Zwei Wochen lang war der Berliner Reisejournalist Volker Häring (52) in Bad Kissingen auf Entdecker-Tour, um Material für einen Marco-Polo-Reiseführer über die Welterbe-Stadt zu sammeln, der im kommenden Frühjahr erscheinen soll. "Es ist viel Bewegung in der Stadt", fasste er abschließend seine vielfältigen Eindrücke zusammen. "Bad Kissingen ist eine Kurstadt im Aufbruch."

Seit Jahrzehnten wohnt der gebürtige Mittelfranke in Berlin, studierte in den 1990er Jahren in Peking Chinesisch und Theater, unterrichtete Deutsch am dortigen Goethe-Institut und gründete nach seiner Rückkehr vor 20 Jahren in Berlin einen Spezialreiseveranstalter für Rad- und Aktivreisen in China und Südostasien. Wenn er mal nicht in Asien unterwegs ist, schreibt er Reiseberichte für verschiedene deutsche Magazine und Zeitungen und verfasste seit zehn Jahren auch schon mehrere Marco-Polo-Reiseführer über China und Asien.

Als der Asien-Experte nun im Mai von Marco Polo den Auftrag bekam, über die Welterbe-Stadt Bad Kissingen einen Reiseführer zu schreiben, erinnerte er sich spontan, einmal als Sechsjähriger seinen Großvater während dessen Kur hier besucht zu haben. "Ich habe mich gefreut, eine neue Stadt kennenzulernen."

Doch wie viele Ortsfremde, sei er mit den Klischee-Vorstellungen einer "im Kurbetrieb erstarrten alten Stadt" nach Bad Kissingen gekommen. Wie sollte er seine Texte inhaltlich aufbereiten, da sich die heutigen Marco-Polo-Reiseführer doch vornehmlich an jüngere Leser und Junggebliebene richten? Was ist überhaupt erwähnenswert? Wie sollte er seine Texte inhaltlich strecken, um die 126 Seiten des Reiseführers voll zu bekommen?

Vielfältiges Angebot

Sein zweiwöchiger Aufenthalt hat ihn eines Besseren belehrt: "Ich verlasse Bad Kissingen mit einem völlig neuen Eindruck. Es wurde viel getan und es wird viel getan." Das Angebot der Kurstadt sei so vielfältig, "dass ich jetzt gar nicht alles im Reiseführer berücksichtigen kann." In vielen Gesprächen konnte Häring Neues und Wissenswertes erfahren. Bei Stadtführungen und Wanderungen lernte er die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihrer Umgebung kennen.

Alle zwei Tage übernachtete er in einer anderen Unterkunft von der Jugendherberge bis zum Vier-Sterne-Hotel. Täglich wechselnd testete er die Vielzahl der Speiselokale vom Döner-Imbiss bis zum Sterne-Restaurant. "Ich habe zur Erfüllung meines Auftrags Leber und Magen hingehalten", scherzt Häring und dankt seinen wechselnden Begleitern: "Ich wurde bestens umsorgt."

Altes in die Moderne überführen

Immer war er auf der Suche nach dem Besonderen, dem für die Kurstadt Spezifischen. Häring entdeckte nicht nur Essbares wie die Kissinger Hörnchen, Oblaten, Kissinger Tropfen oder handgemachte Trüffel, sondern auch Attraktionen wie den Wildpark Klaushof und dessen Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg.

Besonders beeindruckt war er von der "Ochsenkathedrale", dem Kissinger Schlachthof, und den aktuellen Plänen zu dessen Umnutzung in ein modernes Zentrum aus Restauration, Mobilitätszentrum, Museum und Tagungsort.

Fasziniert war er von vielen Vorhaben, Altes aus der Blütezeit der Kurstadt sinnvoll in die Moderne zu überführen. Dazu zählt er die Obere Saline mit ihren Museen ebenso wie die Umnutzung des Luitpoldbades in ein Behördenzentrum oder die Umgestaltung von Kurhausbad und Kurhaushotel ins Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Als privatwirtschaftliches Beispiel gefiel Häring die erst kürzlich zur Ferienwohnung umgebaute alte Umspannstation in Poppenroth oder die neue Vinothek Weinwerk.

Kritik am Radwege-Netz

Es wäre falsch, von einem erfahrenen Reiseveranstalter und Reisejournalisten nur Positives hören zu wollen. Natürlich hat Häring auch von Ideen erfahren, deren Initiatoren sich vom konservativen "fränkisches Phlegma" ausgebremst fühlen. Gelegentlich mag es in Bad Kissingen wohl auch an Koordination mangeln, so dass "manche Ideen ins Leere laufen". Kritik erlaubt sich der weit gereiste Radfahrer auch am städtischen Radwege-Netz. "Es gibt kleinere Städte mit engeren Straßen, wo Radfahrer besser bedient werden."

Lob für die Stadt

Doch nach zwei Wochen intensiver Recherche kommt Volker Häring zu einem durchweg positiven Ergebnis und lobt Bad Kissingen: "Es ist sehr viel Leben in der Stadt und ich habe viel Potenzial gesehen, um die traditionsreiche Kurstadt ins 21. Jahrhundert zu führen. So kann Bad Kissingen auch für jüngere Touristen interessant sein."