Qualvoll sind etwa 150 Rinder im Stall eines Mastbetriebs verendet: In einem Mastbetrieb im Rothenburger Umland (Landkreis Ansbach) wurden am Pfingstsonntag (23.05.21) etwa 150 verendete Rinder aufgefunden. Dies teilte die Polizei Rothenburg ob der Tauber am Montag (24.05.21) in einer Pressemitteilung mit.

Nun sind die restlichen Tiere gestorben. "Davon war einige in so einem schlechten Zustand, dass sie eingeschläfert wurden. Man musste sie schnell von ihrem Leid erlösen", sagte Polizeisprecher Michael Petzold am Mittwoch. Die übrigen Rinder seien notgeschlachtet worden.

Weitere 50 Rinder sterben auf Mastbetrieb im Kreis Ansbach: Tiere "extrem vernachlässigt"

Man habe zuvor versucht, die noch lebenden Tiere wieder aufzupäppeln, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Diese seien aber in einem desolaten Zustand und es war nicht ausgeschlossen, dass weitere sterben. Die Polizei verdächtigt den Landwirt, sich nicht ordentlich um die Tiere gekümmert zu haben. "Wir gehen davon aus, dass die Tiere über einen längeren Zeitraum nicht versorgt wurden", sagte Michael Petzold vom Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg am Dienstag. "Fakt ist, dass die Tiere extrem vernachlässigt waren."

Die Polizei ermittelt gegen den Landwirt im Umland von Rothenburg ob der Tauber wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.  Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag fordert angesichts dieses neuen Falls bessere und gezieltere Kontrollen, um solche Missstände bei der Tierhaltung zu verhindern. "Das beweist, dass die Staatsregierung noch immer nicht gut genug kontrolliert, obwohl mittlerweile jährlich ein Skandal dieses Ausmaßes auftritt", teilte die agrarpolitische Sprecherin Ruth Müller mit.

Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sagte, Verstöße gegen den Tierschutz seien nicht hinnehmbar und müssten Konsequenzen haben. "Es braucht jetzt umfassende Aufklärung durch die Ermittlungsbehörden." Das Ministerium hat nach Angaben eines Sprechers einen Bericht von den Behörden vor Ort angefordert, die für die Kontrollen, aber auch die Sanktionen zuständig seien.

Rothenburg ob der Tauber: 150 Rinder in Mastbetrieb gestorben - Klöckner "fassungslos"

In diesem Fall sind das das Landratsamt und das Veterinäramt in Ansbach. Der betroffene Betrieb sei 2017 und 2018 zum letzten Mal kontrolliert worden, sagte die Sprecherin des Landratsamtes, Josephine Georgi. Tierschutzverstöße seien nicht festgestellt worden, der Stall sei in gutem Zustand gewesen, Futter ausreichend vorhanden.

Erst vor einer Woche sorgte ein Fall von Tierquälerei in Bad Kissingen für Wut. Ein Rentner verkaufte Ziegen auf seinem Hof und ließ sie bei lebendigem Leib nach einem islamischen Ritual schlachten.

Es gebe keine gesetzliche Vorgaben, in welchen Abständen Vieh-Betriebe kontrolliert werden müssten, erläuterte die Sprecherin. Diese werden anlass- und risikobezogen durchgeführt. Einen festen Turnus - zum Beispiel jährlich - könnte das Veterinäramt nicht leisten.

Zuvor hatte bereits Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) entsetzt auf den Tod der Rinder reagiert. "Ich bin fassungslos, dass so etwas passieren kann", teilte sie am Dienstag mit. "Der Vorgang muss umfassend aufgeklärt und hier ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden."

Tierquälerei auf Mastbetrieb in Kreis Ansbach: Ermittlungen gegen Landwirt

Die Polizeiinspektion Rothenburg ermittelt gegen den betroffenen Landwirt wegen eines tierschutzrechtlichen Verstoßes. Das zuständige Veterinäramt wurde umgehend eingebunden und führt die erforderlichen Maßnahmen durch. Noch lebende Tiere werden versorgt, die verendeten Rinder werden einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt.