Das Wetter hat gepasst. Es war warm, die Vögel zwitscherten, die Kastanien blühten, und von den Wiesen zog ein feinwürziger Duft herüber. Schöner können die Rahmenbedingungen für eine Maiandacht kaum sein. Dennoch hatten die zahlreichen Besucher Regenschirme und wetterfeste Jacken dabei. Schließlich waren für Samstagabend auch Richtung Platzer Kuppe Gewitter und Regengüsse angesagt.
Doch das Wetter hielt. Lediglich ein paar dunkle Wolken zogen über die Köpfe der andächtig Versammelten. Diakon Michael Schlereth konnte so in aller Ruhe die Maiandacht am Osterbrunnen zelebrieren, die musikalisch von den Waldfensterer Bergmusikanten begleitet wurde. Besonderer Hingucker am Osterbrunnen war der prächtige, mit vielen Blumen dekorierte Marien-Altar, den einige Frauen tagsüber extra geschmückt hatten.


Dann kam der Regen

Nach gut einer halben Stunde war die Andacht vorbei, und die Besucher zogen hinüber zur Jagdhütte. Dort gab es nicht nur Speis und Trank, sondern die Bergmusikanten spielten wie gewohnt zünftig auf. Aber nur bis etwa halb acht Uhr. Dann begann es zu tröpfeln. Innerhalb weniger Minuten wurde ein handfester Regenguss daraus, der sich schließlich in einen starken Dauerregen verwandelte.
Entsprechend wurden die Instrumente eingepackt, und die Besucher zogen von dannen. Etliche wurden dabei ziemlich nass. Schließlich waren sie zu Fuß hinauf zum Osterbrunnen in den Schwarzen Bergen gekommen, hatten ihre Autos auf den ausgewiesenen Parkplätzen am Rondell oder der Platzer Kuppe geparkt.


Gut besucht

Trotzdem zogen die Organisatoren von den Jagdgenossen der Burkardrother-Zahlbacher Bergjagd eine positive Bilanz des Abends. "Die Andacht war trotz der trüben Wetteraussichten gut besucht", so Anton Schmitt. Er schätzt, dass etwa 120 Leute da waren - viele aus Waldfenster und Stangenroth, relativ wenige aus Burkardroth und Zahlbach, sowie etliche Fremde. Zu letzteren gehörte auch das Ehepaar Sixt aus Ramsthal. "Wir waren im vorigen Jahr das erste Mal hier", erzählt Herr Sixt. Die wunderbare Aussicht und die traditionellen Marienlieder hätten ihm und seiner Frau so gut gefallen, dass sie am Samstag, als sie in der Zeitung davon lasen, spontan beschlossen, die Andacht in den Schwarzen Bergen erneut zu besuchen. "Besonders schön ist auch das anschließende gemütliche Beisammensein mit den Bergmusikanten", fügt seine Frau hinzu.


Fester Termin

Die illustre Truppe gestaltet schon seit ihrer Gründung vor 17 Jahren die Marienandachten der Bergjagd musikalisch, ebenso den anschließenden gemütlichen Teil. "Es ist ein fester Termin in unserem Kalender. Wir haben hier oben schon schöne Abende verbracht", erzählt Ober-Bergmusikant Peter Kleinhenz. Etliche von den Musikern hätten schon in den drei Jahren zuvor mit dem Waldfensterer Musikverein an der Hütte musiziert. Auch 2017, wenn es die Bergmusikanten nicht mehr geben wird, werden einige von ihnen als Rucksackmusikanten wieder mit von der Partie sein, verspricht er.


Der Ursprung

Im kommenden Jahr wird die Andacht am letzten Maiwochende bereits zum 21. Mal in den Schwarzen Bergen stattfinden. "Urheber des Ganzen ist der ehemalige Pfarrer Wehner aus Waldfenster", erzählt Anton Schmitt. Der Geistliche hatte in den 1990er-Jahren eine Bergmesse auf der Platzer Kuppe gehalten. Die sei bei den Bergjagdgenossen so gut angekommen, dass sie ihn darum baten, eine solche auch in ihrem Revier zu halten. "Doch der Pfarrer hatte keine Zeit und schlug vor, dass die Diakone doch eine Andacht zelebrieren könnten. Die sei nicht so aufwendig."
Inzwischen sind zwei Jahrzehnte vergangen, und es ist eine feste Institution aus der Maiandacht geworden. "Es hat schon Zeiten gegeben, da sind hier bis zu 500 Leute hinaufgewallt", weiß Anton Schmitt. Doch das sei inzwischen vorbei, nicht zuletzt, weil man nicht mehr bis hinauf zum Osterbrunnen fahren darf. "Schließlich ist das alles hier Schutzzone im Biosphärenreservat", fügt er hinzu. Deshalb wird auch das Gras auf der Wiese am Osterbrunnen nicht mehr gemäht. "Für die Mahd gibt es drei festgelegte Termine, damit sich die verschiedenen Pflanzen wieder besser vermehren können", so der stellvertretende Vorstand der Jagdgenossen, Roland Kirchner. Damit die Besucher nun aber nicht durchs hohe Gras waten müssen, haben es die Organisatoren etwas plattgewalzt. "In wenigen Tagen ist es wieder aufgerichtet", ist Schmitt überzeugt.