Menschen in Süddeutschland mit Tropen-Virus infiziert - warum die Fälle besonders sind

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Etwa jeder Fünfte, der sich mit dem West-Nil-Virus ansteckt, entwickelt West-Nil-Fieber. Nun wurden erstmals zwei Menschen in Baden-Württemberg registriert, die sich in Deutschland angesteckt haben.

Erstmals sind in Baden-Württemberg bei Menschen zwei lokal erworbene Infektionen mit dem West-Nil-Virus nachgewiesen worden. Beide Betroffenen hatten sich zuvor nicht im Ausland aufgehalten, teilte das Sozialministerium mit. Nach derzeitigem Stand hätten sich beide im Raum Stuttgart und Karlsruhe durch Stiche infizierter Stechmücken angesteckt. Weitere Details zu den Erkrankten machte die Behörde zunächst nicht. Auch in Franken gab es bereits einen Ansteckungsfall mit dem West-Nil-Virus.

Laut Ministerium wurde das Virus bereits 2024 in Vögeln und Pferden in Baden-Württemberg festgestellt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch finde im alltäglichen Kontakt nicht statt. "Es ist nicht überraschend, dass das West-Nil-Virus nun erstmals auch bei Menschen in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde", sagte Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) laut der Mitteilung. "Nach aktueller Bewertung des Landesgesundheitsamts besteht derzeit aber kein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung."

West-Nil-Virus-Infektionen in Baden-Württemberg - vier Fälle bundesweit in 2026 registriert

Dem Ministerium zufolge sind lokal erworbene West-Nil-Infektionen in Deutschland seit 2019 bekannt. Sie seien zunächst überwiegend in ostdeutschen Bundesländern festgestellt worden, hieß es weiter. In diesem Jahr wurden demnach bis zum 7. Oktober vier Fälle dokumentiert: zwei in Berlin und jeweils einer in Sachsen und Rheinland-Pfalz.

Das West-Nil-Virus wird gemäß dem Robert Koch-Institut (RKI) hauptsächlich von Stechmücken zwischen wild lebenden Vögeln übertragen. Diese Mücken können jedoch auch Menschen und andere Säugetiere infizieren.

Ungefähr 20 Prozent der Menschen, die sich mit dem West-Nil-Virus infizieren, entwickeln das West-Nil-Fieber - eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Nur etwa jede 100. infizierte Person erkrankt schwer. Das West-Nil-Fieber heilt in der Regel ohne Komplikationen aus, schreibt das Robert Koch-Institut. Nur bei schwer erkrankten Patienten sind Spätfolgen relativ häufig.

Wie können sich Menschen vor dem West-Nil-Virus schützen?

Derzeit gibt es laut Ministerium keine spezifische antivirale Behandlung oder eine für Menschen zugelassene Impfung. Der effektivste Schutz besteht somit im Schutz vor Mückenstichen während der Stechmückensaison im Allgemeinen. "Dazu eignen sich beispielsweise Mückenschutzmittel, lange, helle und weite Kleidung sowie Mückenschutzgitter an Fenstern und Türen", empfiehlt das Landesgesundheitsamt laut Ministerium. Einige Merkmale machen Menschen jedoch zu einem typischen "Mückenopfer".

Zudem sollten mögliche Brutstätten von Stechmücken im heimischen Garten oder auf dem Balkon vermieden werden. Dazu zählt beispielsweise das Umdrehen von Untersetzern und Übertöpfen im Garten, um zu verhindern, dass sich dort Regenwasser ansammelt - potenzielle Brutstätten für Stechmücken.

Ärztinnen und Ärzte sollten laut Ministerium während der Stechmückensaison bei unklarem Fieber oder neurologischen Erkrankungen eine mögliche West-Nil-Infektion in Betracht ziehen. Bei entsprechendem Verdacht sollten geeignete Laboruntersuchungen veranlasst werden. In Franken breitet sich seit Jahren eine Stechmückenart aus Südostasien aus, die immer mehr zum Problem wird.

West-Nil-Virus in den 60ern erstmals in Europa aufgetaucht

Das West-Nil-Virus stammt laut Friedrich-Loeffler-Institut ursprünglich aus Afrika. Es wurde demnach erstmals 1937 im West-Nil-Distrikt in Uganda festgestellt. In Europa sei es erstmals Anfang der 1960er Jahre in Frankreich aufgetreten.

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Vorschaubild: © Andreas Lander/dpa-Zentralbild/dpa