"Mein Programm ist niveaulos. Ich werde nie einen Grimme-Preis bekommen" - dieses Eingeständnis vom "Olli" ist nicht nur eine passende Einschätzung des eigenen Anspruchs, es beschreibt auch genau, was fehlt: ein roter Faden bei einer Ansammlung von harmlosen bis zu schlüpfrigen Witzen.

Aber genau das ist es, warum die Fans von Oliver Gimber in großer Zahl in seine Comedy-Show "Voll auf die 12" strömen, und auch in Bad Kissingen war der Rossini-Saal fast ausverkauft. Der gelernte Malermeister aus Pforzheim schwimmt auf der Welle des flachen Witzes, der die Grenzen des "guten Geschmacks" gezielt überschreitet, der die männlich-dominierten Bereiche eines Stammtisches verlässt und der dadurch über alle Generationen und Geschlechtergrenzen hinweg "massentauglich" wird.

Bekannte Vorbilder für diesen Comedy-Trend gibt es ebenso wie erfolgreiche Newcomer, die das Unterhaltungspotenzial des Witzes präsentieren und damit erfolgreich über die bundesdeutschen Bühnen oder durch die öffentlichen wie privaten TV-Sender streifen. Gerade Letztere sind neben dem Internet die Wegbereiter für diese Unterhaltungsform, die zwar mit Peter Frankenfeld, Jürgen Manger oder Herbert Hisel "historische" Protagonisten hat, die sich aber mehr und mehr in den "Untiefen der Schlüpfrigkeit" verliert, wie es auch Oliver Gimber offen eingestand.

Passionierter Witze-Erzähler

Dabei geht Gimber, der seit ca. fünf Jahren öffentlich auftritt und zuvor als bester Witzeerzähler seines Freundeskreises galt, einen ähnlichen Weg wie viele andere, wenn er in dem fast dreistündigem Auftritt seine Lebensgeschichte ausbreitet, appellative Botschaften einbindet, Eigen-Werbung als "Unternehmensberater" betreibt und das Ganze mit Witzen von lustig-flach bis zur untersten Schublade garniert. Und diese Garnitur ist nicht nur absolut sinnfrei, sondern reizt das Zwerchfell des Zuhörers durch eine Pointe, die zu einem meist unkontrollierten Lachen führt - bestenfalls ist diese Pointe ein unerwarteter Ausgang der kurzen Erzählung: "Was machen zwei Katzen vor dem Fitness-Studio? Sie warten auf den Muskelkater!" oder "Warum sind in Polen die Kreisverkehre größer? Damit man mit funktionierendem Lenkradschloss noch rumkommt."

Umtriebig ist er auf der Bühne unterwegs, wenn er seine Geschichten zu Minderheiten wie Kleinwüchsigen, Blinden, Rollstuhlfahrern oder Stotterern erzählt und einen Witz hinterherschiebt, dem er durch eine vorherige "Ja, ich darf das"-Absolution die Schärfe nimmt: "Kommen zwei Kleinwüchsige in die Bar. Sagt einer: Zwei Kurze! Der Barkeeper: Seh ich. Was wollt ihr trinken." - Miriam hat's erlaubt, bloß "Liliputaner" darf er nicht sagen und das sagt er auch nicht.

"Im Witz ist alles erlaubt, weil's ein Witz ist. Ansonsten Political Correctness" - das soll laut Oliver Gimber schon Siegmund Freud erklärt haben und daran orientiert er sich - meistens jedenfalls. Gelächter ist garantiert, aber die richtigen Schenkelklopfer sind Gimbers "FSK-Witze", die er durch die "Nicht-Hören-Geste", aber auch als "unterirdisch" oder mit dem Hinweis "Würd ich nie erzählen" ankündigt. Wer's aber trotzdem hören wollte, der konnte sich am "Pelz-Nieser", an "Prostata-Untersuchungen" oder am "Überfall auf die Samenbank" erheitern, die zu "Bildern in euren Köpfen werden, die ihr nicht mehr loswerdet". Auch der "Schwarzer Rettich"-Witz ist ein rassistisch-angehauchter Gimmick, dem Gimber seine Popularität verdankt, der zwar durch "Hate-Speech" für Ärger sorgte, aber dem durch Gimbers bildhafte Erzählweise das Zynische genommen wird und vorurteilsfreie Lacher bei einem insgesamt begeisterten Publikum erlaubt.