Zimmermann sagt hingegen: «Spart euch den Verhandlungsatem und macht einfach einen Rollover, also alles genau wie letztes Jahr.» Die Fischerei habe auf diese Bestände keinen messbaren Einfluss mehr. «Wir reden beim Westhering von drei Prozent der Quote im Vergleich zu 2017, die noch übrig sind.»
Selbst diese geringen Mengen würden von den hiesigen Fischern ohnehin nicht mehr ausgeschöpft. In Vorpommern etwa fressen Kegelrobben die Heringe aus den Stellnetzen, Schiffsdiesel ist teuer und in diesem Jahr kam der Eiswinter hinzu. All das behindert eine wirtschaftliche Fischerei.
Die Faktoren, die die Erholung der Bestände trotz fast eingestellter Fischerei verhindern, sind vielfältig. Zur Überfischung früherer Jahre kommen Umwelt- und Klimaeinflüsse hinzu, die die Ostsee belasten. Dorsche in der westlichen Ostsee erreichen das Erwachsenenalter nicht, weil das Wasser in oberen Schichten ab Juli zu warm ist und in unteren Schichten nicht ausreichend Sauerstoff hat.
Auch Abgase belasten Ostsee
Zum Sauerstoffmangel im Wasser steuert der Eintrag von Nährstoffen bei. Diese fördern das Wachstum von Algen, und deren Zersetzung durch Bakterien verbraucht wiederum Sauerstoff. Für die Ostsee insgesamt stammten die meisten Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, etwa von überschüssigem Dünger, erklärt Zimmermann. Auf Deutschland bezogen komme hingegen der größte Eintrag aus der Atmosphäre. Dabei gehe es etwa um Stickoxide von Dieselmotoren, Erdöl- oder Erdgasheizungen.
Beim Hering wiederum brächten warme und späte Winter die Entwicklung des Nachwuchses durcheinander. Zimmermann hätte sich beim Westhering trotzdem für kommendes Jahr sogar vorstellen können, in geringem Umfang wieder gezielte Fischerei auch jenseits Beifangs und Ausnahmen zuzulassen.
Forschungen seines Instituts zeigten, dass der Bestand wegen des Klimawandels nie wieder so produktiv sein werde wie noch vor 30 Jahren. Damit müsste man laut Zimmermann aber auch einen neuen Maßstab anlegen, ab wann man wieder nachhaltig gezielt fischen könne. Der ICES habe sich aber bislang dagegen entschieden und gehe weiter von nicht mehr erreichbaren Referenzwerten aus - nach Ansicht Zimmermanns die falsche Entscheidung.
Bei anderen Beständen empfiehlt die EU-Kommission eine Erhöhung der Fangmengen, etwa bei Sprotte, die aber für die hiesige Küstenfischerei keine Rolle spielt. Beim Hering der zentralen Ostsee ist eine Anhebung der Fangmenge um rund 50 Prozent vorgesehen. Wieso leidet dort der Hering nicht ähnlich wie in der westlichen Ostsee?
«Das ist eine total spannende Frage», sagte Zimmermann. Eine Möglichkeit sei, dass die Erwärmung im Frühjahr sogar für mehr Nachwuchs sorgt, allerdings nur für einige Jahre. «Aber dann trifft auch die östlichen Heringsbestände das gleiche Schicksal wie den westlichen Heringsbestand jetzt schon», so die Hypothese.
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