Es kommt aufs Rohöl an
Der Ölpreis ist - in Kombination mit dem Dollarkurs - typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen beim Sprit und Heizöl. Die Eskalation des Konflikts treibt den Ölpreis unter anderem deswegen, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge, auch Flüssiggastransporte müssen durch dieses Nadelöhr. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.
Aktien unter Druck, Gold gefragt
An den Finanzmärkten sorgt der Iran-Krieg für Turbulenzen. Der deutsche Leitindex Dax gab am Montag deutlich nach um 2,3 Prozent oder mehr als 500 Zähler, bevor er seine Verluste eindämmte. Besonders stark sanken die Kurse von Chemie- und Touristikkonzernen. Der Reiseverkehr in Nahost ist zum Erliegen gekommen, dort strandeten Zehntausende Urlauber. Der Luftraum ist weiträumig gesperrt, Flugzeuge starten nicht; auch Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab. Die Lufthansa etwa meidet den Nahen Osten weitgehend.
Investoren setzen wegen der Unsicherheit verstärkt auf den «sicheren Hafen» Gold. Der Preis für das Edelmetall zog an, zuletzt mussten für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) fast 5.400 Dollar bezahlt werden - das Rekordhoch von fast 5.600 Dollar von Ende Januar rückt damit näher.
Folgen für die Konjunktur?
Auch für die angeschlagene deutsche Wirtschaft birgt die Eskalation im Nahen Osten Gefahren. Bleibe es bei einem kürzeren Konflikt, seien die wirtschaftlichen Folgen begrenzt, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Das Risiko läge in einem deutlichen Ölpreisanstieg bei einem länger anhaltenden Konflikt. «In diesem Falle wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant.»
Berechnungen der EZB zeigten, dass ein Ölpreisanstieg um 10 Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drücke, sagt Gitzel. Das wäre für die deutsche Wirtschaft, die nach Einschätzung der Bundesregierung dieses Jahr um ein Prozent wachsen dürfte, bereits schmerzhaft.
Dass es bei einem nur wenige Tage dauernden Militärschlag bleibt, ist zumindest zweifelhaft. Nach Einschätzungen von US-Präsident Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern.
Rund 1.800 deutsche Unternehmen sind in den Staaten des Golfkooperationsrates aktiv – in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain und Katar, wie DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier schildert. Zugleich sei die Golfregion ein neuralgischer Knoten im globalen Containerverkehr und der Luftfahrt. «Weitere Störung – etwa im Roten Meer – würde internationale Logistikketten empfindlich treffen, und damit auch die deutsche Wirtschaft.»
Öl als Schlüssel für Warentransporte
Die Finanzmärkte hatten sich bereits auf den Iran-Konflikt eingestellt, was die Rohölpreise von etwa 60 US-Dollar pro Barrel auf über 70 Dollar steigen ließ. «Sollte sich eine wochenlange, effektive Sperrung der Transportwege aus dem Golf abzeichnen, wären Preissteigerungen bis über 100 US-Dollar die Folge, danach sieht es aber zurzeit nicht aus», glaubt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.
Dauerhaft hohe Ölpreise können den Transport von Waren spürbar verteuern, etwa über höhere Frachtraten für Schiffstransporte oder teureren Sprit für Frachtairlines. Die Exportnation Deutschland würde das besonders treffen.