Bad Kissingen — Kantatengottesdienste in der evangelischen Erlöserkirche sind seit Anbeginn ein fester Bestandteil des Kissinger Sommers. Dementsprechend groß war auch der Andrang am Sonntagvormittag einen der begehrten Sitzplätze zu erlangen. Johann Sebastian Bachs "Lutherische Messe in F-Dur", BWV 233, stand auf dem Programm. Der Begriff "Lutherische Messe" kann missverständlich sein, da es sich bei Bachs Werk um eine Komposition in lateinischer Sprache handelt. Sie vertont das Kyrie und Gloria der "Lateinischen Messe" und wird daher auch "Missa brevis" genannt. Die lateinische Sprache war im lutherischen Gottesdienst keineswegs vollständig durch das Deutsche verdrängt worden: Im Leipzig der Bach-Zeit waren lateinische Motetten durchaus gebräuchlich.
Für die Aufführung konnte Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche auf den Würzburger Madrigalchor, das Kammerorchester Bad Kissingen sowie Ilse Fenger (Sopran), Katrin Edelmann (Alt), Eric Fergusson (Bass), Christel Gimmler (Solovioline), Christiane Feig (Solo-Oboe) - den Kissingern als Christiane Jungbauer seit vielen Jahren bekannt - und Rudi Schreiter (Orgel) zurückgreifen.

Konstante Leistungen

Durchwegs konstant in ihren musikalischen Leistungen, interpretierten die Musiker in virtuoser Weise die vorgegebene Konzertliteratur. Präzise in ihren Ausführungen und dem dazu gehörenden Gefühl zum Detail nahmen sie die Zuhörer musikalisch an die Hand und entführten sie in die fantastischen Klangwelten des Barocks. Beeindruckend waren auch die gesanglichen Leistungen des Madrigalchores sowie der drei Gesangssolisten Ilse Fenger (Sopran), Katrin Edelmann (Alt), Eric Fergusson (Bass). In bemerkenswerter Weise ließen sie ihre Gesänge und Arien erklingen, die die Zuhörer entzückten.
Den feierlichen und ansprechenden Gottesdienst leitete Pfarrerin Christel Mebert, die Festpredigt hielt Johanna Haberer, Professorin für christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In ihrer Predigt ging sie auf die Bach-Messe ein . Sie erläuterte, dass Martin Luther die Messe nicht abgeschafft, sondern neu gedeutet habe.
Dank der außergewöhnlichen Bach-Messe, der gelungenen Interpretation, des feierlichen Gottesdienstes, entstand ein außergewöhnliches Erlebnis für Herz und Sinne, bei dem die Seele Atem schöpfen konnte.