Auf Erwerb, Besitz und Verbreitung kinderpornographischer Schriften lautete die Anklage gegen einen Berufskraftfahrer, der sich jetzt vor dem Bad Kissinger Amtsgericht für neun von anfangs elf Fällen aus den Jahren 2014 bis 2016 zu verantworten hatte. "Es war keine Frage der moralischen Beurteilung Ihres Verhaltens, sondern es ging hier allein um den Besitz der Fotos", betonte die Richterin, nachdem sie das Urteil über die 18-monatige Freiheitsstrafe verkündet hatte. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich hat der 62-Jährige als Bewährungsauflage 3000 Euro an die Staatskasse zu zahlen.

Erst 2018 waren nach einer Hausdurchsuchung mit Beschlagnahme von Mobiltelefonen, Notebook und Laptop und anschließender Prüfung vieler tausend Bilddateien schließlich 2000 Foto- und Videodateien kinderpornographischen Inhalts entdeckt worden, weshalb die schon Jahre zurückliegenden Straftaten erst jetzt verhandelt werden konnten. Auf diesen Fotos wurden Kinder in "aufreißerischen Szenen" gezeigt, so der Vorwurf des Staatsanwalts, in denen Kinder ihre Geschlechtsteile präsentierten oder Sexualverkehr mit Erwachsenen Männern hatten. Dies sei vom Angeklagten "billigend in Kauf genommen" worden.

Richterin erklärt: Kinder stünden bei Aufnahmen unter Psychopharmaka

"Im Großen und Ganzen trifft dies zu", gestand der Angeklagte. Er habe sich die Bilder angeschaut, die meisten aber sofort wieder gelöscht. "Es war ein riesengroßer Fehler und wird nicht wieder vorkommen", versprach er vor Gericht und bat um Entschuldigung.

"Bei wem wollen Sie sich denn entschuldigen?", fragte die Richterin, worauf der Mann verunsichert erwiderte: "Ich weiß nicht, ob ich jemanden damit geschädigt habe. Die Bilder waren doch schon im Internet." Dieses Argument, das der Richterin aus anderen Fällen geläufig war, veranlasste sie zum Vorwurf: "Was meinen Sie denn, wie diese Bilder zustande kommen?" Was in ihm vorgegangen sei, als er in den Internet-Chatrooms aktiv war, wollte sie wissen. Diese Kinder stünden bei den Aufnahmen unter Psychopharmaka und würden ihr ganzes Leben darunter zu leiden haben, hielt sie dem Angeklagten vor. Viele würden kein normales Leben mehr führen können. "Das ist keine Kleinigkeit", machte sie dem Mann auf der Anklagebank die juristischen Folgen deutlich.

Der Verteidiger zitierte ein Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach ein Unterschied zwischen gespeicherten und gelöschten Fotos gemacht wird. Doch die Richterin akzeptierte lediglich den Hinweis auf Verjährung von zwei der elf Fälle. Auf die Frage der Richterin, ob der Angeklagte mit einem Arzt über seine Neigung gesprochen habe, erwiderte der Verteidiger, sein Mandant sei überzeugt, keine pädophile Neigung zu haben. "Wir haben keinen klassischen Fall von Pädophilie", was durch die mehreren tausend andersartigen Porno-Bilder, die ebenfalls auf den Festplatten gefunden wurden, bestätigt werde. "Es wird nicht wieder vorkommen", versprach er im Auftrag seines Mandanten.

Angeklagter zeigt Reue: Bewährungsstrafe "gerade noch zulässig"

Der Angeklagte habe gestanden und echte Reue gezeigt, leitete der Staatsanwalt sein Plädoyer ein. Auch habe er sich in den 60 Jahren seines Lebens "nichts zu Schulden kommen lassen". Doch wegen der Schwere der Taten beantragte er eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Die Aussetzung zur Bewährung mit vierjähriger Dauer sei "gerade noch zulässig", da dem Angeklagten nach erfolgter Versöhnung mit der Ehefrau und dem Ausbleiben weiterer Straftaten eine günstige Sozialprognose ausgestellt werden kann. Als Geldauflage beantragte er 3000 Euro sowie fünf Beratungsgespräche beim Therapeuten.

Sein Verteidiger führte zur Entlastung an, dass die letzte Tat schon fünf Jahre zurückliegt und der Angeklagte sich die meisten Fotos nur angesehen, dann aber gelöscht habe. "Er hat sich keine Gedanken darüber gemacht." Eine einjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung von drei Jahren sei deshalb ausreichend. Auf eine Geldauflage sollte verzichtet werden, da sein Mandant an der Zahlung der Gutachterkosten von 11 000 Euro "schon genug zu knabbern hat". Doch die Richterin folgte mit ihrem Urteil eher dem Antrag des Staatsanwalts, wenn auch die Freiheitsstrafe mit 18 Monaten und die Bewährungsdauer mit nur drei Jahren doch geringer ausfielen. Der Angeklagte habe sich glaubhaft von seinem Verhalten distanziert, seine Ehekrise gut bewältigt und sei nicht vorbestraft. Auch die Geldauflage von 3 000 Euro entsprach dem Antrag des Staatsanwalts. Therapeutische Beratungsgespräche hielt die Richterin allerdings für unnötig: "Ich glaube Ihnen, dass Sie mit dieser Geschichte abgeschlossen haben."