Im Ballon ist ein Loch! In letzter Sekunde vor dem Abheben bemerkt Patrick Halboth die winzige Öffnung in der Latexhaut seines Wetterballons. Er hat Glück: Das Leck ist ganz unten am "Einfüllstutzen" für das Helium. Dort kann man den Ballon abbinden. Noch einmal kurze Hektik, dann ist es soweit: Patrick Halboth lässt los, der Ballon steigt und mit ihm die Box voller Messtechnik und ein kleiner Fallschirm.
Ein paar bange Stunden später wird Patrick Halboth ein Signal erhalten. Der Fallschirm ist gelandet. Auf einem Acker in Haßfurt findet er sein Kästchen wieder. Heil und mit all den Messdaten, die er sich erwünscht hat. Das Projekt Skywalker 2.0 ist gelungen.
Mit Patrick Halboth hat die ganze Familie gefiebert. Und alle haben mit angepackt. Denn zwei Hände alleine hätten nicht ausgereicht, den Ball samt Messbox steigen zu lassen. Während der 17-Jährige noch einmal alle Gerätschaften auf Funktionsfähigkeit überprüft, hält Opa Otto Lotz bereits den mit Helium gefüllten Ballon in Händen. Mutter Andrea hilft beim Verpacken und Verschnüren der Messbox. Vater Andreas dokumentiert jeden Arbeitsschritt mit dem Fotoapparat und filmt - auch das gehört zum Experiment dazu.

Kleines Zeitfenster

Das Zeitfenster für den Flug ist klein. Patrick musste sich eine Genehmigung vom Bundesluftfahrtamt holen, um den Ballon überhaupt steigen zu lassen. Eine halbe Stunde bleibt ihm. Sprichwörtlich in letzter Sekunde hat er den Ballon flott: Zuerst macht eine Platine kurz Zicken, dann fehlt ein bisschen Helium und schließlich das winzige Loch. Doch dann hebt der gelbe Wetterballon ab, steigt in den blauen Himmel und wird kleiner und kleiner. Patrick strahlt, auch wenn die Sache noch nicht gelaufen ist. "Ich hoffe, alles funktioniert", sagt er nach dem Start. Der Ballon vergrößert seinen Umfang mit steigender Höhe von gut zwei auf rund zwölf Meter, erläutert Patrick. Irgendwann platzt er und die Flugbox wird von dem kleinen angehängten Fallschirm halbwegs sanft auf die Erde zurückgebracht.

Landung gut verkraftet

Erst als sich das Kästchen von einem Acker bei Haßfurt zurückmeldete, kann der junge Forscher aufatmen - teilweise zumindest. Noch weiß er nicht, ob seine Geräte in der Luft funktioniert haben. Einen Tag später hat er Gewissheit.  "Das Experiment war ein voller Erfolg", erklärt Patrick. Sein Ballon war auf eine Höhe von mindestens 30  Kilometer gestiegen. Die Geräte haben gemessen und die Flugdaten aufgezeichnet. Und auch die Landung auf dem Acker scheinen sie gut verkraftet zu haben. In den nächsten Wochen wird er seine Daten berechnen und mit denen des deutschen Wetterdienstes vergleichen. Er will sehen, ob er mit deren Ergebnissen mithalten kann. Der junge Mann ist optimistisch, dass dies der Fall sein wird.
Patrick Halboth hat den Wetterballon steigen lassen für seine Facharbeit im Projektseminar Physik am Schönborn-Gymnasium. Gleichzeitig kann er mit diesem Versuch bei Jugend Forscht teilnehmen. Im vergangenen Jahr hat er es mit seinem ersten Wetterballon-Experiment und den damit verbundenen Messungen bereits in den Landesentscheid geschafft. Jetzt peilt Patrick Halboth die Teilnahme am Bundesentscheid an.
Seit April hat Patrick Halboth getüftelt und programmiert. Er hat einen Mikrocontroller samt Messsensoren entwickelt, mit Hilfe derer in der Stratosphäre unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck gemessen werden. Für aussagekräftige Daten müssen dazu auch noch die Höhe und die Position bestimmt werden. Die Platinen für seine Sensoren hat Patrick Halboth selbst gelötet und die nötige Software eigenhändig programmiert. Mit einer Sim-Karte ließ sich das Kästchen nach seiner Landung wieder orten. Außerdem war eine Videokamera mit "an Bord", die jede Sekunde des Fluges aufgezeichnet hat. "Die Bilder sind toll geworden.
Ziel ist ein Vergleich der eigenen Daten mit denen, die der Wetterdienst bei seinen regelmäßigen Messungen einfängt. Festgestellt hat Patrick Halboth nach seinem ersten Start eines Wetterballons im Winter, dass die Temperatur ab einer Höhe von 15 000 Metern wieder steigt. Der neue Start soll die Messungen bestätigen und noch genauere Zahlen liefern. "Jetzt ist alles professioneller und ich habe ein besseres Programm", erklärt Patrick Halboth.
Patrick Halboth kam durch den Stratosphärensprung des österreichischen Extremsportlers Felix Baumgartners auf die Idee, sich mit dem Wetter in der Stratosphäre näher zu befassen. Bei Jugend Forscht hat er bereits einen Sonderpreis mit seinem ersten Versuch gewonnen. Deshalb darf er im Oktober nach Schweden. Dort ist ein internationales Treffen von Universitäten, die in der Wetterforschung tätig seien. Dabei wird Patrick Halboth seine Gerätschaften nochmals aufsteigen lassen und dann mit den dort ermittelten Daten anderer Instrumente vergleichen können.
Ganz billig wird diese Facharbeit nicht. Alleine das Helium für den Ballon kostete rund 100 Euro. Dazu kommen die Kosten für technische Ausstattung der Messbox.
Außerdem mussten die Halboths eine Haftpflichtversicherung abschließen, denn schließlich hat Patrick Halboth keinerlei Einfluss darauf, wo seine Gerätebox nach dem Platzen des Ballons niedergeht. Eine Million Euro ist die Haftungssumme - "eigentlich nicht viel", meint Andrea Halboth. Aber man solle auch nicht immer gleich an den Supergau denken, findet Andreas Halboth. Patrick ist jetzt erst einmal richtig glücklich, dass alles so gut gelaufen ist und genießt nun seine Sommerferien in vollen Zügen.