Brustkrebs-Diagnose verändert Nicoles Leben für immer: "Muss ich jetzt sterben?"

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Nicole Kultau aus Aschaffenburg hat mit 41 Jahren die Diagnose Brustkrebs erhalten. Seitdem setzt sich als Aktivistin unter anderem mit ihrem Blog für mehr Aufklärung ein.
Aschaffenburg: Nicole erhält lebensverändernde Krebsdiagnose
Henriette Scheibner; Parentingupstream/Pixabay.com; Grafik: inFranken.de

Eine Mutter aus Aschaffenburg bekommt mit 41 Jahren die Diagnose Brustkrebs. Ein jahrelanger Kampf beginnt für die alleinerziehende Mutter eines behinderten Sohnes. Doch Nicole Kultau verliert nie ihren Optimismus und will mit einem in Deutschland wohl einzigartigen Blog anderen Betroffenen Mut machen.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 70.000 Mal wird diese Diagnose im Jahr in Deutschland gestellt. Mehr als 17.000 Frauen sterben jährlich, wie die Deutsche Krebsgesellschaft schreibt. Die bekannte Moderatorin Sonya Kraus hat erst kürzlich berichtet, dass sie sich beide Brüste nach ihrer Krebsdiagnose abnehmen lassen hat.

Rechtzeitig erkannt und behandelt, ist eine Brustkrebserkrankung gut heilbar, wie die Deutsche Krebsgesellschaft schreibt. Nicole Kultau aus Aschaffenburg bekam mit 41 Jahren die Diagnose Brustkrebs. Mittlerweile gilt sie als geheilt. Doch die Fränkin hatte einen weiten, steinigen Weg hinter sich, wie sie inFranken.de berichtet.

Nicole aus Aschaffenburg erhält Brustkrebs-Diagnose: Odyssee an Arztbesuchen beginnt

Alles begann im April 2010. Nicoles Frauenärztin entdeckte eine Verhärtung in ihrer Brust. Danach stand eine Odyssee an Arztbesuchen für die Frau aus Aschaffenburg an. Sie sagt, dass ihr schnell klar wurde, "dass da sie nicht mehr rauskommt."

Sie befand sich zunächst in einem "absoluten Schockzustand" und eine ihrer ersten Fragen war: "Muss ich jetzt sterben?" Nach etlichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass sie zwar an Brustkrebs erkrankt war, ihr die Ärzte aber viel Hoffnung schenkten, gesund zu werden. Kurz nach dieser Diagnose begann die Chemotherapie. In den folgenden Jahren folgten eine Port-Implantation inklusiver Sentinel-OP, sechs Chemotherapien, zwei brusterhaltende Operationen, eine Antihormontherapie und anschließende Bestrahlungen. 

Während ihrer Krebshandlung beginnt Nicole ihren Blog "Prinzessin uffm Bersch" zu schreiben, um "im Schreiben die eigene Geschichte zu verarbeiten". Denn für sie ist nach den Behandlungen eine "schwerwiegende Zeit" gestartet. Sie hat danach mit "Fatigue zu kämpfen" und fühlte sich mit der "Nachsorge alleine gelassen". Sowohl die Krebserkrankung an sich, als auch Chemotherapie, Bestrahlung und zielgerichtete Therapien können Fatigue auslösen, wie krebsgesellschaft.de schreibt. Unter Fatigue versteht man "einen Punkt völliger körperlicher, emotionaler und/oder geistiger Erschöpfung. Fehlender Antrieb, anhaltende Müdigkeit und Kraftlosigkeit, die in keinem Verhältnis zu vorangegangenen körperlichen oder geistigen Anstrengungen stehen." Auf ihrem Blog kann sie, wie in einem Tagebuch, ihre Gedanken und Gefühle teilen. Sie sei "eine eher introvertierte Person", doch mit ihrer Website habe sie ein "Sprachrohr" gefunden.

Fränkin kämpft erfolgreich gegen Brustkrebs: "Informierte Patienten haben einen Überlebensvorteil"

Ein weiterer Schicksalsschlag trifft die Aschaffenburgerin, als sie erfährt, dass ihr Brustkrebs erblich bedingt ist. "Nur in 5 bis maximal 10 Prozent aller Brustkrebsfälle lässt sich ein krankheitsauslösendes Gen nachweisen", schreibt krebsgesellschaft.de. Sie ist alleinerziehende Mutter eines behinderten Sohnes und auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass er an Brustkrebs erkranken kann, ist es dennoch nicht ausgeschlossen.

Wieder teilt sie ihre Gedanken und Gefühle auf ihrem Blog, der laut Nicole als einer der ersten in Deutschland das Thema Brustkrebs in den Mittelpunkt stellt. Ihr Blog sei eine Art "Schatzkiste, aus der jeder nehmen kann, was er braucht." Im Jahr 2021 hatte sie um die 50.000 Besucher alleine auf ihrer Website. Daneben hat die Fränkin noch einen Facebook- und einen Instagram-Account, die sie beide ebenfalls mit Neuigkeiten rund um sich, aber auch anderen Themen, befüllt.

Auf ihrer Website sind mittlerweile auch die Lebensgeschichten von anderen Betroffenen zu finden und eine Rubrik, die sich mit der Behinderung ihres Sohnes auseinandersetzt. Sie möchte mit ihrer "Website etwas bewegen" und als "Aktivistin auf dem Gebiet" Aufmerksamkeit auf verschiedene, wichtige Themen lenken. Ihr Blog sei laut Nicole "sehr einzigartig" in Deutschland. Sie wünsche sich, dass andere Betroffenen die Möglichkeit haben, ihre Geschichte zu erzählen und sich miteinander auszutauschen und zu vernetzen. Der Informationsaustausch sei ihrer Meinung nach immens wichtig. Sie erklärt, dass gerade die "Früherkennung sehr wichtig" sei und betont, dass "informierte Patienten einen Überlebensvorteil" haben. Sie erklärt, dass Patienten oft nicht wissen würden, welche Rechte sie eigentlich hätten.

Nicole konnte durch ihren Blog schon viele, besondere Erfahrungen sammeln. Vor allem eine Geschichte habe sie tief berührt. Über eine Reportage wurde sie auf einen jungen Mann aufmerksam, der seine Frau an metastasierenden Krebs verloren hat. Sie sprach ihm über das Internet ihr Mitgefühl aus. Daraufhin meldete er sich bei ihr und erzählte, dass Nicoles Blog dem Paar sehr geholfen habe. Seine Frau habe ihm immer wieder aus dem Blog vorgelesen und sei von ihm sehr berührt gewesen.

Für Nicole sind Begegnungen dieser Art ein "Geschenk". Sie ist der Meinung, dass es wichtig sei, über Erkrankungen zu sprechen, damit die Betroffenen merken, dass "sie nicht alleine sind". Sie räumt ein, dass sie auch Phasen hatte, in denen sie "geweint und gehadert" habe, doch sie meint auch, dass sie selbst entscheiden kann, was sie aus ihrem Leben mache. "Jede Frau ist eine Gewinnerin", meint Nicole. "Ganz gleich, wie sie die Erkrankung durchmacht." 

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