"You Are The Devil In Disguise" hat der nüchterne Sitzungssaal des Landratsamtes vermutlich noch nicht oft gehört. Der Song der Band "The King Creole" tröstete darüber hinweg, dass der Sportempfang des Landkreises nicht wie üblich in einer großen Sporthalle mit allen erfolgreichen Sportlern stattfinden konnte, sondern nur in kleiner Runde, zu der auch nicht alle zu Ehrenden kommen konnten.

Groß dagegen waren Dank und Anerkennung von Landrat Thomas Bold, BLSV-Kreisvorsitzenden Martin Wende und Kreisjugendpfleger Daniel Korn an die Ehrenamtlichen, die sich als Botschafter ihrer Vereine seit Jahrzehnten für den Sport im Landkreis einsetzen und an die Sportlerinnen und Sportler, die zu Leuchttürmen der Region geworden sind.

Bei der Auswahl der Sportlerin des Jahres 2020 fiel die Entscheidung dem Sportbeirat heuer nicht schwer. Mit unter 18 Jahren bereits an einer Eishockey-WM teilgenommen zu haben und unter die besten acht Teams zu kommen, ist Grund genug. So ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass das Landratsamt das Datum des Sportempfangs mit dem Terminkalender von Nina Christof abgestimmt hatte. Die Hammelburgerin, geht nämlich seit 2017 an der Bishop Kearney High School in Rochester (Bundesstaat New York) zur Schule, weil dort Eishockey-Talente gefördert werden. So sehr, dass es auch okay ist, für eine Ehrung mal den Präsenz-Unterricht zu verpassen, wie die inzwischen 18jährige berichtet.

Landrat Bold ist sich bewusst, dass Eishockey kein typischer Sport des Landkreises ist und das noch mehr, seit in Bad Kissingen die Eishalle dicht gemacht hat. Umso wichtiger ist es für Nina Christof, hier in ihrem Heimatlandkreis eine Ehrung für eine gefährdete Sportart entgegenzunehmen: "Für mich bedeutet es viel, wenn Mädchen und Frauen im Eishockey geehrt werden". Es sei wichtig, dass sie genauso wie Jungs, die Möglichkeit haben, Eishockey zu lernen und Top-Spielerinnen zu werden. "Deshalb ist es sehr traurig, dass die Bad Kissinger Eishalle nicht in Betrieb ist und Kindern diese Erfahrung genommen wird," betonte die Sportlerin bei der Ehrung.

Da wird Christof gern den Einwurf von 3. Bürgermeister Thomas Leiner in Bezug auf die Eishalle gehört haben: "Die haben wir doch bald wieder!" Dann hat der Landkreis vielleicht auch bald wieder Eishockey-Nachwuchs wie Christof, die, kaum volljährig, in das Nationalteam der deutschen Frauen einsteigt, beim ersten Spiel der diesjährigen WM mit zwei erzielten Treffern beste Spielerin des Teams wird und nun die Olympischen Spiele 2022 vor Augen hat, für die sie sich in wenigen Wochen qualifizieren will.

Zur Mannschaft des Jahres wurde die Flugsportgruppe Hammelburg im Segelflug geehrt. Eric Schneider, Peter-Richard Wagner und Andreas Heil erreichten in der U 25-Bundesliga den ersten Platz und wurden deutsche Meister. Der Sportler des Jahres musste sich entschuldigen.

Von den fünf zu ehrenden Sport-Persönlichkeiten empfingen Marlene Werner und Roland Brönner ihre Ehren-Urkunde vor Ort. Marlene Werner ist 1983 durch Zufall zum Kinderturnen beim TSVgg Hausen / Bad Kissingen gekommen, als sie gebeten wurde, auszuhelfen. Geblieben ist sie 33 Jahre, als Übungsleiterin für die Kinder und für die Damengymnastik: "Es hat einfach Spaß gemacht, mit den Kindern zu turnen. Das war eine echte Erfüllung!", sagt die Mutter von drei Kindern, "Ich war aber auch immer sehr froh, dass genug Helferinnen und Mütter da waren, die bei Weihnachtsfeiern oder Fasching mit angepackt haben", ist sie dankbar.

Seit 100 Jahren besteht der SV Almrausch in Neuwirtshaus. Roland Brönner ist erst der dritte Kassier - das aber bereits seit 30 Jahren. "Mir war ehrenamtliches Engagement schon immer wichtig, aber die Jugendarbeit liegt mir besonders am Herzen" erklärt Brönner, was ihn antreibt. "Dreimal sind wir in den 30 Jahren beim Oktoberfest in München mit marschiert, das war schon ein Erlebnis", erinnert sich der Schatzmeister und Verwalter der Vereinsmitglieder an die lange Zeit seines sportlichen Einsatzes.