"Der Verein liegt mir am Herzen", bekannte Vorsitzender Michael Seufert auf der Generalversammlung vom Verein Bad Kissinger Köche, "aber man muss über die Zukunft des Vereins nachdenken." Dieses Nachdenken brachte Wolfgang Hämmelmann dazu, den Antrag auf Vereinsauflösung zu stellen, "weil unsere Satzungsziele nicht mehr erreichbar sind".

Traurigkeit und Resignation waren die Empfindungen, die man auf der Generalversammlung vom Verein Bad Kissinger Köche spüren konnte, der als zweitältester Köche-Verein Bayerns im Jahr 2021 sein 125-jähriges Bestehen feiern könnte. Michael Seufert, der mit Alexander Mathes als gleichberechtigter Vorsitzender im Jahr 2018 die Führung des Vereins übernommen hatte, bedauerte, dass er seine Ziele wie neue Mitglieder zu gewinnen, eine aktive Homepage zu installieren oder die Jugendarbeit zu beleben, nicht erreicht habe.

Vor den anwesenden 19 Mitgliedern (von insgesamt 69 ) blickte er zurück Aktivitäten wie Weihnachtsfeier und Spargelschälaktion, die jeweils gute und auch erfolgreiche Veranstaltungen waren, die aber auch die dünne "Mitarbeiterdecke" eines Vereins mit einem hohen Durchschnittsalter gezeigt haben. Auch das Sommerfest 2019 mit Gästen über den Verein hinaus und Magdalena Kochs Reisevortrag zu ihrer kulinarischen Südamerika-Tour waren gut besuchte Veranstaltungen, so Seufert. Jedoch habe er das Gefühl, "der Verein wird in seiner bisherigen Form nicht mehr gebraucht".

Alexander Mathes lobte Seufert, der "90 Prozent der Vereinsarbeit" mache und überlegte, ob man den Verein "in kleiner Version weiterführen kann". Wolfgang Hämmelmann, selbst einmal Vereinsvorsitzender, begründete seinen Auflösungsantrag damit, dass das "Vereinsleben zum Stillstand gekommen ist" und manche Aktivitäten mangels Aktive nicht mehr stattfinden.

Wie andere Vereine auch habe man ein Nachwuchsproblem, so Michael Seufert, aber auch ein Problem mit den bestehenden Mitgliedern - so habe man 16 Mitglieder ausgeschlossen, die ihren Beitrag nicht mehr bezahlten, und man konnte nur zwei neue Mitglieder dazugewinnen. Seufert blickte auch über die Vereinsgrenzen hinaus, denn auch beim Verband der Köche Deutschlands (VKD) haben sich die Mitgliederzahlen in den letzten 20 Jahren auf ca. 7000 Mitgliedern halbiert. Ähnliches gelte für den Bayrischen Landesverband, über dessen Verbandstagung in Altötting Seufert referierte.

Da Jugendwart Matthias Kirchner nicht anwesend war, berichtete Hämmelmann von den Stadtmeisterschaften 2019 des Gastronomienachwuchses, die gut organisiert in der Staatlichen Berufsschule stattgefunden hatten. Das Interesse der Auszubildenden sei groß gewesen, da es eine gute Vorbereitung auf die Prüfung ist. Der Sieger wurde für den renommierten Rudolf-Achenbach-Wettbewerb gemeldet - dieser sei aber coronabedingt ausgefallen. Ein weiteres Highlight war eine mit dem Verein organisierte Klassenfahrt zur Firma Nußbaumer. Leider konnte man aus den Aktivitäten keine jungen Mitglieder gewinnen.

Kassier Peter Lazi hatte aufgrund der geringen Aktivitäten nur wenig Ein- und Auszahlungsvorgänge und konnte zwar einen geringen, aber einen stabilen Kassenstand vorlegen. Die Kassenprüfer ergänzen den Bericht mit einem Lob für die vorbildliche Führung und ihr Antrag auf Entlastung erfolgte einstimmig.

Der jetzige Vorstand führt den Verein erst einmal weiter. Es wurde um den Fortbestand des Vereins diskutiert. Vorgebracht wurde auch der Gedanke, sich mit anderen Köchevereinen der Region zusammenzuschließen - hierfür wurde aber die Entfernung nach Würzburg oder Fulda als Gegenargument genannt.

Für Michael Seufert könne man den Verein mit reduzierten Aktivitäten fortführen, wenn man die Satzung verändere und sich ein Mitglied als verantwortliche Person findet: "Solange eine Rechnungsprüfung stattfindet, geht das." Dem Einwurf folgend, dass auf der Einladung nicht nur "Satzungsänderung", sondern diese genauer bezeichnet sein müsse, wurden weitere Themen angesprochen, die bei einer außerordentlichen Versammlung Anfang nächsten Jahres ebenfalls erörtert werden sollen - damit ist jedoch das Schreckgespenst "Vereinsauflösung" für den im Jahr 1896 gegründeten Verein nicht gebannt.

Auszeichnung

Bei aller Mutlosigkeit gab es bei der Generalversammlung der Kissinger Köche etwas Erfreuliches. Mit Josef "Seppl" Schmitt wurde ein Urgestein des Vereins für seine 65-jährige Mitgliedschaft beim Verband der Köche Deutschlands (VKD) ausgezeichnet. Michael Seufert überreichte die Urkunde und ein Präsent für die außergewöhnlich lange Mitgliedschaft. Der 81-jährige Schmitt, selbst langjähriger Vorsitzender der Kissinger Köche und Träger verschiedenster Auszeichnungen, trat im Alter von 16 Jahren dem VKD bei, "was damals eigentlich normal war, wenn man sich auch im Verein engagiert hat".

Auf Bundesebene hatte Schmitt keine Funktion, jedoch siegte er beim renommierten Wettbewerb um die "Goldene Kochmütze" und war daraufhin für acht Jahre in der Jury für diesen Wettbewerb eingesetzt. Die aktuelle Situation des Vereins "tut mir im Herzen weh". Der Verein war über Jahrzehnte hinweg erfolgreich, "weil der Zusammenhalt stimmte" - so der Jubilar in seinen Dankesworten. Die Ehrung nehme er im Namen des Vereins entgegen und setzte mit Blick in die Runde hinzu: "Für euch!"