"Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte" lautete die Anklage, die am Mittwoch am Amtsgericht Bad Kissingen verhandelt werden sollte. "Ich weiß gar nicht, warum ich hier sitze", wunderte sich jedoch der 86-jährige Angeklagte. Viel mehr Kommunikation war mit dem Senior auch nicht möglich, weil er bei allen Fragen der Richterin nur verständnislos den Kopf schüttelte und auf seine Schwerhörigkeit verwies.


Gutachten zu
Hörfähigkeit

Auch die Versuche des Staatsanwaltes, dem 86-Jährigen auf der Anklagebank den Ernst der Lage zu schildern, gingen ins Leere. "Sollen wir ihm jetzt ein Hörgerät verpassen", fragte die Richterin schließlich den Staatsanwalt. Sie hatte bereits im Vorfeld vorgeschlagen, das Verfahren einzustellen. Nach kurzer Beratung entschied das Amtsgericht, dass nun zunächst ein Gutachten zur Hörfähigkeit in Auftrag gegeben werden soll: Ein Amtsarzt soll feststellen, ob der 86-Jährige verhandlungsfähig ist.


Widerspruch gegen Strafbefehl

Eine Zeugin berichtete, dass durchaus eine Verständigung möglich war. "Man muss halt laut und langsam sprechen." Gegen den Mann war in der Sache ein Strafbefehl erlassen worden, gegen den der 86-Jährige jedoch Widerspruch einlegte. Die Hauptverhandlung wurde gestern zunächst ausgesetzt, das Gericht vernahm weder die Zeugen, noch wurde die Anklage verlesen. rr