Die SPD hat ihre auch bundesweit bekannte frühere Regierungschefin Franziska Giffey etwas ins politische Abseits gestellt und geht mit dem zunächst wenig bekannten Steffen Krach ins Rennen. Er sieht sich aber nun mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover konfrontiert, die seine frühere Tätigkeit als Regionspräsident in Hannover betreffen. Es geht um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme, Krach weist alle Vorwürfe zurück.
Welche Konstellationen sind denkbar?
Laut den Umfragen kommt keine Zweier-Koalition auf eine Mehrheit, auch nicht das regierende Bündnis aus CDU und SPD. Als wahrscheinliche Optionen gelten Dreier-Koalitionen – also entweder gehen CDU, Grüne und SPD zusammen oder aber Linke, Grüne und SPD. Die AfD dürfte, anders als in Sachsen-Anhalt, bei der Regierungsbildung außen vor bleiben, weil die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit der Rechtsaußen-Partei ablehnen. FDP und BSW sehen die Umfragen - mit einer Ausnahme - nicht im Parlament.
Linke (20-23 Prozent) und CDU (20-21 Prozent) rangieren in den jüngsten Erhebungen dicht beieinander, wobei die Linke zumeist knapp die Nase vorn hat. Etwas dahinter folgen die AfD (17-18 Prozent) und die Grünen (15-16 Prozent). Die SPD kann demnach mit 10 bis 12 Prozent nur auf Platz fünf hoffen.
Was waren die wichtigsten Wahlkampfthemen?
Fast alle Parteien haben den Wohnungsmangel und überhöhte Mieten in den Mittelpunkt gestellt. So fordert die Linke ein öffentliches Bauprogramm, eine Behörde gegen illegale Mieten und die Enteignung großer Immobilienkonzerne. Und SPD-Mann Krach will eine «Mietenpolizei» losschicken, um Mietwucher zu ahnden. Die CDU setzt stattdessen auf mehr und schnelleren Wohnungsbau und einen starken Mieterschutz. Die AfD will, dass Einheimische mit langjährigem Lebensmittelpunkt in Berlin vorrangig geförderten Wohnraum bekommen.
Weiteres Thema war die Verwahrlosung und Vermüllung des öffentlichen Raums. So wollen SPD und Linke eine kostenlose Sperrmüllabholung einführen, damit weniger Sofas, Matratzen und Kühlschränke auf den Gehwegen stehen. Gestritten wurde auch über mehr Tempo-30-Straßen und zusätzliche Radwege sowie über die Sicherheit auf den Straßen und im Nahverkehr. Die AfD fokussierte sich auch auf das Thema Migration und forderte im Wahlkampf unter anderem einen sofortigen Aufnahmestopp für Asylbewerber in Berlin.
Wie viele Wahllokale gibt es in Berlin?
Geplant sind etwa 2.542 Urnenwahllokale, ein Zehntel mehr als bei der Wiederholungswahl 2023. Sie haben von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Hinzu kommen 1.572 Briefwahllokale. Bis zu 40.000 Wahlhelfer werden im Einsatz sein. Sie sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen und bekommen für ihr Engagement bis zu 120 Euro «Erfrischungsgeld».
Wer zuschauen will: kein Problem. Laut Wahlordnung hat jedermann Zutritt zum Wahlraum - und zwar schon tagsüber während der Stimmabgabe, und auch später ab 18.00 Uhr, wenn öffentlich ausgezählt wird und der Wahlvorstand das Ergebnis feststellt.
Warum wird in Berlin so oft gewählt?
2021 fanden die Wahl zum Abgeordnetenhaus und die Bundestagswahl parallel statt - und endeten in einem beispiellosen Desaster. Es traten schwerwiegende Pannen auf, zum Teil fehlten Stimmzettel, zum Teil wurden sie vertauscht, zum Teil gab es lange Schlangen vor Wahllokalen. Die Wahlen zum Landesparlament wie auch zu den Bezirksparlamenten mussten daraufhin im Februar 2023 komplett wiederholt werden, die Bundestagswahl ein Jahr später teilweise.
An der Dauer der Legislaturperiode, die in Berlin fünf Jahre dauert, änderte sich indes nichts. Daher wird nun nach dreieinhalb Jahren statt nach fünf Jahren ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Für die Berlinerinnen und Berliner ist das der sechste Wahltag binnen fünf Jahren.
Welche Auswirkungen könnte die Wahl im Bund haben?
Die Wahl in der Hauptstadt und die zeitgleich stattfindende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern senden starke Signale auch in die Bundespolitik. Wenn die CDU schlecht abschneidet und etwa eine Regierende Bürgermeisterin der Linken ins Rote Rathaus einzieht, steigt der Druck auf Kanzler Friedrich Merz, dessen Kommunikations- und Führungsstil auch in den eigenen Reihen seit Wochen stark hinterfragt wird. Kann die CDU sich als stärkste Kraft behaupten, wäre das dagegen immerhin ein Erfolg für die Kanzlerpartei.
Auch beim Koalitionspartner SPD ist die Stimmung schlecht und es gibt Absetzbewegungen in der Partei vom eigentlich verabredeten Reformkurs der Bundesregierung. Das Führungsduo Lars Klingbeil und Bärbel Bas ist ebenso wie Merz längst nicht unumstritten.
Wie geht es weiter nach der Wahl?
Das für fünf Jahre neu gewählte Abgeordnetenhaus muss laut Artikel 54 der Landesverfassung spätestens sechs Wochen nach der Wahl unter dem Vorsitz des ältesten Abgeordneten zusammentreten. Geplant ist die konstituierende Sitzung für den 29. Oktober. Dann wählen die Abgeordneten aus ihrer Mitte den Präsidenten und zwei Vizepräsidenten. Dafür haben die Fraktionen das Vorschlagsrecht in der Reihenfolge ihrer Stärke.
Für die Wahl des neuen Regierenden Bürgermeisters gibt es keine feste Frist. Er wird mit der Mehrheit der Abgeordneten gewählt. Kommt eine solche Wahl nicht zustande, findet ein zweiter Wahlgang statt. Klappt auch dies nicht, so wird die Latte etwas niedriger gehängt und gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält.