Wie viel kommt dabei herum?
Nach Rechnung des Finanzministeriums entsteht allein aus der staatlichen Förderung bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro. «Daraus können bis zum Renteneintritt ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 Euro werden», erklärt Klingbeils Ministerium.
Doch Eltern und Großeltern können das Depot auch durch freiwillige Zahlungen aufstocken – Einzahlungen bis zu 6.840 Euro im Jahr sind erlaubt. Legten die Eltern monatlich nur zehn Euro drauf, könne das Depot bis zum Renteneintritt auf rund 107.000 Euro wachsen, rechnet das Finanzministerium. Bei einer Zuzahlung von monatlich 50 Euro könnten im Rentenalter rund 320.000 Euro zusammengekommen sein. Diesen Berechnungen liegt eine angenommene durchschnittliche Wertentwicklung von 7 Prozent zugrunde. Tatsächlich können sich die Depots besser oder auch schlechter entwickeln.
Wie teuer ist das für den Staat?
Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.
Ist Sparen das einzige Ziel?
Nein, die Frühstartrente soll auch dafür sorgen, dass sich mehr junge Leute mit dem Aktienmarkt auseinandersetzen. Sie sollen die Wertentwicklung in ihren eigenen Depots spüren – und auch sehen, dass sich ein vorübergehendes Minus auf lange Sicht oft ausgleicht. Der Gesetzentwurf spricht von «einer frühen praktischen Kapitalmarkterfahrung junger Menschen» mit den Eltern.
So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen. Denn private Vorsorge wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Dafür hat die Bundesregierung einen Nachfolger für die wenig beliebte private Riester-Rente entwickelt. Von der Frühstartrente soll es mit der Volljährigkeit einen nahtlosen Übergang in die neue steuerlich geförderte private Altersvorsorge geben.
Die Frühstartrente sei «eine richtige Chance für die Kinder in unserem Land. Und das ist aber auch eine richtige Chance, um die Rente zukunftsfest aufzustellen», sagt Klingbeil.
Wie reagiert die Politik auf Klingbeils Pläne?
Für die Linke ist die Frühstartrente ein «Sinnlos-Projekt». Rentenexpertin Sarah Vollath sagte der «Rheinischen Post»: «Die Frühstartrente ist nichts anderes als Symbolpolitik, mit der die Bundesregierung schon die Jüngsten in der Gesellschaft an den Kapitalmarkt binden will.» Wohlhabende Eltern, die Eigenbeiträge stemmen könnten, würden obendrauf steuerlich begünstigt, während ärmere Familien das Nachsehen hätten.
Auch Gewerkschaften halten das Konzept für falsch. Zehn Euro im Monat seien nur ein kleiner Köder, um Familien in die Arme von Fondsanbietern zu treiben, kritisierte die IG Metall. Statt der Finanzwirtschaft unter die Arme zu greifen, müsse die Bundesregierung die gesetzliche Rente stärken.
Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann dagegen verteidigte die Frühstartrente: «Jungen Menschen kommt dadurch die Kraft des Kapitalmarkts und der Zinseszinseffekt von klein auf zugute», betonte sie.