Bad Kissingen — Aileen Kempf (20) aus Garitz ist die amtierende Rosenkönigin der Stadt Bad Kissingen. Sie absolviert parallel ein duales Studium zur Bauingenieurin. Wunschberuf ist Architektin. Im Gespräch mit der Saale-Zeitung zeigt sich eine selbstbewusste und natürliche, junge Frau. Kempf erzählt, warum sie beim Casting nervöser war, als auf dem Rosenball, warum sie ihre Wahl der Diskothek Look und einer Tankstelle zu verdanken
hat und was man mit 188 Rosen macht, die über Nacht in der Badewanne liegen.

Seit zwölf Wochen sind Sie die Bad Kissinger Rosenkönigin. Kurz nach der Wahl waren Sie von ihren Gefühlen überwältigt. Jetzt mit etwas Abstand: Wie haben Sie die Entscheidung erlebt?
Aileen Kempf Es war dann plötzlich rum und die Anspannung ist abgefallen. Eigentlich kann ich es immer noch nicht beschreiben. Am nächsten Tag habe ich als erstes mein Kleid und die Krone angeschaut. Und dann hatten wir so viele Rosen...

...die Sie am Samstagabend zum Sieg geschenkt bekommen hatten. 188 Rosen, richtig?

Ja. Vielleicht waren es auch ein paar mehr. Die haben wir abends nach dem Ball alle noch ins Auto geladen und zuhause in die Badewanne gelegt. Das waren so viele - ich wusste wirklich nicht, was ich damit machen sollte. Ab Montag musste ich wegen meiner Ausbildung die ganze Woche nach Nürnberg. Ich selbst habe gar nicht viel von den Rosen gehabt. Also habe ich am Sonntag aus den Rosen Sträuße gebunden und die an Nachbarn und Freunde verschenkt.

Haben Sie sich etwa kein Erinnerungsstück an den Ball aufgehoben?

Doch. Den Rosenköniginnenstrauß habe ich getrocknet. Der steht jetzt im Wohnzimmer auf dem Esstisch.

Wie nervös waren Sie auf dem Rosenball?
Eigentlich gar nicht. Auftritte vor großen Menschenmengen finde ich nicht so schlimm, weil ich nicht jedem ins Gesicht schauen muss. Der Rosenball an sich war ganz entspannt. Die drei Tage davor waren am schlimmsten, da konnte ich nachts fast nicht mehr schlafen. Da liegt man nachts im Bett und denkt sich: "Mensch, was können die einen fragen?" Man kann sich aber nicht wirklich darauf vorbereiten. Erst wenn es soweit ist und man in seinem Kleid drinnen steckt, geht es mit der Aufregung.

Sie wirken nicht wie eine Klischee-Schönheitskönigin: Beispielsweise streben Sie als Bauingenieurin einen Beruf in einer echten Männerdomäne an und angeln sich den Fisch zum Grillen selbst. Warum haben Sie an einem Schönheitswettbewerb teilgenommen?
Das war im Prinzip Zufall. Ich bin eigentlich kein typischer Diskogänger, aber ich war auf der Look-Osterbombe. Davor war ich ein Jahr lang nicht in der Disko. Ich bin gerade zur Toilette gelaufen, da hat mir Anna-Lena Koch (ihre Vorgängerin, Anm. d. Red.) einen Zettel in die Hand gedrückt und gefragt: "Willst du nicht Rosenkönigin werden?" Beim Frühstück habe ich mit meiner Mama darüber gesprochen, die hat mich gefragt, ob ich verrückt wäre mir den Stress anzutun. Aber dann habe ich mich doch beworben, auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass ich gewinne. Man hat es probiert und wenn es nicht klappt, dann ist es halt so.

War die Mama deshalb sauer?
Im Nachhinein war sie sogar noch aufgeregter. Meine Mama arbeitet an einer Tankstelle und hat dort immer Werbung für die Abstimmung auf Facebook für mich gemacht und den Leuten beim Tanken alles erklärt.
Wie schaut der Terminplan der Rosenkönigin aus, ist der sehr voll?
Viel Freizeit hatte ich nicht. Ich war jetzt zehn Wochen am Stück in Nürnberg auf einer überbetrieblichen Fortbildung. In dieser ganzen Zeit waren der Rosenball, das Rakoczyfest, der Kissinger Sommer, Tanzturnier, Sportwagen- und Oldtimertreffen. Meistens bin ich freitags gegen vier Uhr aus Nürnberg nach Hause gekommen und musste dann gleich zum Friseur. Dann war ich das ganze Wochenende als Rosenkönigin unterwegs. Das war ziemlich stressig, aber schön.

Wie ist ihr Eindruck von den Terminen, auf denen Sie Bad Kissingen offiziell repräsentiert haben?
Ich war bisher auf vielen Veranstaltungen, auf die ich sonst nicht gehen würde, wie der Kissinger Sommer oder das Tanzturnier. Da sind sonst nicht viele junge Leute zu sehen. Am Anfang fand ich es ungewohnt, weil die Leute mich oft ansprechen. Mit meinem Kleid falle ich auf. Aber das ist ja Sinn und Zweck, dafür bin ich Rosenkönigin.
Sie wohnen also in Bad Kissingen. Wie sehr identifizieren Sie sich mit der Stadt?
Ich bin gerne daheim. Ich möchte aus Bad Kissingen nicht wegziehen, deshalb wohne ich während des Studiums weiter hier.

Wie gehen sie mit dem Stress aus Studium, Berufsausbildung und Job als Rosenkönigin um?
Ich muss immer etwas machen. Ich kann mich nicht auf die Couch legen und fernsehen, das geht einfach nicht. Ich muss mir die Zeit gut einteilen. Ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich Termine absage, weil ich mich ja freiwillig als Rosenkönigin beworben habe. Außerdem habe ich Angst etwas zu verpassen, die Chance, Rosenkönigin zu sein, hat man nur einmal. Also müssen Dinge zurücktreten, wie meine Freizeit.

Um ein Klischee zu bedienen: Bleibt noch Zeit für den Schönheitsschlaf?
Ich bin kein Langschläfer. Unter der Woche stehe ich zwischen vier Uhr und halb fünf auf. Dann mache ich meine Hausarbeit oder ich gehe raus zum Sport. Ich kann es nicht leiden, wenn ich nach der Arbeit heim komme und dann erst mit dem Haushalt anfange. Ich bin eben ein disziplinierter und penibler Mensch. Ordentlichkeit muss sein. Da ist meine Mama genauso.

Die Fragen stellte Benedikt Borst.