Nach der Schließung des letzten deutschen Playmobil-Werks hat das Mutter-Unternehmen große Pläne für das Areal in Mittelfranken. Für einen neuen Campus wird viel Strom benötigt.
Zum 1. Juli schloss Playmobil sein langjähriges Werk in Dietenhofen im Landkreis Ansbach. Der international bekannte Spielzeughersteller verlagert seine Produktion ins Ausland. Seitdem gab es mehrere Inventar-Auktionen beim letzten deutschen Produktionswerk von Playmobil. Die letzte Versteigerung läuft aktuell bis zum 25. November auf der Plattform restlos.com.
Auf dem rund 18 Hektar großen Gelände in Dietenhofen will die in Zirndorf (Kreis Fürth) sitzende Playmobil-Mutter Horst-Brandstätter-Group künftig einen Rechen-Campus bauen, der auf eine Leistung von 100 Megawatt ausgelegt sei und Potenzial darüber hinaus habe, wie das Unternehmen mitteilte.
Playmobil-Werk in Dietenhofen weicht Rechenzentrum
Brandstätter stellt die Infrastruktur bereit, während Partner die jeweiligen Anwendungen teilweise eigenständig umsetzen sollen. Konkret richtet sich der Campus an Unternehmen aus der Region, klassische Rechenzentrumsbetreiber und internationale Technologieunternehmen, die große, global verteilte Cloud-Infrastrukturen und Rechenzentren betreiben. Die Angebote reichen vom einfachen Bereitstellen der Flächen mit entsprechender Netzanbindung bis hin zur vollständigen Rechenleistung. Die Sparte Playmobil digital ist ein neuer, eigenständiger Zweig innerhalb der Unternehmensgruppe.
Bau und Betrieb des Campus werden von einem Team verantwortet, das über mehr als 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Rechenzentren und IT verfügt, so das Unternehmen. Der Standort in Dietenhofen biete gute Voraussetzungen. Auf dem Playmobil-Areal bestehe bereits eine Anbindung an eine 110-Kilovolt-Leitung.
"Darauf aufbauend ist ein Strompfad von 100 Megawatt vorgesehen und der Standort ist für Ausbaustufen darüber hinaus ausgelegt", heißt es weiter. Der Netzbetreiber N-Ergie in Nürnberg habe die entsprechenden Netzkapazitäten zugesichert.
Brandstätter verweist auf "digitale Zukunft" und entgegnet Kritik
Brandstätter-Vorstand Matthias Fauser lässt verlauten: "Wo über Jahrzehnte Playmobil produziert wurde, wollen wir künftig eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft ermöglichen." Große Rechnerleistungen sind vor allem für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz in Zukunft mehr und mehr von Bedeutung.
Auch Siemens mischt ambitioniert beim Thema KI mit: Ein fränkisches Werk soll als weltweite Vorlage für KI-gestützte, autonome Fertigung fungieren.