Positive Stimmung herrschte am Donnerstag bei der Hauptversammlung des Kur- und Fremdenverkehrsverein Bad Bocklet. Knapp die Hälfte der 80 Mitglieder aus örtlicher Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel waren der Einladung ins Restaurant Laudensack gefolgt. Nach den üblichen Regularien aus dem Vorstandsbereich gaben auch Kurdirektor Thomas Beck und Staatsbad-Geschäftsführer Wolfgang Back ihre Berichte ab.
Von Kassier Matthias Schmitt kam die erste gute
Nachricht: Das Vereinsguthaben konnte in den vergangenen zwölf Monaten von 5000 auf 9000 Euro fast verdoppelt werden. Den Einnahmen von annähernd 28 000 Euro, davon 16 000 aus Anzeigen und 10 000 aus Mitgliedsbeiträgen, standen Ausgaben von nur 24 000 Euro gegenüber. Davon entfielen allein 17 000 Euro auf die Produktion der Jahresbroschüre.
Seit August habe der Vorstand sehr viel Energie in die völlige Neugestaltung des Ortsprospektes gesteckt, meldete sich danach Vereinsvorsitzender Martin Eisenmann zu Wort. Ziel sei es gewesen, aus einer klassischen Werbebroschüre ein journalistisch aufbereitetes Magazin zu machen. "Wir wollen anders sein als andere," nannte Eisenmann als Grund.
Neue Wege im Marketing hatte der Kurverein bereits 2013 versucht. Mit einer Postwurfsendung, die für drei Pauschalangebote warb, waren Anfang August etwa 20 000 Haushalte in Fulda bestückt worden. "Die Telefone liefen nicht gerade heiß", umschrieb der Vorsitzende den Misserfolg. Dagegen sei das neu eingeführte Bonusheft von den Gästen gut angenommen worden und soll im kommenden Jahr neu aufgelegt werden.

Bad Bocklet steth zum Kurbetrieb

Bürgermeister Wolfgang Back berichtete als Geschäftsführer der Bad Bockleter Staatsbad GmbH von Höhen und Tiefen des vergangenen Geschäftsjahres. Er habe sich sogar vor Innenminister Joachim Herrmann wegen einer Dienstaufsichtsbeschwerde rechtfertigen müssen. Der Beschwerdeführer hatte sich über nächtliche Lärmbelästigung durch eine Veranstaltung im Staatsbad beklagt. Dies wollte Back nicht auf sich sitzen lassen. Unter dem Applaus der Anwesenden rief er: "Wir müssen doch auch mal wie in anderen Kurorten etwas länger feiern dürfen."
Als Bürgermeister würdigte Back die Aktivität des Kurvereins und versicherte, der Marktgemeinderat stünde voll und ganz zum Kurbetrieb. "Das war nicht immer so." Deshalb sei die Entscheidung leichter gefallen, das Haus Laudensack zu kaufen und das Ärztehaus oder den Netto-Supermarkt anzuwerben. Dies alles sei dringend nötig gewesen: "Vorher sind uns doch die Gäste schon weggelaufen."

Deutlich mehr Gäste

Dass dies heute nicht mehr so ist, bewies Kurdirektor Thomas Beck mit der aktuellen Gästestatistik: Bis zum 30. November seien schon mehr als 18 600 Gäste gebucht worden. Das seien fünf Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Im Rückblick auf das Jahr 2003 stellte Beck fest: "Die Gästezahl hat sich in den zehn Jahren verdoppelt." Die knapp 180 000 Übernachtungen im Jahr hofft Beck erreichen zu können. Aktuell seien 166 000 Nächte gebucht, etwas mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Demnächst sollen nach Aussage des Kurdirektors die Internet-Seiten neu programmiert werden. Die verschiedenen Abrufmöglichkeiten auf Computer, Tablet-PC oder Smartphone mit ihren jeweils unterschiedlichen technischen Anforderungen seien der Grund. Die Staatsbad GmbH werde außerdem ihre Angebote der Trinkkur und für Naturmoor stärker bewerben. Beck: "Wir sind noch einer der wenigen Kurorte, die echtes Naturmoor bieten." Auch um die Ausweitung der betrieblichen Gesundheitsförderung im Zusammenwirken mit Großbetrieben will Beck sich kümmern.

Am 13. Dezember wird der neue Jahresprospekt des Staatsbades Bad Bocklet in einer Auflage von knapp 17 500 Exemplaren von der Druckerei ausgeliefert. Aber eigentlich ist es gar kein Prospekt. "Es ist ein journalistisch aufbereitetes Magazin", beschrieb Martin Eisenmann als Vorsitzender des Kur- und Fremdenvereins Bad Bocklet die in Text und Layout völlig umgestaltete 76-seitige Broschüre am Donnerstag bei der Präsentation vor den Teilnehmern der Jahreshauptversammlung.
Seit August hatte der Vereinsvorstand gemeinsam mit Ulrike Schätzle von der Kissinger Werbeagentur Mikado am neuen Konzept gearbeitet. "Bad Bocklet muss auffallen", nannte Eisenmann den Grund für die radikale Veränderung. So wurde aus dem üblichen Grußwort ein "Editorial" und der reine Informationsteil wurde zugunsten großformatiger Bilder stark zurückgenommen. Der Text gleicht journalistischen Reportagen, auf werbende Floskeln wurde verzichtet. Neu ist auch der Verzicht auf einen abgeschlossenen Sonderteil mit Pauschalangeboten. Stattdessen wurden diese Pauschalen - jeweils nach Themen wie Wellness, Vorsorge oder Fasten sortiert - in die entsprechenden Textseiten eingebaut.
Schon der erste Blick auf das neue Urlaubsmagazin lässt aufmerken: Auf dem Titelblatt fehlt das bei anderen Urlaubsprospekten sonst übliche großformatige Titelbild. "Wir haben mit unserer Idee die Agentur sprachlos gemacht", erinnerte sich Eisenmann an die mehrmonatige Zusammenarbeit. Nur die vier Stichworte Gesundheit, Natur, Wellness und Ruhe sollen die Stärken des Staatsbades aufzeigen. Eisenmann: "Wir sind eben anders als andere." Dafür sollen die großformatigen, oft sogar doppelseitigen Fotos auf den nachfolgenden Seiten dem potenziellen Gast die Vielzahl gesundheitsfördernder Urlaubsaktivitäten im Staatsbad schmackhaft machen.
Neu ins Magazin aufgenommen wurde die Rubrik "Kulinarik auf Fränkisch" mit Angeboten örtlicher Restaurants oder auch die Vorschläge für eintägige Städte- und Ausflugstouren in die Umgebung. Besonders deutlich zeigt sich die Wandlung vom Urlaubsprospekt in ein Magazin an zwei Reportagen. Auf zwei Doppelseiten werden das Hotel Kunzmann sowie die Brunnen Apotheke mit dem benachbarten Buchhandel als Beispiele für einen gelungenen Generationenwechsel im Betrieb beschrieben.

Wechselnd aktuelle Themen

"Wir wollen damit zeigen, dass sich etwas im Ort tut", erläuterte der Kurvereinsvorsitzende den Hintergrund. Auf diesen Reportage-Seiten soll deshalb jährlich wechselnd ein aktuelles Thema behandelt werden. Von der gewünschten jüngeren Gästezielgruppe scheint das neue Magazin gut angenommen zu werden. "Im Probelauf hat das Layout allen Damen um die Fünfzig gefallen", berichtete Eisenmann. Einhelliges Lob kam auch am Donnerstag von allen Teilnehmern der Kurvereinshauptversammlung.
Von "einfach toll" bis "außerordentlich gut gelungen" reichten die Kommentare. Er habe im Laufe der Jahrzehnte schon viele Veränderungen an der Bad Bockleter Ortsbroschüre mitgemacht, meinte Michael Trümbach voller Hochachtung. "Aber eine derart radikale Umgestaltung habe ich noch niemals erlebt."