Dr. Wolfram Franke ist ein Mann mit drei Büros. Hier, in dem Büro am Ende eines kurzen Gangs im Erdgeschoss der Marbachtal-Klinik, gefällt ihm die Einrichtung am besten: Bauhausstil. Möbel mit schwarzen Flächen, silbernen Ecken und Kanten. Wolfram Franke ist Facharzt für Psychotherapie: Dunkle Seiten und Silberstreifen - damit kennt er sich aus. Frankes Hauptbüro ist in der Klinik-Rhön, ein drittes in der Klinik-Saale, in allen drei Kliniken ist Franke ärztlicher Direktor. Sein Büro wechselt er so gut wie jeden Tag, am psychoanalytischen Institut in Würzburg ist er Dozent.
Im Kleiderschrank an der Wand hängen noch zwei Arztkittel: "Problempatienten werden mir regelmäßig vorgestellt." Ansonsten ist ein Großteil seiner Arbeit administrativer Natur.
Am 8. März feiert die Marbachtal-Klinik ihr 50-jähriges Bestehen. Und es gab Zeiten, da galt die Klinik in Bad Kissingen als Wackelkandidat. Das hat sich geändert. Sichtbar wird das vor allem an den Investionen der vergangenen Jahre, unter anderem wurden die Behandlungsräume umgebaut, Sanitäranlagen saniert und geeignete Ergotherapie-Räume geschaffen. Heuer soll noch der Speisesaal komplett saniert werden, das Energiekonzept überarbeitet und der Lounge-Bereich umgebaut werden.
Vor vier Jahren wurde die Gastroenterologie aufgegeben, die Fallzahlen waren zu gering gewesen, seitdem ist die Klinik rein auf psychosomatische Erkrankungen spezialisiert.
Um die Wirtschaftlichkeit zu steigern wurden außerdem Synergieeffekte genutzt: Die Küche der Klinik-Saale bewirtet auch die Patienten der Klinik-Rhön und der Frankenklinik, das Reinigungspersonal ist dasselbe - alle drei Kliniken gehören zur Deutschen Rentenversicherung, werden jedoch von unterschiedlichen Regionalträgern geführt: Die Marbachtal-Klinik gehört der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen. "Die Verantwortlichen waren damals auf der Suche nach einem Standort mit einer reizvollen Umgebung für die Menschen von der Küste", sagt Pressesprecher Thomas Rathmann. Die Stadt Bad Kissingen bot damals gute Bedinungen, man entschied sich für den Standort. "Bis heute", sagt Rathmann, "hat man das nicht bereut".
In den fünf Jahren, in denen Wolfram Franke die Klinik nun leitet, hat sich einiges verändert: die Fluktuation hat abgenommen, seit kurzem ist die Klinik akademische Lehrstätte der Uni Oldenburg, eine bessere Dokumentation wurde eingeführt, das interne und externe Qualitätsmanagement ist zertifiziert (QMS Reha).
125 Mitarbeiter hat die Klinik, 160 Patienten, der Altersdurchschnitt liegt bei 60 Jahren, 78 Prozent sind Frauen. "Frauen sind psychosozial kompetenter", sagt Franke und meint: "Frauen sind verletzlicher, und leiden meist unter einer Doppelbelastung."
Behandelt werden in der Marbachtal-Klinik psychosomatische Beschwerden jeglicher Art, von schweren Persönlichkeitsstörungen über Depressionen und Angsterkrankungen bis hin zu den scheinbar banalen Dingen, die das Leben bisweilen unerträglich machen: Jobverlust, das Kind nimmt Drogen oder eine Trennung vom Ehepartner - das sind die häufigsten Fälle. Und die vermeintlich einfacheren. Hier kann das Leben irgendwann auch wieder normal weitergehen. Anders bei Persönlichkeitsstörungen: "Wir begleiten die Leute durch die Krankheit, wir bekommen die Krankheit aber nicht weg."
Ein Beispiel: Borderline-Syndrom, eine Persönlichkeitsstörung, gekennzeichnet durch extreme Stimmungs- und Gefühlsschwankungen. "Eine Patientin", sagt Franke, "eine Akademikerin, ist regelmäßig auf den Strich gegangen - nicht wegen des Geldes, sondern weil sie den Thrill gesucht hat." Medikamente und Therapien können helfen, nicht heilen. Und wenn dann jemand doch alles nicht mehr aushält, dann sagt Franke, "bleibt immer ein Hauch einer Überlegung zurück, ob man es nicht hätte besser machen können."
Wechsel im Krankheitsbild: Angsterkrankungen, sagt Franke, kann man gut heilen. Verhaltens- und Expositionstherapie sind Frankes Spezialgebiet. "Meine Aufgabe ist es", sagt Franke, "etwas zu finden was die Person stabilisiert". Die Angst geht dadurch nicht weg, aber sie wird beherrschbar.
Bei 25 Prozent aller Deutschen lässt sich eine psychologische Störung diagnostizieren - wenn man denn will. So lange einem die Angst vor vollen Fahrstühlen oder die vor einer Spinne nicht die Kraft raubt, den Alltag zu meistern, so lange ist das alles nicht allzu ernst.
Die Rate psychischer Erkrankungen hat sich jedenfalls in den letzten Jahrzehnten nicht erhöht. Was sich erhöht hat ist die Sensibilität. Die Sensibilität auf Seiten der Ärzte, die besser ausgebildet sind und empfindsamer auf Krankheitsbilder wie Depression oder Burnout reagieren. Und die Sensibilität auf Seiten der Gesellschaft.Eine Endstigmatisierung hat stattgefunden, sagt Franke. Ein Burnout wird zunehmend als Krankheit akzeptiert, nicht als persönliche Schwäche ausgelegt.
Burnout, die psychosomatische Krankheit der vergangenen Jahre. Was sind die Herausforderung für die Zukunft? Posttraumatische Belastungsstörungen. Dann wenn der Krieg im Kopf weitertobt. "Nicht alle werden das ohne Weiteres schaffen", sagt Franke. "Viele werden Hilfe brauchen." Und meint damit Flüchtlinge, Soldaten und Helfer gleichermaßen.


Die Kliniken der Deutschen Rentenversicherung

Klinik Saale (DRV Bund) Internistische Fachklinik für Erkrankungen des Stoffwechsels, des Herz-Kreislaufsystems und der Drüsen.

Klinik Rhön (DRV Bund)
Spezialisiert auf die Behandlung von psychischen und psychosomatischen Beschwerden und Erkrankungen.

Frankenklinik
(DRV Nordbayern), Fachklinik für Orthopädie und Innere Medizin

Marbachtalklinik (DRV Oldenburg-Bremen), Fachklinik für Psychosomatik

Rehaklinik am Kurpark (DRV Baden-Württemberg), Fachklinik für Rheumatologie/Orthopädie, Onkologie und Neurootologie

Zentren Deutschlandweit verfügt die DRV Bund über 22 Reha-Zentren mit 26 Kliniken. 20 Prozent ihrer Reha-Patienten schickt die DRV Bund in die eigenen Häuser, die restlichen 80 Prozent in Vertragshäuser wie die Bad Kissinger Deegenberg-Klinik, Klinik Bavaria oder Heiligenfeld.