Heizöl jetzt kaufen oder noch warten? Ein bestimmter Fehler kann richtig teuer werden

2 Min

Wer mit Heizöl heizt, steht vor der Frage: Jetzt bestellen oder abwarten? Je nach Restbestand im Tank gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Und eines sollte man tunlichst vermeiden.

Wer mit Heizöl heizt und vor dem kommenden Winter den Tank noch auffüllen muss, kontrolliert aktuell höchstwahrscheinlich täglich die Preise. Waren sie bis Mitte Juni dieses Jahres schon fast wieder auf Vorjahresniveau gesunken, schießen sie seitdem steil nach oben. Grund: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran - und die damit einhergehende Blockade wichtiger Ölhandelsrouten.

So erreicht die große Weltpolitik aktuell die Heizkeller landauf, landab überall dort, wo noch mit Heizöl geheizt wird. Und das sind laut Statistischem Bundesamt immerhin noch mehr als sieben Millionen bundesweit - knapp jeder fünfte Haushalt.

Heizölpreise steigen 2026 immer wieder sprunghaft an

Wer mit Öl heizt und noch nicht für den Winter vorgesorgt hat, braucht derzeit starke Nerven: Zum Beginn der Heizperiode sind die Heizölpreise so hoch wie seit der Energiekrise 2022 nicht mehr. Am Donnerstagnachmittag (1. Oktober 2026) kostete Heizöl bei einer Abnahmemenge von 3000 Litern im bundesweiten Schnitt mehr als 168 Euro pro 100 Liter, wie die Vergleichsportale Heizoel24 und Esyoil berichteten. Schwacher Trost: Am 17. September lag der Preis für 100 Liter Heizöl nach Angaben des Portals tecson.de schon einmal bei 181 Euro.

"Zumindest bleibt es mild, die Vorhersage zeigt für die kommenden zwei Wochen keinen Kälteeinbruch", stellte Janin Wordel von Heizoel24 in einer Analyse fest. "Die Heizung muss also noch nicht durchlaufen." Die Nachfrage bleibe aber robust, da viele Verbraucher seit dem Frühjahr beim Thema Bevorratung eher zurückhaltend geblieben seien. 

Denn von Ende Februar bis Mitte März war der Preis sprunghaft von knapp unter 100 Euro auf über 150 Euro angestiegen. Wer damals auf eine Erholung der Preise auf das alte Niveau gehofft hatte und dann bestellen wollte, hatte die Rechnung ohne Donald Trump und die Ajatollahs im Iran gemacht.

Bis auf den letzten Drücker mit der Heizölbestellung warten?

Hoher Preis hin oder her: Wenn der Heizöltank leer ist, muss bestellt werden. Steffen Bukold von Esyoil nennt den Markt daher aktuell lebendig: "Die Zahl der Bestellungen ist in dieser Woche überdurchschnittlich hoch", schreibt er in seiner jüngsten Analyse. Eine Kaufpanik gebe es aber nicht.

"Wir empfehlen Haushalten, so wenig wie nötig zu tanken, aber genug, um über den kommenden Winter zu kommen", sage Energiemarktexpertin Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei Öl-Heizungen mit zentraler Warmwasserbereitung entspreche dies in etwa drei Vierteln des durchschnittlichen Jahresverbrauchs des Haushalts.

"Den Tank vollmachen sollte man nicht, da die Preise aktuell so hoch sind wie zuletzt in der Energiepreiskrise von 2022", so Wallraf weiter. Kleinstmengen für wenige Wochen seien ebenfalls nicht ratsam, da der Preis pro Liter steige, je weniger man bestelle. "Zu leer laufen lassen sollte man den Tank ebenfalls nicht, denn dann benötigt man kurzfristig neues Heizöl. Und eine kurzfristige Lieferung ist wiederum häufig mit Aufschlägen verbunden."

Je nach Region extrem unterschiedlich: Zuschläge für kurzfristige Heizöl-Lieferung

Wer Heizöl ohne einen festen Termin bestellt, muss in der Regel zwei bis vier Wochen auf die Lieferung warten. Die Anbieter liefern bei Wunschterminen aber auch innerhalb von drei Tagen. Stichproben auf Heizoel24.de zeigen, dass dafür im Raum Bamberg aktuell ein Aufschlag von 56 Euro fällig ist. Ein Spottpreis, verglichen mit den Ballungsräumen Nürnberg oder Würzburg, wo aktuell 850 bis fast 1000 Euro für eine Lieferung innerhalb von drei Tagen aufgerufen werden.

In der Hoffnung auf günstigere Preise den Heizöltank leer laufen zu lassen, kann also richtig teuer werden. "Wer flexibel ist und auch eine Lieferung innerhalb weniger Wochen akzeptiert, bekommt den niedrigsten Preis", so Christina Wallraff von der Verbraucherzentrale.

Wallraf warnte beim Heizölkauf im Internet vor Fakeshops. "Diese haben aktuell wieder Hochsaison", sagte sie. "Wenn nur Vorauskasse möglich ist, die Preise sehr niedrig sind oder kein Impressum vorhanden ist, sollte man skeptisch werden." Sie verwies auf einen Service der Verbraucherzentralen, den sogenannten Fakeshop-Finder. Dort kann man die Internetadresse von Online-Shops eintippen und erhält dann eine Einschätzung der Verbraucherschützer zur Seriosität des Angebots.

Vorschaubild: © Hendrik Schmidt/dpa