Das Berufs-Orientierungs-Netzwerk der Gesellschaft zur beruflichen Förderung (GbF) hat sich offensichtlich bewährt. Im Bemühen um Fachkräfte aus der Region steuern die jungen Absolventen mit ihrer frühen Begegnung von Betrieb und Schule ganz gezielt auf die zukünftige Berufsausbildung zu.

An diesem Projekt ist mehr dran, als bloß in einen Betrieb hinein zu schnuppern. Das konnten drei Schüler aus der achten Klasse der Mittelschule Schondra bestätigen. Mehrere Wochen lang waren sie an einem Wochentag für ein Praktikum im Betrieb des Fertighausherstellers Hanse-Haus zu Gast. Der Schüler Tobias Frischat berichtet: "In der Abteilung der Zimmerer hat mir die Tätigkeit einen Riesenspaß gemacht. Und ich bin ganz toll mit den Leuten zurechtgekommen", berichtete er während des Pressetermins.

Ebenso wie Tobias ist sein Klassenkamerad Joshua Kühnlein von der Materie Holz angetan. "Ich bin stolz auf unseren Dachstuhl", sagte Joshua bei der Präsentation des gemeinsam in mühsamer Handarbeit geschaffenen Werks. Im Bereich Elektronik war der Schüler Niklas Weigand als Praktikant tätig. "Ich habe eine Wechselschaltung für das elektrische Licht eingebaut", sagte er und zeigte sein Werk. Was die drei Praktikanten sehr begeistert, ist ihr Vorvertrag für Ausbildungsstellen bei Hanse-Haus, den sie jetzt schon in der Tasche haben.

Schulnote auch wichtig

Das frühzeitige Kennenlernen von Betrieb und Schülern sei von großem Vorteil, bestätigt Personalleiter Oliver Schaub. So könne von beiden Seiten im Vorfeld sicher beurteilt werden, ob man zueinander passe. Im Fall der drei vorgenannten Schüler hat es offensichtlich recht gut gepasst, darauf lassen die Vorverträge schließen. "Macht der Beruf Spaß? Fühlt man sich am Arbeitsplatz unter den neuen Kollegen wohl? Ist man handwerklich begabt? Zeigt man unter anderem mit Pünktlichkeit seine Zuverlässigkeit?", nennt Schaub die wichtigsten Kriterien. Nicht immer stehe die Schulnote an erster Stelle bei der Beurteilung, sei aber in gewissem Maß doch wichtig.

Die frühzeitige Berufsorientierung sei sehr wichtig, betonte der stellvertretende Landrat Emil Müller (CSU). Und dies sowohl für die Schulabgänger als auch für die Betriebe. Mit dem Erfolgsprojekt "Berufs-Orientierungs-Netzwerk" in den Landkreisen Bad Kissingen und Schweinfurt werde bayernweit eine Vorbildfunktion eingenommen. "Das Praktikum vor Ort in den Betrieben ergänzt das Lernen in der Schule", meinte Schulrat Rupert Kestler. Das Berufsorientierungs-Netzwerk umfasse insgesamt 900 Betriebe, bestätigte Gertrud Türk, Geschäftsführerin der GbF. Heuer seien 14 Schulen im Landkreis Bad Kissingen an diesem Erfolgsmodell beteiligt.

"Dieses beispielhafte Projekt legt den Grundstein für den Berufseintritt", lobte Marco Beier, der Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit Bad Kissingen. Auf die erfolgreiche Wirkung der Maßnahme wies sein Stellvertreter Thomas Schlereth hin: "Die Zahl der Ausbildungsabbrüche hat sich in den vergangenen drei Jahren des Projektes von 8,8 auf 7,3 Prozent verringert". Ohne das Projekt seien es 21 Prozent Abbrüche. Die ursprüngliche Idee stamme aus der Hauptschule Bad Brückenau, erinnerte Schlereth.

"Deutsche Qualität ist im Ausland gefragt", konnte Marco Hammer, Geschäftsführer von Hanse-Haus, bestätigen. Im Betrieb Oberleichtersbach seien 400 Mitarbeiter beschäftigt. Zurzeit gebe es dort 33 Azubis. Hohe Fertigungstiefe sei das Markenzeichen. "Unser Ziel ist es, alle Azubis nach der Gesellenprüfung zu übernehmen", versicherte Hammer und fügte an: "Oft hat schon der Opa dieser jungen Leute bei uns gearbeitet".