Nach den Zöllen ist vor den Zöllen. Mit seinen jüngsten Ankündigungen schürt US-Präsident Trump erneut Unsicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks. Ein Überblick.
Donald Trump wollte mit seinen Zöllen die USA retten, doch der Oberste Gerichtshof kassierte viele seiner Importaufschläge. Das hält den US-Präsidenten aber nicht von seinem aggressiven Vorgehen gegen Handelspartner ab. Ein Überblick zu Trumps Lieblingsinstrument bei Verhandlungen.
Wer bezahlt die Zölle?
Formal ist die Antwort einfach. Der amerikanische Importeur zahlt Zölle für die importierten Waren an die US-Zollbehörde. Diese Preisaufschläge muss er entweder selbst übernehmen und auf Gewinn verzichten oder er muss sie weitergeben. Das ginge zum einen, indem er die Preise bei den Exporteuren der Produkte drückt, etwa deutsche Unternehmen. Doch es gibt bestehende Lieferverträge, die zunächst weiter Gültigkeit haben. Allerdings kann der Importeur schrittweise in Verhandlungen versuchen, die ausländischen Lieferanten zu Zugeständnissen zu bewegen. Bisher lässt sich an den Einfuhrpreisen aber nicht ablesen, dass die Exporteure ihre Preise gesenkt haben.
Zum anderen können Importeure die höheren Kosten für die Einfuhr von Produkten aus dem Ausland in Form von höheren Preisen an die Käufer weiterreichen, sodass die Mehrkosten letztendlich von Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen werden. Importeure und Verbraucher in den USA tragen bisher 96 Prozent der Zolllast, wie neue Forschungsergebnisse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigen. Der Demokrat Ro Khanna fasste zusammen: «Bei diesen Zöllen ging es nicht um Sicherheit – sie waren eine Steuer für Familien und kleine Unternehmen, um einen rücksichtslosen Handelskrieg zu finanzieren», warf der Kongressabgeordnete Trump vor.
Warum trifft das dennoch deutsche Exporteure?
Für deutsche Exporteure ist dies aber kein Grund zur Freude. So werden in den USA insgesamt weniger Produkte aus dem Ausland nachgefragt, da US-Produkte relativ zu importierten Waren günstiger werden. Das Einfuhrvolumen in die Vereinigten Staaten ist deshalb insgesamt gesunken.
Zudem wird die Wirtschaft von höheren Preisen belastet. So hat sich das Wachstum in den USA im vergangenen Jahr abgeschwächt. Auch dies wirkt sich auf die Nachfrage nach ausländischen Produkten aus. Ferner dürfte der Druck auf die deutschen Hersteller wachsen, die Preise doch noch zu senken. Dies würde zu niedrigeren Gewinnmargen führen. Deutsche Unternehmen werden versuchen, auf andere Märkte wie beispielsweise Indien auszuweichen.
Was will Trump mit seinen Zöllen erreichen?
Trump sieht seine Zölle als Allheilmittel: Vordergründig sollen sie Geld in die Kassen der Regierung spülen und das beklagte Handelsungleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern ausgleichen. Nur allzu gerne wirft Trump anderen Staaten wie China vor, die USA jahrelang übers Ohr gehauen zu haben. Im Kern stört es den Republikaner, dass die USA ein riesiges Handelsbilanzdefizit haben. Das bedeutet, dass die USA mehr Waren aus dem Ausland kaufen als selbst in jene Länder verkaufen. Durch Zölle soll der Preisvorteil von Importen aufgehoben und so die heimische Produktion angekurbelt werden.
Trump nutzt seine Zölle gerne als Hebel, um Verhandlungen zu erzwingen oder als Druckmittel für Kompromisse. So setzte der Präsident Konzerne aus dem Ausland vor die Wahl, entweder ihre Produktion zumindest teilweise in die USA zu verlagern oder Zölle in Kauf zu nehmen. Denn wenn Firmen wieder in den Vereinigten Staaten ihre Waren herstellen, so Trump, würde das dem Land einen zusätzlichen Schub verleihen. Dass die höheren Herstellungskosten etwa aufgrund höherer Löhne dann womöglich an die Verbraucher weitergegeben werden, lässt der Präsident außen vor.