Hier wird Fürst Bismarck sitzen. Ernst Koklinski und Matthias Mahlmeister heben gemeinsam die hölzerne Rückwand des Rakoczyfestwagens in die aufrechte Stellung. Die beiden sind Mitarbeiter der Kurgärtnerei, und sie haben ebenso wie ihre Kollegen schon Wochen vor dem Fest alle Hände voll zu tun.

Bad Kissingens größtes Fest, das heuer vom 25. bis 27. Juli stattfindet, will gut vorbereitet sein.
"Sofort nach dem Rosenball, wenn alles abgeräumt ist, holen wir die Festwagen aus der Remise", sagt der Leiter der Kurgärtnerei, Martin Christ.

Um 23 Wagen muss sich die Kurgärtnerei kümmern. Größtenteils gehören sie der Staatsbad GmbH, teils auch Vereinen. Gefordert sind Schreinerei und Schlosserei. Die Aufbauten sind herzurichten und auf die Wagen zu setzen, bei Bedarf werden neue Aufbauten gezimmert. Und: Alles muss, stimmen, wenn der TÜV kommt. Deshalb überprüfen Christs Mitarbeiter Räder, Deichseln und Böden, montieren Haltegriffe, die der Technische Überwachungsverein im vergangenen Jahr gefordert hat.

Bleibt da noch Zeit für die normale Arbeit? "Ja", versichert Christ und verweist auf den Rosengarten. Dort werden zur Zeit die Blüten zurückgeschnitten werden, um der 2. Blüte eine Chance zu geben.

Der richtig große Stress kommt erst an den Festtagen. Zum Beispiel im Palmenhaus, in dem die Festwagen auf ihren Einsatz warten. Dann sind alle 40 Mann der Kurgärtnerei im Einsatz, es herrscht Urlaubssperre. "Am Rakoczysonntag fangen wir um 4 Uhr mit dem Dekorieren der Wagen an", sagt Martin Christ. Ab 12 Uhr werden die 15 Kutschen für die Historischen Persönlichkeiten geschmückt. 5500 Gladiolen, 2500 Chrysanthemen und Sommerblumen, 1000 Stück Schnittgut von Blattschmuckpflanzen bringt ein Lkw aus Holland pünktlich zum Fest. Auch für die Tischgestecke und die Bühnendekoration für den Ball beim Fürsten Rakoczy. Hier beginnen die Kurgärtner ebenfalls schon um 5 Uhr.


Aufbauen reicht

Hat man als Mitarbeiter der Kurgärtnerei überhaupt Lust, bei all dem Stress auch noch privat das Fest zu besuchen? "Es reicht, wenn man aufgebaut hat", sagt Kurgärtner Stefan Reichert und weiß sich einig mit den meisten seiner Kollegen.

Für Martin Christ ist es das 2. Rakoczyfest im Amt. Zum Fest 2013 war er gerade einmal sechs Wochen im Dienst. "Letztes Jahr wusste ich nicht, wo mir der Kopf steht", gesteht er. Doch inzwischen hat er sich längst eingearbeitet: "Es macht Spaß, wenn man nicht nur Gärtner ist, sondern so viele andere Aufgaben hat."

Zum Beispiel die Organisation des Lichterfestes auf der Saale am Rakoczy-Freitag. 3000 Kerzenschiffchen haben die Mitarbeiter der Kurgärtnerei bis dahin vorbereitet. Kistenweise lässt die Wasserwacht die Schiffchen zu Wasser, immer jeweils 100 Stück, während vier Mitarbeiter der Kurgärtnerei zu beiden Seiten der Saale Feuerwerkskörper zünden. Damit die - ebenfalls von der Gärtnerei dekorierten - Kähne mit den Kaisern und Königen während ihrer Flussfahrt immer bengalisch beleuchtet sind.


Mit Herzblut dabei

"Unsere Leute sind mit Herzblut dabei, damit alles klappt", sagt Martin Christ. "Jeder weiß, wo er anzupacken hat." Sei es bei der Vorbereitung schon Wochen zuvor oder beim Abbau der Lampions nach der Kurgartenbeleuchtung noch in der Sonntag-Nacht.

"Ein Betrieb könnte das alleine gar nicht schaffen", betont Martin Christ und erinnert an die Männer des städtischen Servicebetriebs, die ebenso gefordert werden wie die Kurgärtner. Er erinnert an die Feuerwehr, das BRK, die Polizei und die Vereine, an die Organisatoren bei Stadt und Staatsbad GmbH.. "Es geht nur Hand in Hand", betont Christ.

"Die Besucher wissen gar nicht, was alles an Arbeit hinter dem Rakoczyfest steckt", sagt Christa Reuß. Sie hat acht Jahre an vorderster Front gestanden. "Es hat Spaß gemacht", bekennt sie, aber erst seit vergangenem Jahr, seit sie auf eigenen Wunsch nicht mehr zum Organisationsteam zählt, kann sie das Fest richtig genießen.