der nahen Kissinger Quellen brachten den Pfarrer auf den Gedanken, den Fürstbischof über seine Entdeckung zu informieren. Mit Erfolg: "Von Hutten ließ das Wasser durch seinen Leibarzt Dr. Behringer untersuchen und fand es vortrefflich", sagt Neugebauer.

Der Fürstbischof beauftragte seinen Hofbaumeister Johann Balthasar Neumann, die Quelle zu fassen. Das bedeutet: Das Wasser sollte in einem sauberen Quellloch offen an die Oberfläche treten.

"Über Form und Aussehen dieser Fassung ist nichts bekannt", sagt Neugebauer. Wahrscheinlich sei, dass es sich, wie damals üblich, um eine Auskleidung des Brunnenschachtes mittels Eichenbohlen gehandelt habe.

Quelle war schon vorher bekannt

"Es ist überliefert, dass beim Ausräumen des Quelllochs eine alte Fassung aus Eichenbalken zu Tage kam, ebenso Teile alter Waffen." Darin sieht Neugebauer den Beweis, dass die Quelle bereits in früheren Jahren Menschen bekannt gewesen sein muss, aber wieder in Vergessenheit geriet.

Die Quellfassung, die Neumann einbaute, hielt nicht lange. In den nächsten Jahren seien die Quellfassungen regelmäßig ausgetauscht worden.

Quelle war schwer zu fassen

Ein Grund dafür mag sein, dass das Wasser mit starkem Druck austrat und mit der Zeit den Schacht abtrug. "Das Wasser ist stark kohlensäurehaltig und verursachte ein unterirdisches Poltern und Brausen", sagt Neugebauer.

Der spätere Würzburger Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads habe die Eichenbohlen 1754 etwa durch einen hölzernen Bottich ohne Boden ersetzen lassen. Einer der ersten Versuche von vielen, die Quelle zu bändigen. Greiffenclau ließ auch ein hölzernes Badehaus errichten - eine Vorgängerversion des Brunnenbaus.

Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim ließ den Quellschacht vertiefen. "Doch auch die neue Fassung der Quelle war von keiner langen Dauer."

Nach rund 60 Jahren regelmäßigen Versuchen, der Quelle Herr zu werden, beschloss Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal, die Quelle vernünftig auszubauen.

Im September 1785 begannen die Arbeiten, für die der damalige Hofkammerrat Johann Philipp Geigel zuständig war. Er ließ den Schacht ein weiteres Mal vertiefen. Bei diesen Arbeiten stieß er auf weitere Quellen.

"Geigel meldete seinen Fund nach Würzburg", sagt Neugebauer. Ein gewisser Professor Pickel von der Universität Würzburg erhielt den Auftrag, das Wasser zu untersuchen. Das Ergebnis: "Alle Quellen waren unterschiedlich und sollten einzeln gefasst werden", sagt Neugebauer.

Leichter gesagt als getan, denn ein weiteres Mal erschwerte die Kraft des Wassers und eine Gasquelle die Arbeiten.

Explosion

Ein unerwartetes Phänomen habe damals alle Anwesenden in gewaltiges Staunen und die Arbeiter in Gefahr gebracht. In Berichten des Professors Spindler und des Brunnenarztes Kirchgessner heißt es: "An der Stelle des früheren Schachtes entstand, nach kurzem unterirdischem Poltern, eine heftige Explosion, welche den Lehm und das Mauerwerk in die Höhe schleuderte und einen höchst unangenehmen stechenden Geruch verbreitete."

Untersuchungen zeigten, eine Gasquelle war Schuld. Um solchen Zerstörungen vorzubeugen, bauten die Arbeiter ein hölzernes Rohr mit ein, über das sie das Gas nach oben ableiteten.

Die Fürstbischöfe wurden zu Namensgebern für die einzelnen Quellen. Die in quantitativer und qualitativer Hinsicht reichhaltigste Quelle nannte man Ludwigsquelle. Die zweite, weniger gehaltvolle Quelle wurde die Friedrichsquelle. Die dritte noch schwächere und westlich gelegene trug den Namen Karlsquelle. Die vierte, unbedeutendste und schwächste Quelle war die Christophsquelle. "Die Schwefel- und Gasquelle blieben ohne Namen", so Neugebauer.

Was seitdem mit den Quellen passierte, muss auch Neugebauer noch erforschen. "Die Schwefelquelle muss bis in die 1920er Jahre bestanden haben." Er geht davon aus, dass die Polter- und Schwefelquelle noch unter dem jetzigen Niveau des Brunnenbaues vorhanden sind.

Eine Tafel im Kurpark informiert darüber, dass die verschiedenen Quellströme sich nicht halten ließen. Dort heißt es: Eine 100 Meter tiefe Bohrung vereinigte alle Quellströme 1947/48 unter dem Namen "Stahlquelle". Bad Bocklet habe 1965 aus "Erinnerung und Dank an den früheren Hofbaumeister" die Quelle Balthasar-Neumann-Quelle genannt.

"Es ist schon beachtlich, dass Bocklet einmal sechs Quellen hatte, und keine den Namen des Entdeckers trägt", findet Neugebauer. Aber Pfarrer Schöpner ist eben nicht so prominent, wie der berühmte Neumann.