Kongressleiter Dr. Volker Hingst (Heidelberg) sprach denn auch von einem top-aktuellen Thema. Von Anfang an haben die Kongresse unter dem Dach des Fördervereins Gesundheitszentrum Bad Kissingen Wert darauf gelegt, nicht nur das Thema Hygiene, sondern auch die Bereiche "Wunde und Pflege" zu behandeln. Hingst wertete es denn auch als großen Erfolg, dass weit über 200 Teilnehmer aus ganz Deutschland zum 12.
Akademiekongress an die Saale gekommen waren.

"Das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten bezeichnet Krankenhausinfektionen und Infektionen mit multiresistenten Erregern aus gutem Grund als das gravierendste gesundheitliche Problem in Europa", sagte MdB Sabine Dittmar (SPD), selbst Ärztin mit langjähriger Erfahrung.


Es gibt noch viel zu tun

Die Vielzahl der immanenten und vermeidbaren Infektionsquellen zeige, dass es im Bereich der Hygiene noch viel zu tun gibt, so die Bundestagsabgeordnete weiter. Hygiene-Management müsse zur Selbstverständlichkeit werden. Dafür brauche man nicht nur geschultes , sondern auch genügend Personal. "Aktuell sind wir in Bayern nicht in der Lage, alle vakanten Stellen mit Hygienefachkräften und Krankenhaushygienikern zu besetzen", sagte Frau Dittmar. Sie forderte unter anderem umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen und die Einrichtung von Lehrstühlen.

Die Abgeordnete warf noch einen Seitenblick in die Niederlande. Dort gebe es wesentlich mehr Fachkräfte, das schlage sich in der Zahl der festgestellten Infektionen nieder. Ein kritischer Blick galt auch der Tiermedizin mit ihrem oft übermäßigen Einsatz von Antibiotika.

Ministerialrat Dr. Wolfgang Hierl wies darauf hin, dass die im Krankenhaus erworbenen Infektionen eine zusätzliche Belastung für die Patienten darstellen und die Dauer der Behandlung verlängern, "Mit Sorge ist in diesem Zusammenhang die Zunahme der Infektionen durch multiresistente Erreger zu betrachten", sagte Hierl - selbst Mediziner.

Die Bekämpfung der Krankenhaus-Infektionen bedürfe des Engagements aller, sowohl in der medizinischen Behandlung als auch in der Pflege. Dabei komme den Pflegenden eine wichtige Rolle bei der frühzeitigen Erkennung, der fachgerechten Versorgung und der Vermeidung von Wundinfektionen zu. Dr. Hierl forderte eine enge Verzahnung von Pflege und Krankenhaus.


Netzwerke

Hierl wies auf die Bedeutung der Netzwerke zur Bekämpfung von multiresistenten Erregern - auch auf regionaler Ebene - hin. Außerdem sprach er das Bayerische Aktionsbündnis Antibiotikaresistenz an, in dem Human- und Tiermedizin, Pharmazie, Agrar-, Lebensmittel - und Ernährungswirtschaft sowie Verbraucher und Patienten zusammengebracht werden. Denn nur durch gemeinsames Handeln könnten Antibiotikaresistenzen und die damit verbundenen Risiken für die Gesellschaft abgebaut werden.

30 Referenten gingen und gehen am gestrigen Donnerstag und am heutigen Freitag in zahlreichen Referaten und Workshops auf das Generalthema des Kongresses, "Hygiene - Wunde - Pflege", ein. Wert wurde und wird auch darauf gelegt, den Teilnehmern des Kongresses die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion zu bieten. Eine Industrie- und eine Foto-Ausstellung ergänzen das Angebot.